0aa127b08d2c8dd.jpg

Das Spiel dauert 60 Minuten: Altlandsberg unterliegt Burgdorf nach der Pause

24.11.2013
24.11.2013 · 3. Liga, Männer 3. Liga, Staffel Nord · Von: PM

Das Spiel dauert 60 Minuten: Altlandsberg unterliegt Burgdorf nach der Pause

Die Drittligaherren des MTV 1860 Altlandsberg unterliegen dem TSV Burgdorf II in der 3. Liga Nord mit 27:34 (16:16) und müssen einmal mehr bitter erfahren, dass eine gute Halbzeit einfach nicht gut genug ist.

„Auch auf die Gefahr hin, dass ich das gleich büßen muss“, eröffnete MTV-Coach Ferenc Remes seine Halbzeitansprache in der Kabine, „will ich mit den Dingen beginnen, die mir gefallen haben.“

Und es gab viele Dinge, die nicht nur dem Altlandsberger Übungsleiter, sondern auch der Altlandsberger Anhängerschaft gut gefallen haben in jenen ersten 30 Minuten der Partie MTV gegen TSV Burgdorf II. Da war vor allem die klassische 6:0-Abwehr, aus der immer mal wieder der eine oder andere ausbrach, einen Wurf antizipierte und auch mehrmals abfing, wenn sich der Gegner nicht gleich darin festgerannt hatte. Da war der, wenn nötig,  geduldige Angriffsaufbau, der erst abgeschlossen wurde wenn sich die Chance zum Torerfolg auch wirklich eröffnete. Und da waren die schnellen Tempogegenstöße, die dem gegnerischen Coach Sven Lakenmacher wie seinem ganzen Team sichtlich Unbehagen bereiteten (letzterer übrigens als Spieler unter anderem für den SC Magdeburg und den TV Großwallstadt in der 1. Liga aktiv, 47-maliger deutscher Nationalspieler und Sohn des 198-maligen DDR-Internationalen Wolfgang Lakenmacher).

In diesen ersten 30 Minuten präsentierte sich eine Altlandsberger Herrenmannschaft mit Biss, Siegeswillen und, wichtiger noch, Freude am eigenen Spiel. Mit dem erfahreneren Drittligagegner auf gleicher Augenhöhe, bewiesen die Schützlinge Ferenc Remes, dass sie mehr als nur Kanonenfutter sein können. Aber auch in diesen süßen Wein mischte sich die eine oder andere bittere Träne. Obwohl selbst mit 1:0 und 2:1 in Führung gegangen wechselte diese beim 3:2 nicht nur auf die Seite Burgdorfs, sondern konnte von den Gegnern bis zur 7:3-Führung in der 8. Minute ausgebaut werden. An dieser Stelle hielten die Grün-Weißen aber, durchaus anders als in einigen Spielen zuvor, noch dagegen. In einem beispiellosen Lauf waren sie es nun, die die Führung beim Stand von 8:7 drehten (14.) und selbst bis zur 25. Minute auf 15:12 davonzogen (wobei Nico Cornelius Treffer 14 und Jonas Neldner Treffer 15 bei eigener Unterzahl markierten).

Das war die beste Altlandsberger Phase in der Partie und es ist eines der größten Mankos des Teams, aus solchen selbst erarbeiten und deshalb redlich verdienten Erfolgsmomenten keinen Honig und vor allem nicht die nötige Stabilität und Selbstsicherheit saugen zu können. Denn der Gegner war zu diesem Zeitpunkt merklich irritiert, hatte sich den Ausflug zum Tabellenletzten erkennbar anders vorgestellt. Was für die Burgdorfer aber kein Grund war frühzeitig aufzustecken. Einen verworfenen Altlandsberger Siebenmeter und drei unnötige Fehler im Angriff später stand es nämlich schon wieder 15:15, und es war nur Simon Kapas nach Ablauf der regulären Spielzeit verwandelten Sieben-Meter zu danken, dass der MTV mit 16:16 in die Kabine gehen konnte.

