Herrenberg: Intakte Moral wird mit einem Punkt belohnt
Herrenberg: Intakte Moral wird mit einem Punkt belohnt
Die SG H2Ku Herrenberg sendet ein erstes Ausrufezeichen im Abstiegskampf. Gegen den favorisierten TSB Heilbronn/Horkheim trennte sich das Team von Trainer Nico Kiener 29:29 (13:19). Dabei sah es zur Halbzeitpause nach einer klaren Angelegenheit für die Gäste aus.
Das schöne Herbstwetter hatte die Verantwortlichen der SG H2Ku Herrenberg noch einmal dazu animiert, Grill und Pfanne anheizen zu lassen und vor der Markweghalle schwäbische Spezialitäten anzubieten. In der Halle indes servierten die Gastgeber den etwa 450 Zuschauern in den ersten 30 Minuten eher Magerkost, um in der kulinarischen Sprache zu bleiben. Vor allem die Abwehrarbeit schmeckte Coach Nico Kiener überhaupt nicht. Das wenig überzeugende Agieren im Abwehrverbund verwunderte insofern, da wohl jeder der Spieler um die Bedeutung des Spiels wusste.
Von Beginn an strahlte der Gast aus Horkheim dabei jene Souveränität aus, die Nico Kiener so gerne von seiner Mannschaft gesehen hätte. Mit schnellen, aber unaufgeregten Angriffen schalteten und walteten die Gäste in den ersten Minuten nach Belieben. Über ein 2:2 ging es bis zum 2:8. Auch wenn die SG H2Ku schon in der ersten Hälfte die Deckung umstellte, konnte vor allem Evgeni Prasolov immer wieder nach Belieben treffen. Drei Tore in Folge ließen zwar kurz Hoffnung auf Besserung aufkommen (5:8, 11.Minute), dies erwies sich allerdings nur als Strohfeuer. Und so baute der TSB scheinbar mühelos gegen überforderte Gastgeber seinen Vorsprung bis zur 28. Minute auf ein 11:19 aus. Ein erster Kulminationspunkt, der zu diesem Zeitpunkt wohl noch gar nicht als solcher wahrgenommen wurde, war dann kurz vor der Halbzeit. Der eingewechselte Linus Mathes parierte einen Strafwurf und ermöglichte so noch einen Treffer der eigenen Mannschaft zum Pausenstand von 13:19. Auch Horkheims Coach Jochen Zürn haderte später mit der Ausbeute seiner Mannschaft bis zum Halbzeitpfiff.
Folgerichtig laut wurde es in der Halbzeit in der Kabine der SG H2Ku. Dies aber nicht vom Trainer selbst. Nico Kiener betonte, dass er der Mannschaft nur taktische Vorgaben mit auf den Weg zur zweiten Halbzeit gab. „Ich wollte das Team nicht von der Leistung in der ersten Halbzeit, die mir überhaupt nicht gefallen hat, freisprechen“, so Nico Kiener nach dem Spiel. Vielmehr nahm sich Kapitän Christian Dürner mehr als nur ein Wort und rüttelte das Team wach.
Zu sehen war dies bereits in den ersten Sekunden nach Wiederanpfiff. Die Deckung stand von einer Sekunde zur anderen plötzlich felsenfest. Mitentscheidend dafür war auch die dritte und letztlich erfolgreiche Deckungsvariante. „Mit der offensiven 5:1- Deckung wollten wir vor allem den Halblinken Evgeni Prasolov aus dem Spiel nehmen“, so Coach Kiener. Als Horkheim wenig später darauf reagierte und Prasolov mit dem agilen Andreas Blodig die Position tauschen ließ, blieben die Herrenberger bei ihrer seitlich offensiven Abwehrformation, weil „Prasolov als nicht gelernter Spielmacher weniger gefährlich war“, so Nico Kiener.
Und plötzlich wurden auch die Gäste nervös, die sich im zweiten Durchgang laut Jochen Zürn „zu viele technische Fehler leisteten“. Spätestens beim 19:22 kochte auch die Markweghalle. Dass es trotzdem schon in dieser Phase zu mehr reichte, lag auch an einer immer noch mangelhaften Chancenverwertung. Auch wenn Heilbronn/Horkheim den Gastgeber immer wieder auf Distanz hielt, witterte die SG H2Ku nun ihre Chance. Vor allem zwei junge Akteure drückten dabei dem Spiel ihren Stempel auf. Der in der zweiten Hälfte eingewechselte Linus Mathes vernagelte förmlich sein Gehäuse im zweiten Durchgang und im Angriff zeigte ein Lukas Fischer den so oft vom Trainer eingeforderten Mut. Der Youngster ließ sich auch von misslungenen Aktionen in der ersten Halbzeit nicht beirren und versuchte es immer wieder. Letztlich auch erfolgreich.
Zwei anderen Akteuren war es aber schließlich vorbehalten, den umjubelten Schlusspunkt zu setzen. In den letzten dreißig Sekunden trafen Christian Rau und Felipe Soteras-Merz zum Endstand von 29:29, nachdem es kurz zuvor noch nach einer Niederlage ausgesehen hatte. Für die SG H2Ku Herrenberg stellt sich zwar das Tabellenbild kaum anders dar als vor dem Spiel, der Punktgewinn dürfte aber das Selbstvertrauen für die nächsten Spiele enorm gesteigert haben.