Spitzenreiter Travemünde in Altlandsberg mit Gala-Vorstellung
Spitzenreiter Travemünde in Altlandsberg mit Gala-Vorstellung
Manch einer hatte es befürchtet. Der Spitzenreiter der 3. Liga Ost kam in Gala-Form nach Altlandsberg. Oder anders formuliert: Travemündes Handball-Express überrollte die in Ehrfurcht erstarrenden Gastgeberinnen. Mit 22:35 (13:21) fiel die MTV-Niederlage deftig aus. Sehr deftig. Die Zwischenstände 4:9, 8:15, 11:19, 14:27, 20:33 sagen alles.
Was soll’s? Diese Panne ist aus Sicht der Brandenburgerinnen nicht mehr zu beheben. Schönzureden ist sie sowieso nicht. Tempo, Leichtfüßigkeit, Spielfreude, Cleverness - und am Schluss eine unbändige Freude, das bot nur der Gast. „Ja, wir haben schon eine prima Mannschaft“, sagte TSV-Trainer Thomas Kruse. „Die unterschätzt keinen Gegner. Auch den MTV nicht, der ja in der Woche zuvor gegen Buxtehude unentschieden gespielt hatte.“ Der Travemünder Coach: „So etwas ist auch nötig, wir müssen uns jeden Erfolg neu erkämpfen, denn die Stabilität ist bei uns noch nicht so ausgeprägt. Ist ja auch kein Wunder bei einem Team mit zwei 26-Jährigen, um die sich lauter 19-Jährige gruppieren.“
Aber wohl dem, der mit einer solchen handballerischen Grundsubstanz wirtschaften kann. MTV-Trainer Fabian Lüdke: „Es ist schon imponierend, was die zeigen. Die Linkshänderin Franziska Haupt spielte heute zwar nicht ganz so spektakulär, wie bei der ersten Partie in Travemünde. Dafür funktionierte diesmal das komplette Team fast perfekt. Die Dänin Frederikke Laerke ist im Januar zwar erst 19 geworden, hat aber schon jetzt Zweitliga-Niveau.“ Und die meisten anderen ebenfalls.
Auch Coach Thomas Kruse freut sich über sein Dänen-Juwel: „Frederikke kommt aus einer total handballverrückten Familie. Sie wohnt bei unserer Physiotherapeutin und hat sich schon prima eingelebt, seit sie im vorigen Jahr zu uns kam.“
Schön für Travemünde, schlecht für die Konkurrenz, einschließlich dem MTV, der trotz der tollen Gegnerschaft enttäuschte. Vor allem sich selbst. Allrounderin Franziska Chmurski: „Uns fehlte einfach der Biss, den du gegen so eine Mannschaft haben musst. Gerade, wenn du gegen einen solchen hochkarätigen Gegner antreten kannst, muss es doch das Bestreben sein zu zeigen: Hey, ich habe auch was drauf. Davon war bei uns heute so gut wie nichts zu sehen.“
Und warum nicht? Vorgenommen hatte man sich einiges. Und an gutem Willen fehlte es gewiss auch nicht. Aber mit zunehmender Spielzeit raubte man sich mit unvorstellbarer Nervosität und einer Lawine von Flüchtigkeitsfehlern jedes Selbstvertrauen, ohne das du gegen Top-Teams so untergehst, wie es der MTV diesmal gegen den TSV tat.
Unglaublich, was da nach der 3:1-Führung, die eigentlich Sicherheit hätte bedeuten müssen, ablief. Ein Strafwurf, der einen halben Meter übers Tor gesemmelt wurde, Zuspiele, die über kürzeste Entfernung nicht ankamen, ein Ball, den man sich bei einem Konterversuch selbst auf den Fuß spielte und, und, und. Es war phasenweise zum Haare raufen. Von einer Abwehr, die in der ersten Halbzeit (20 Gegentore) praktisch gar nicht existierte, mal abgesehen.
Da spielte auch Kapitän Sophie Lütke (zwei Treffer in den ersten 30 Minuten, sieben in den zweiten) ungewohnt reserviert. Sie wollte wohl eher für ihre Nebenleute vorbereiten. Aber wer ging auf ihre Ideen ein? Praktisch niemand. Es war jedenfalls kaum etwas zu erkennen.
Trainer Fabian Lüdke: „Heute waren wir alle schwach, sieht man mal von der soliden Leistung ab, die Torhüterin Juliane Schlein in der Schluss-Viertelstunde zeigte. Wir haben gegen Travemündes starke Rückraum-Reihe keine Mittel gefunden. Sind viel zu spät herausgetreten. Auch das Verschieben klappte in der Abwehr nicht, wie geplant. Wenn ausgeholfen wurde, dann nur halbherzig, ohne den Gegner festzumachen. So konnte der die Bälle fast immer weiterleiten und sich reihenweise beste Chancen herausspielen. Das muss sich schnellstens wieder ändern.“
Die Gelegenheit zu einer besseren Präsentation gibt es bereits am kommenden Sonnabend, ohne, dass es dann einen Deut leichter wird. Nach dem Tabellen-Dritten Buxtehude (allerdings zwei Minuspunkte weniger als der Zweite Leipzig) und dem Spitzenreiter Travemünde kommt nun der Ex-Bundesligist und Vierte Frankfurter HC. Geht da die MTV-Welle wieder nach oben?
MTV 1860 Altlandsberg: Juliane Schlein, Kathrin Wiehle; Manja Berger 3, Sophie Lütke 9/3, Christiane Wiechert 2, Lisa Schönfelder 1, Dominic Wielsch 4, Franziska Chmurski 1, Sylvia Kalina 1, Annika Fleck 1, Marion Priemer, Luisa Neumann.