Heuberger zum Spiel gegen Österreich: „Letzter Härtetest vor fremder Kulisse”
Heuberger zum Spiel gegen Österreich: „Letzter Härtetest vor fremder Kulisse”
Natürlich haben Handball-Länderspiele zwischen Deutschland und Österreich immer einen speziellen Reiz. Das wird auch so sein, wenn die beiden Nationalmannschaften an diesem Dienstag im Multiversum Schwechat aufeinandertreffen (Anwurf 20.25 Uhr, als Livestream unter www.bwin.com). Bundestrainer Martin Heuberger denkt aber über das Spiel hinaus, denn das große Ziel für sein Team ist Erfolg in den WM-Play-offs gegen Polen am 7./8. Juni beim EURO-Sechsten und 14. Juni in Magdeburg. Was sich der 49-Jährige deshalb für die laufende Österreich-Etappe vorgenommen hat, erklärt er im Interview.
Welches Etappenziel haben Sie für Lehrgang und Länderspiel gegen Österreich gesetzt?
Heuberger: Auf dem Weg zur WM-Qualifikation sind die nächsten beiden Tage wichtige Bausteine. Da geht es ums Finetuning. In den Trainingseinheiten müssen wir uns noch besser abstimmen. Im Spiel möchten wir eine gute Leistung bringen. Jeder Erfolg ist wichtig für das Selbstvertrauen der Mannschaft. Außerdem wird das im Vorfeld der Play-offs unser letzter Härtetest vor fremder Kulisse sein. Wir rechnen bei diesem Prestigeduell mit ausverkaufter Halle und entsprechender Atmosphäre.
Den Vergleich mit Österreich gab es bereits zu Jahresbeginn – was muss mit Blick auf das 28:29 in Dortmund besser werden?
Heuberger: Wir müssen vor allem in der Abwehr kompakter stehen und dann die Zweikämpfe gewinnen. Auch die Torwartleistung war bei der Niederlage im Januar nicht wie erhofft – da hatte Österreich mit Nikola Marinovic klare Vorteile. Auch das muss am Dienstag genau umgekehrt sein.
Was hat derzeit mehr Gewicht: die Mannschaft auf die Play-offs gegen Polen vorzubereiten oder weiter an den eigenen Stärken zu arbeiten?
Heuberger: Bei dieser Maßnahme sind wir ganz auf uns konzentriert. Wir wollen die Stärken, die wir in den Spielen zu Beginn des Jahres entwickelt haben, weiter aufbauen. Da haben wir gesehen, dass wir trotz diverser Ausfälle eine Menge Potenzial in unserer Nationalmannschaft haben.
Zum Beispiel in der Abwehr.
Heuberger: Der Innenblock mit Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler sowie Felix Danner als Alternative ist eines der zentralen Elemente, die wir weiter stärken wollen. Die drei sind im Bundesliga-Spielrhythmus, haben in ihren Vereinen viel Verantwortung und zeigen, dass sie gut mit Druck und schwierigen Situationen umgehen können. Und gegen Polen wird eine stabile Abwehr mit einem erfolgreichen Gegenstoß extrem wichtig sein – das macht es dann auch unserem Angriff leichter.
Welche Rolle hat Oliver Roggisch derzeit?
Heuberger: Oli ist als Kapitän nach wie vor ein wichtiger Teil dieser Mannschaft. Vor den Länderspielen gegen Ungarn Anfang April werden wir mehr gemeinsame Trainingseinheiten haben. Die brauchen wir, weil Oli derzeit die Spielpraxis fehlt. Dann werden wir sehen, in welcher Form er sich befindet und wie er der Mannschaft helfen kann.
Positionswechsel: Für den linken Rückraum meldet sich nach mehr als einem halben Jahr Steffen Fäth zurück. Was bedeutet das fürs Team?
Heuberger: Ich bin sehr froh, dass wir Steffen Fäth wieder dabei haben. Von ihm verspreche ich mir im linken Rückraum insgesamt mehr Qualität, weil er ein anderer Spielertyp als zum Beispiel Stefan Kneer ist. Fraglich ist allerdings, ob Finn Lemke gegen Österreich überhaupt zum Einsatz kommen kann – er laboriert an einer Muskelverhärtung im Oberschenkel. Ein Risiko werden wir in keinem Fall eingehen. Da stehen wir mit dem Trainer des TBV Lemgo in engem Kontakt.
Für die Mitte können Sie anders als im Januar wieder Michael Haaß aufbieten.
Heuberger: Sein großes Potenzial hat Michael Haaß bei der WM 2013 bewiesen. Danach war er jedoch immer wieder verletzt und ist in Magdeburg noch nicht wieder an sein altes Niveau herangekommen. Ihn auf sein WM-Level zu bringen, ist eine unserer Aufgaben.
Mit Kai Häfner und Fabian Wiede wird der rechte Rückraum – abgesehen von Steffen Weinhold – zur Jugend-forscht-Stelle.
Heuberger: Das sehe ich nicht so. Kai Häfner ist in Balingen bereits ein Leistungsträger, Fabian Wiede entwickelt sich bei den Füchsen Berlin dazu. Das Pech von Holger Glandorf, der sich am Auge verletzt hat, gibt beiden weitere Chancen. Die Qualität ist bei Kai und Fabian vorhanden.