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„Alles inklusive“: DHB-Jugendkommission geht neue Wege

20.12.2013
20.12.2013 · Home, Verband, Jugend · Von: Julia Nikoleit

„Alles inklusive“: DHB-Jugendkommission geht neue Wege

Schulhandball, Mädchenförderung, Unified-Handball: Die vielbeschworene Aufbruchstimmung im Deutschen Handballbund (DHB) hat auch vor Jugendkommission nicht halt gemacht. Diese hat ihre Arbeit in den vergangenen Jahren überwiegend unter dem Radar der breiten Öffentlichkeit verrichtet - und das soll in den kommenden vier Jahren anders werden. Für die neue Legislaturperiode hat sich die Jugendkommission neben einer verbesserten Öffentlichkeitsarbeit auch thematisch neue Ziele gesetzt und will mit einem bunten, ambitionierten Programm neue Wege gehen. Unter dem Titel „Alles inklusive“ wird sich das Team um DHB-Vizepräsident Georg Clarke bis 2017 um die verschiedensten Themenbereiche kümmern und neue Projekte auf den Weg bringen. 

Das neue Programm der DHB-Jugendkommission ist zwei Seiten lang, acht Themenbereiche werden dort mit Unterpunkten aufgeführt: Schulhandball, Mädchenförderung und Unified-Handball gehören dazu, aber auch die verstärkten Bemühungen um die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, eine bessere Vernetzung, die Förderung des Ehrenamts und Gedanken zum „Spielbetrieb der Zukunft“ finden sich dort. Auf der Basis dieses Programms will sich das Team um den im September wiedergewählten Vizepräsidenten Georg Clarke und dessen Stellvertreterin in der Kommission, Doris Birkenbach, an die Herausforderungen der kommenden vier Jahre wagen.

Die erste Frage, die sich die Jugendkommission bei ihren Planungen stellen musste, war die nach dem eigenen Schwerpunkt. „Bisher hat sich die DHB-Jugend vor allem über den Bereich der Spieltechnik definiert“, erklärt Birkenbach den Hintergrund. „Da die Jugendnationalmannschaften, die Jugendbundesligen und die Länderpokale alle in den Bereich Leistungssport fallen, waren wir über den Unterzweig Jugend-Spielausschuss bisher vor allem als ausführendes Organ bekannt.“ Das soll nun anders werden, die Kommission will in Zukunft verstärkt konzeptionell und strukturell arbeiten und das auch kommunizieren. Birkenbach: „Das neue Programm bedeutet für viele Personen ein Umdenken, denn es ist das erste Mal, dass in einem solchen Konzept andere Themen die Spieltechnik überwiegen.“ Clarke freut sich darüber: „Wir haben eine hochengagierte Jugendkommission, in der die Last auf vielen Schultern verteilt ist - damit können wir einiges bewegen.“ 

Vorrangig ist dabei die Installation eines hauptamtlichen Bildungsreferenten im DHB, die auch in dem Konzeptpapier „Perspektive 2020“ festgehalten ist. „Diese Personalie ist eine strukturelle Voraussetzung. Bei ihm oder ihr sollen alle Fäden unserer Arbeit zusammenlaufen“, erklärt Clarke die Bedeutung des Postens. „Von deren Einstellung hängt auch die Zeitschiene für die Umsetzung der weiteren Themen ab.“ Auch für Birkenbach ist die Einstellung eines Bildungsreferenten von immenser Wichtigkeit: „Eine solche Anlaufstelle ist die Basis - ohne sie sind viele Projekte nicht umsetzbar.“ 

Bereits seit mehreren Wochen arbeitet die Kommission an der Umsetzung des Programms, recherchiert in Arbeitsgruppen die gegenwärtige Situation und sammelt in den Landesverbänden Projektideen. Das vielfältige Programm ist für Clarke dabei als ein Spiegel der Gesellschaft selbstverständlich: „Wir verstehen die Aufgabe des Handballs auch darin, uns allen Menschen - egal, welcher Herkunft, Religion, Hautfarbe oder Handicaps - zu öffnen“, so der Bayer. „Und wer könnte dafür besser geeignet sein als die Jugend?“ So liegt ihm unter anderem das Thema Migration besonders am Herzen. „Wenn wir den Stellenwert des Handballs erhalten bzw. verbessern wollen, ist eine Hinwendung zu Menschen mit Migrationshintergrund unabdingbar“, erklärt Clarke. „Multi-Kulti ist das Bild unserer Gesellschaft.“ Seiner Stellvertreterin Birkenbach liegt hingegen das Thema Mädchenhandball besonders am Herzen. Im weiblichen Jugendbereich fehle es vor allem an der Breite, denn „wir kommen an die Mädchen mit den bisherigen Mittel oft nicht mehr heran“, wie Birkenbach bedauert. „Es geht nun darum, die Mädchen anders anzusprechen, damit sie uns nicht wegbrechen und wir neue junge Spielerinnen dazugewinnen.“ 

Damit bei dem vielfältigen Programm keiner der Teilbereiche zu kurz, sind „die einzelnen Themen und deren Umsetzung unterschiedlichen Personen und Arbeitsgruppen zugeordnet“, wie Clarke den Arbeitsprozess beschreibt. Alle haben jedoch ein Ziel gemeinsam: die bessere Vernetzung der Landesverbände untereinander und mit dem DHB sowie die verstärkte Kooperation - mit anderen DHB-Gremien wie dem Leistungssport und der Frauenkommission oder mit externen Partnern wie der Deutschen Sportjugend. Gerade die Fachverbände spielen eine große Rolle in den Planungen: „Wir brauchen die Landesverbände“, unterstreicht Birkenbach. „Die einzelnen Verbände machen tolle Arbeit und haben großartige Projekte wie die Datenbank zum Schulhandball im LV Württemberg - jetzt geht es darum, diese Projekte zu bündeln und überregional bekannt und nutzbar zu machen.“

Dass es große Aufgaben sind, die man sich gestellt hat, weiß man auch in der Jugendkommission „Natürlich sind es ehrgeizige Ziele - aber es ist gut, dass wir diese haben“, zeigt sich Birkenbach überzeugt von dem Konzept. Wie viel davon bis 2017 konkret umzusetzen ist, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt natürlich noch offen und hängt unter anderem von den „personellen Ressourcen“ (Birkenbach) ab. Unter Druck setzen lassen will sich die Kommission jedoch auf keinen Fall. „Die Projekte und Gedanken müssen stetig wachsen“, hält Birkenbach fest. „Es ist eine Gratwanderung, und wir dürfen nichts überstürzen. Wir wollen einen Schritt nach dem anderen machen.“