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„Wir haben nichts zu verlieren” - Badenstedts Trainer Thomas Löw im Interview

22.10.2013
22.10.2013 · 3. Liga, Frauen 3. Liga, Staffel Nord · Von: PM

„Wir haben nichts zu verlieren” - Badenstedts Trainer Thomas Löw im Interview

Mit Bravour ist die HSG Badenstedt als jüngstes Team der 3. Liga Nord mit vier Siegen und einem Remis gestartet. Mit dem Trainer der „Jungen Wilden” aus dem Südwesten von Hannover sprach Jörg Zehrfeld.

Zu Saisonbeginn mussten etliche Neue in das junge Badenstedter Team integriert werden. Jede Spielerin will sich beweisen, möchte Spielanteile.  Als Trainer hat man ja immer ein Ohr in der Mannschaft. Stimmt die Chemie trotz des betriebsinternen Konkurrenzdrucks ihrer Meinung nach?
Thomas Löw: Ich denke, die Chemie stimmt. Im Handball ist man nur erfolgreich, wenn die Mannschaft ein Team ist, alle für den gemeinsamen Erfolg kämpfen, jeder dem Anderen das gönnt, was er sich selbst wünscht und dies sowohl im Training und als auch im Spiel. Wir haben es ja leider schon in der noch sehr jungen Saison mitbekommen, wie schnell Verletzungen auftreten können und umso wichtiger ist es, dass man in der Breite sehr gut aufgestellt ist.

Wenn Ihnen jemand 9:1 Punkte aus den ersten fünf Spielen prophezeit hätte, hätten Sie es geglaubt?
Thomas Löw: Nein, natürlich nicht. Als Aufsteiger und dann mit doch einigen neuen Spielerinnen kann man dies nicht erwarten. Dass wir jetzt so da stehen, ist sicherlich sehr schön, ist aber dennoch nur eine Momentaufnahme und ändert nichts an unserer Zielsetzung. Ich betreue eine sehr junge Mannschaft, die sich von Spiel zu Spiel weiter entwickelt, die lernwillig und motiviert ist und die  richtige Einstellung besitzt. Sie gehen in ein Spiel um alles zu geben. Dass dies nicht immer zum Sieg reicht, dass wir nicht immer unsere Leistung abrufen werden können und dass es stärkere Teams geben wird, dessen sind wir uns sehr wohl bewusst.

Die Punkte sind gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte erzielt worden. Der vermutlich dicksten Brocken, nämlich VfL Oldenburg II, TV Oyten, HSG Blomberg II und am nächsten Wochenende Werder Bremen kommen jetzt erst. Was geben Sie ihrem Team dafür auf den Weg?
Thomas Löw: Mein Team ist trotz des geringen Durchschnittalters bereits spieltaktisch und mental sehr weit. Ich kann als Trainer auf eine Vielzahl von talentierten Spielerinnen zurückgreifen. Man braucht ihnen nicht viel mit auf den Weg geben, sie wissen eigentlich worum es geht und sie werden auch in Bremen versuchen dies zu zeigen. Wir sind besser gestartet, als alle von uns erwartet hatten und gerade in einem Match wie am Sonnabend haben wir nichts zu verlieren. Wir sind dort krasser Außenseiter.

Was ist ihrer Meinung die größte Stärke des Teams und welche die größte Schwäche?
Thomas Löw: Die Jugend, einerseits fehlt es ihnen natürlich an Erfahrung, aber andererseits spielen sie eben sehr unbekümmert und hochmotiviert. Sie sind sehr aufnahmebereit für neue Dinge und setzen dies sehr schnell um. Das ist häufig bei älteren Spielerinnen problematischer.

Auch wenn ja erst ein Heimspiel absolviert wurde, die Badenstedter Fans schweben dennoch auf Wolke Sieben. Sie wollen doch nicht etwa in die 2. Bundesliga aufsteigen?
Thomas Löw: Ich kann mir nicht vorstellen, und wünsche es mir natürlich auch nicht, dass gerade immer zum Zeitpunkt der jeweiligen Spiele bei den gegnerischen Teams Krankheitsepidemien ausbrechen und diese dann enorm geschwächt wären und ihr Leistungsvermögen nicht abrufen könnten. Mal Spaß bei Seite. Ich finde es natürlich schön, wenn es Menschen gibt, die uns so etwas zutrauen. Ich persönlich bin aber Realist und denke von Spiel zu Spiel. Ich will immer erfolgreich sein und kümmere mich um andere Dinge erst, wenn es notwendig wird.