Konstanz muss sich den Junglöwen hauchdünn geschlagen geben
Konstanz muss sich den Junglöwen hauchdünn geschlagen geben
Es war an diesem Abend alles anders als sonst. Angefangen vom ungewohnten Spieltermin am späten Freitagabend, über den Spielverlauf der Partie, bis hin zum Endergebnis. Mit der 26:27 (14:11)-Heimniederlage haben die Junglöwen der Siegesserie der HSG Konstanz ein Ende bereitet, nach acht ungeschlagenen Spielen, fünf Siegen und 15:1 Punkten in Folge musste die HSG gegen die SG Kronau-Östringen II die zweite Heimniederlage in dieser Saison hinnehmen und nach längerer Zeit wieder einmal die bittere Pille einer hauchdünnen und unglücklichen Niederlage schlucken.
Damit konnte bei den Konstanzern nicht wie nach so vielen vergangenen Heimpartien die große Sause mit den 700 Fans steigen, sondern die Gäste feierten lautstark ihren Coup in der - eigentlich - als Festung bekannten Schänzlehalle. Ein ungewohntes Bild in Konstanz, schließlich gelang ansonsten nur dem sich in einer anderen Liga bewegenden ungeschlagenen Tabellenführer Bad Neustadt dieses Kunststück - übrigens auch an einem ungewohnten Spieltermin am Sonntagmittag. Alle Samstagabendpartien konnten jedoch gewonnen werden.
Und auch der Spielverlauf war so gar nicht typisch für die bisherigen Auftritte der HSG Konstanz. Zwar gelang dem jungen Eblen-Team gegen die Talentschmiede der Rhein Neckar Löwen ein guter Start in die Partie, es stand bereits 8:4, als Klaus Gärtner anschließend die erste Auszeit nutzte, um sein Team neu einzustellen. Scheinbar ohne Anlaufschwierigkeiten steuerte die HSG in einer im Verhältnis zu den letzten Spielen auch ungewohnt körperlos, jedoch umso schneller geführten und torreicheren Begegnung, einer 14:11-Pausenführung entgegen.
Die SG formierte ihre Abwehr fortan jedoch noch offensiver, attackierte die HSG noch früher und unterband somit immer wieder erfolgreich schon den Spielaufbau der Gastgeber, auch weil diese zu unflexibel und mit zu wenig Tempo darauf reagierten. Als dann auch noch der gut aufgelegte Sven Grathwohl im Kasten der Gäste immer mehr von der nun prächtig funktionierenden aggressiven Deckung der SG profitierte und sich einige Male auszeichnen konnte, schmolz der Vorsprung rasch dahin. Yannick Schatz befand, dass „es eben nicht gelang, den Ball nicht im Stand zu fangen und mit Schwung in die sich durchaus auftuenden Lücken zu stoßen“. Keine sechs Minuten waren im zweiten Abschnitt vergangen, als Michel Abt, wie so oft mit einem krachenden Wurf aus zehn Metern in den Winkel, den 15:15-Ausgleich besorgt hatte. Die HSG Konstanz war in der Offensive weniger erfolgreich und tat sich nun unglaublich schwer, überhaupt eine Lücke gegen die bewegliche, sich sehr schnell verschiebende und immer wieder umgestellte SG-Deckung zu finden. Immer wieder musste Konstanz aus unvorbereiteten Situationen und ungünstigen Positionen - mitunter auch noch in höchster Bedrängnis - abschließen. Und das immer öfter auch erfolglos.
Bisher verliefen die Partien immer so, dass die HSG zurücklag und in meist packenden Schlussspurten die Spiele noch zu ihren Gunsten drehen konnte. Nicht so an diesem Abend, auch wenn das Publikum merkte, dass ihre Mannschaft Unterstützung nötig hatte und die 700 Zuschauer nun versuchten, ihr Team nach vorne zu peitschen. Konstanz legte - ganz atypisch - selbst vor und konnte die SG beim 18:15 (40.) erneut distanzieren. Fatal aus Konstanzer Sicht verliefen dann allerdings die ansonsten immer der HSG gehörenden letzten zehn Spielminuten, die bislang für so mache furiose Konstanzer Aufholjagd gut waren. Die Defensive, sonst das Prunkstück der HSG und die drittbeste der Liga, bekam immer weniger Zugriff auf die entscheidenden Spieler im SG-Trikot. Entweder es war der bärenstarke Denni Djozic, der selbst aus den unmöglichsten Winkeln immer wieder erfolgreich von außen traf, oder die vielen, durch die offensive SG-Deckung provozierten Ballverluste der HSG, für rasant vorgetragene Tempogegenstöße nutzen konnte.
Oder aber es war immer wieder Michel Abt, der mit seiner Wurfkraft aus dem Rückraum für viele Nadelstiche im HSG-Nervenkostüm sorgte. Aus einer 22:20-Führung (50.) war so beim 22:23 (55.) die erste Gästeführung überhaupt geworden. „Wir waren nicht konsequent genug und haben uns einlullen lassen“, meinte Matthias Faißt. In der 58. Minute schließlich schien die Partie endgültig gelaufen, die SG hatte soeben das 23:26 erzielt und die Auswechselbank hatte sich kollektiv zum (Sieges-)Jubel erhoben. Zu früh, denn nun versuchte die HSG noch einmal alles - und hatte auch Erfolg. Fast zumindest, denn knapp eineinhalb Minuten vor dem Schlusspfiff verkürzte Konstanz noch einmal zum 25:26. Kurzzeitig war noch einmal richtig Spannung in der Partie und die Gästebank hatte wieder Platz genommen - bis nach dem 26:27-Anschlusstreffer in den letzten 15 Sekunden nichts mehr für die Gäste angebrannt war und der Jubel der Junglöwen endgültig losbrach.
Ein Abend, der auch aus statistischer Sicht einfach nicht so recht zu den bisherigen Darbietungen der HSG passte. In der Tabelle der ersten Halbzeit belegt Konstanz nur den elften Rang, in der der zweiten dreißig Minuten jedoch den dritten. „Kronau-Östringen scheint uns nicht zu liegen“, meinte auch Max Folchert, der zudem die mangelnde Konzentration bemängelte. „Eine unnötige Niederlage“, so Matthias Faißt, „die aber vielleicht auch ein Stück weit ausgleichende Gerechtigkeit sein könnte“, insbesondere angesichts der manchmal glücklichen Umstände in den letzten Partien, die nun die SG auf ihrer Seite hatte, als die HSG etwa gleich vier Siebenmeter oder viele völlig freie Chancen nicht verwerten konnte.
Schon nächsten Samstag bietet sich der HSG Konstanz allerdings die Chance zur Wiedergutmachung, wenn um 20.00 Uhr der SV 08 Auerbach in der Schänzlehalle zu Gast sein wird. Dann soll wieder alles wie gewohnt und gemäß der Statistik in gewohnten und erfolgreichen Bahnen für Konstanz verlaufen.
HSG Konstanz: Glatt, Folchert (Tor); Kaletsch (1), Mittendorf (1), Oesterle (1), Groh (2), Riedel (3), Hafner (3), Flockerzie (3), Schlaich (2), Faißt (6), Schatz (3/1), Lauber (1), Bruderhofer
Zuschauer: 700