„Wenn uns Burgdorf heute an einer Stelle gefährlich werden kann“, hatte Ferenc Remes seine Kabinenpredigt im Lichte der Schlussphase des ersten Durchgangs fortgesetzt, „dann geschieht das nur, wenn wir im Angriff leichte, unnötige Fehler machen, den Ball wegwerfen oder gleich in ihre Hände legen.“

Hätte er doch nur geschwiegen, kann man da in der Rückschau nur sagen. Denn seine Spieler waren offensichtlich woanders pausieren. Statt sich die Worte ihres erfahrenen Coachs zu eigen zu machen und ihn für das Lob zur Halbzeit eben nicht zu bestrafen, legten die MTV-Herren gleich zu Beginn beim Abschluss eine deprimierende Serie von Fehlleistungen hin. Statt bei eigenem Anwurf in eigener Halle das Heft des Handelns wieder in die Hand zu nehmen, rannten die Altlandsberger in der 43. Minute mal wieder einem satten sechs Tore Rückstand hinterher, führte Burgdorf urplötzlich mit 23:17.

Wenigstens wieder auf vier Tore heranzukommen (21:25 in der 47. Minute durch Jonas Neldner) war das Beste, was dem MTV an diesem Abend noch gelingen sollte. Bald darauf herrschte heilloses Durcheinander in der Hintermannschaft der nominellen Hausherren bis hin zur mehr oder weniger vollkommenen Einstellung nennenswerter Abwehrbemühungen. Als Burgdorf in der 54. Minute das 31:23 markierte musste man schon fürchten, dass eine Begegnung, die so verheißungsvoll begonnen hatte, mit einer zweistelligen Niederlage enden würde. Dazu kam es zwar dann doch nicht, aber diesen Umstand auch nur als Ergebniskosmetik zu bezeichnen verbietet der Anstand.

„Wir müssen in der Halbzeit irgendetwas falsch machen“, konstatierte Ferenc Remes nach Abpfiff der Partie. Einmal mehr hatte seine Mannschaft zwei Punkte unnötiger Weise aus der Hand gegeben. Dass Kapitän und mit Abstand erfolgreichster Torschütze Dominic Witkowski erkrankungsbedingt nicht mitmachen konnte, wollte Remes als Entschuldigung nicht gelten lassen. „Dominic hat an allen Ecken und Ende gefehlt, keine Frage. Vor allem nachdem Marko Curcic verletzt ausfiel und ich den Angriffsblock umstellen musste. Dafür war aber Jonas Neldner ins Team zurückgekehrt und es ist vielsagend, dass er praktisch ohne jedes Training der heute in der Gesamtschau herausragende Spieler unserer Mannschaft war.“

Immerhin seinen Humor fand der Altlandsberger Übungsleiter nach einiger Zeit wieder: „So ist der Sport eben. Mal wirst du Oberliga-Meister, mal musst du in der 3. Liga darum kämpfen dem Team klarzumachen, dass ein Handballspiel 60 und nicht 30 Minuten dauert. Aber wir planen langfristig. Als unsere Damen erstmals in die damalige Regionalliga, also die heutige 3. Liga aufstiegen, stiegen sie nach null Siegen mit null Punkten gleich wieder ab. Danach errangen sie aber zwei Mal die Regionalligameisterschaft, stiegen zwei Mal in die 2. Bundesliga auf. Da ist also auch für uns noch viel Luft nach oben.“

 

MTV 1860 Altlandsberg: Iván Szabó, Daniel Braun; Martin Berger 2/1, Nico Cornelius 2, Marko Curcic 2, Patrick Dörr 3, Simon Kapa 6/1, Janis Kilx 4, Robert Klatt 1/1, Stefan Kurth 3, Alexandru Micu, Jonas Neldner 3, Arian Thümmler, Lukas Wilde 1.