Von den guten Ergebnissen der Länderspiele gegen Dänemark lässt sich DHB-Juniorentrainer Martin Heuberger nicht blenden: „Das ist alles Makulatur. Die Resultate sind sicher gut für das Selbstbewusstsein, aber bei der am Donnerstag beginnenden Europameisterschaft fangen wir wieder bei Null an.“ Gleichwohl hat der Trainer die stetige Leistungssteigerung seiner Mannschaft registriert: „Wir haben die Fehlerquote entscheidend senken können, die Laufwege automatisiert und dadurch die Ballsicherheit im Angriff erhöht. Auch in der Abwehr agieren die Spieler engagierter und bewegungsfreudiger, was die gegnerischen Angreifer zu manchem Fehler provoziert.“
Das DHB-Team reist als amtierender Weltmeister am Mittwoch mit dem Bus vom Treffpunkt am Chiemsee zur EM nach Bratislava. Vom WM-Team 2009 ist allerdings nur noch der Neu-Wetzlarer Steffen Fäth mit von der Partie. Am Donnerstag, den 29. Juli, steigt um 18 Uhr die Auftaktpartie gegen Russland, am Samstag, den 31. Juli, folgt ebenfalls um 18 Uhr das Spiel gegen die Finnen und am Sonntag, den 1. August, geht es um 18 Uhr gegen die starken Spanier. „Alles andere als eine einfache Gruppe“, weiß Martin Heuberger. Mit den Russen sei aufgrund ihrer körperlichen Präsenz immer zu rechnen, die Finnen sind eher von kleiner Statur, aber ungemein schnell und quirlig. Und mit den Spaniern, einem der Top-Favoriten dieser EM, haben seine Spieler, so Heuberger, noch eine Rechnung offen. Im Januar dieses Jahres verloren sie gegen die Iberer mit sieben Toren Unterschied.
Die ersten beiden Nationen aus den vier Vorrundengruppen qualifizieren sich für die Hauptrunde, wobei die Besten der „deutschen“ Gruppe C dann auf die beiden ersten Mannschaften aus der Gruppe D mit Slowenien, Kroatien, Schweden und Rumänien treffen. Die Hauptrundenspiele finden am 3. und 4. August statt, die Halbfinals und Platzierungsspiele am 6. August und das Finale sowie die Spiele um Platz 3 und 5 am Sonntag, den 8. August.
Der Kader, der sich zuletzt bei den Scandinavian Open und bei den Spielen gegen Dänemark in Brandenburg bewährt hat, genießt auch nun das Vertrauen des Trainer-Duos Martin Heuberger/Wolfgang Sommerfeld. Allerdings müssen die beiden noch um die EM-Teilnahme von Johannes Sellin bangen. Der Rechtsaußen unterzieht sich derzeit in Berlin einer medizinischen Behandlung, die DHB-Mannschaftsarzt Dr. Bittner mit den Verantwortlichen der Füchse Berlin abgestimmt hat. Sollte Sellin die EM nicht in Angriff nehmen können, wird Martin Heuberger wohl auf die Dienste von Rene Gruszka von EC Empor Rostock zurückgreifen. Probleme plagen auch Christian Dissinger, der nach den Dänen-Spielen über Schwindelgefühle klagte. Nach einer kompletten sportärztlichen Untersuchung bei DHB-Arzt Dr. Klaus-Peter Mellwig in Bad Oeynhausen und einem Termin bei Dr. Brigitte Friedmann-Bette vom Olympiastützpunkt Heidelberg wurde eine Verspannung in der Halsmuskulatur festgestellt. Bis zum ersten Spiel sollte ihn die medizinische Abteilung des DHB aber wieder hinbekommen.“
„Das größte Plus dieser Mannschaft ist ihre Stärke in der Breite, was bei einem so hochstehenden Turnier wie einer EM von entscheidender Bedeutung sein kann. Zudem hat sie in den letzten beiden Wochen frisches Selbstvertrauen tanken können. Wenn sich die Spieler hundertprozentig auf jedes einzelne Spiel konzentrieren, haben wir auch bei diesem Turnier eine Chance zu bestehen“, sagt Martin Heuberger, der Doppel-Europameister von 2004 und 2006.
Das deutsche Aufgebot: Oliver Krechel (Wilhelmshavener HV, 6/0), Robert Wetzel (TSV Altenholz, 5/0), Nils Dresrüsse (GWD Minden, 10/0); Niklas Ruß (Rhein-Neckar Löwen/TSG Friesenheim, 13/48), Max Schubert (FA Göppingen, 10/36), Christian Dissinger (Rhein-Neckar Löwen/TSG Friesenheim, 8/13), Tom Wetzel (TSV Altenholz, 9/16), Steffen Fäth (HSG Wetzlar, 25/77), Felix König (HBW Balingen/Weilstetten, 10/20), Jochen Geppert (Wilhelmshavener HV, 13/42), Rene Drechsler (Wilhelmshavener HV, 13/33), Christoph Steinert (GWD Minden, 14/35), Tim Hornke (SC Magdeburg, 12/26), Johannes Sellin (Füchse Berlin, 10/16), Alexander Becker (Rhein-Neckar Löwen/TSG Friesenheim, 13/22), Hendrik Pekeler (Bergischer HC, 8/26)
Offizielle: Martin Heuberger (Trainer), Wolfgang Sommerfeld (Co-Trainer), Dr. Thomas-Olaf Bittner (Mannschaftsarzt), Torsten Fässler (Physiotherapeut), Karsten Görsdorf (Video)