Bundestrainer Heine Jensen: „Wir haben 2013 auf höherem Niveau begonnen”
Bundestrainer Heine Jensen: „Wir haben 2013 auf höherem Niveau begonnen”
180 Spielminuten bei der Karpaten-Trophy in Craiova - für Bundestrainer Heine Jensen ware jede eine lohnende Investition. Mit dem Turnier in Rumänien startete die Frauen-Nationalmannschaft des Deutschen Handballbundes drei Monate nach Platz sieben bei der EURO 2012 ins Länderspieljahr 2013. Alles ist erst einmal ausgerichtet auf zwei Spiele Anfang Juni: In den Play-offs gegen die Ukraine geht es darum, die Teilnahme an der Weltmeisterschaft zu erreichen und so im Dezember wieder nach Serbien zu kommen. Dort haben die deutschen Handballerinnen Ende des vergangenen Jahres ein neues Fundament geschaffen.
Spiele gegen Spanien sowie Rumänien A und B - welche Orientierung hat Ihnen das Wochenende in Craiova gegeben?
Jensen: Das war ein gelungenes Turnier mit den richtigen Gegnern. Rumänien hat auch ohne die Valcea-Stars definitiv zwei gute Mannschaft gestellt, die uns zum Teil einen harten Kampf geliefert haben. Und gegen Spanien war ich sehr zufrieden, dass wir nach der guten ersten Halbzeit die Ruhe bewahrt und die Kontrolle nicht verloren haben. Spielpraxis ist für uns immer wichtig - erst recht nach einer mehr als dreimonatigen Pause. Gerade die jüngeren Spielerinnen haben viele internationale Erfahrungsminuten gesammelt. Die Reise nach Rumänien hat uns auf unserem Weg weitergeholfen.
Was hat Sie überzeugt?
Jensen: Wir haben einiges von dem bestätigt, was uns während der EURO-Hauptrunde stark gemacht hat. Mit der Abwehr war ich zufrieden. Wir haben zum Beispiel versucht, zwischen Angriff und Abwehr weniger bis gar nicht zu wechseln. Das hat uns mehr Tore in der zweiten Welle gebracht.
Und darüber hinaus?
Jensen: Ich habe bewusst einigen Spielerinnen größere Anteile gegeben. Für Kim Naidzinavicius und Anne Hubinger sowie gegen Rumänien B auch Shenia Minevskaja war das wichtig, damit sie sich weiter an internationales Niveau gewöhnen. Sie brauchen für ihre Entwicklung diese Zeit, die sie auch bekommen. Das Turnier war dafür eine gute Gelegenheit, die auch Christine Beier und Saskia Lang genutzt haben.
Und die Stammkräfte?
Jensen: Die stehen wie alle anderen auch mit ihren Vereinsmannschaften kurz vor der Schlussphase der Saison und haben in Craiova bestätigt, dass sie in guter Form sind. Aber das sind alles nur Details...
Wie meinen Sie das?
Jensen: Mit der EURO im vergangenen Dezember sind wir als Mannschaft insgesamt einen Schritt weitergekommen. In diesem Jahr haben wir auf einem deutlich höheren Niveau begonnen als im vergangenen Oktober. Wir haben von der EURO Stabilität mitgenommen und sind nicht mehr während der Spiele in schwarze Löcher gefallen. Wir glauben inzwischen ein wenig mehr an uns selbst. Einiges hat sich gefestigt, und damit können wir weiterarbeiten.
Für die Karpaten-Trophy haben Sie 14 EURO-Teilnehmerinnen aufgeboten.
Jensen: Ja, ganz bewusst. Wir haben 2012 viel experimentiert, aber der Stamm ist jetzt gefestigt. Wir sind besser eingespielt. Und dieses Turnier war die einzige Gelegenheit, noch einmal ein wenig für die WM-Play-offs gegen die Ukraine zu probieren und zu entwickeln. Es geht darum, dass wir diese Aufgabe im Juni lösen und wieder nach Serbien fahren. Das ist in diesem Jahr das kurzfristige Ziel - und schwer genug zu erreichen.
Welche weiteren personellen Möglichkeiten bleiben Ihnen?
Jensen: Susann Müller musste ihre Teilnahme wie bei der EURO absagen, weil ihr zwischenzeitlich operiertes Knie noch immer auf hohe Belastungen reagiert und sie bei uns nicht voll einsatzfähig gewesen wäre. Wenn sie wieder hundertprozentig fit ist, haben wir eine weitere Qualitätsspielerin, die der Mannschaft helfen kann. Und auch Anna Loerper habe ich mit ihrer Erfahrung weiter im Blickfeld, aber diesmal habe ich mit Kim Naidzinavicius einer jüngeren Spielerin die Chance gegeben, denn wir dürfen auch die langfristige Perspektive nicht aus den Augen verlieren.