NHV-Urgesteine im Interview - "Emotionen aufs Feld transportieren"
NHV-Urgesteine im Interview - "Emotionen aufs Feld transportieren"
Sie sind die dienstältesten Spieler im Kader des Handball-Drittligisten Neusser HV und gehören im Verein praktisch zum Inventar: Linksaußen Max Murawski und Kreisläufer Philip Schneider, die bereits in den Jugend-Mannschaften für den NHV aufliefen und längst feste Bestandteile der ersten Mannschaft sind. Zwischen Weihnachten und Silvester nahmen sich die beiden Urgesteine im Rahmen der unregelmäßig erscheinenden Serie „NHV InTeam“ Zeit für ein Gespräch mit der NHV1-Redaktion und äußerten sich unter anderem zur verkorksten Hinrunde sowie zur anstehenden Rückserie.
Max, Philip, wie habt Ihr die Weihnachtstage verbracht und wie feiert Ihr Silvester?
Max Murawski: In der Weihnachtszeit habe ich natürlich viel Zeit mit Familie und Freunden verbracht. Das wird dann auch um Silvester herum wieder so sein. Da rückt dann auch der Handball zeitweise mal in den Hintergrund – auch wenn wir uns auf einem sportlichen Niveau bewegen, auf dem man sich auch in der freien Zeit fit halten muss. Aber keine Sorge, das tun wir mit Laufeinheiten und im Fitness-Studio.
Philip Schneider: Stimmt, trotz der Feiertage mussten wir laufen gehen oder auch Krafteinheiten absolvieren. Wir alle haben ja auch von Jens (Sieberger, Trainer des Neusser HV, Anm. d. Autors) einen kleinen individuellen Trainingsplan bekommen, der in der freien Zeit erfüllt werden muss, damit wir zum Trainingsauftakt am 4. Januar fit sind. Grundsätzlich standen aber auch bei mir an Weihnachten Familie und Freunde im Mittelpunkt, ganz traditionell eben. Das wird auch an Silvester wieder so sein.
Stichwort Familie – Ihr seid beide schon sehr lange beim NHV und auch die Dienstältesten im Team – was zeichnet den Verein, aber auch die aktuelle Mannschaft für Euch aus?
Murawski: Wir waren immer eine große Familie und jeder war und ist immer für jeden da – ob auf dem Feld oder daneben. Das macht unseren Verein aus und das ist auch der Grund, aus dem ich so lange beim NHV bin und auch bleiben möchte. Zudem hat unser Verein in den vergangenen Jahren einen enormen Sprung in Richtung Leistungshandball gemacht. Das Ganze ist nicht nur ein unheimlich spannendes Projekt, sondern aus lokaler Sicht auch ein riesiger Fortschritt.
Schneider: Der NHV war schon immer ein sehr engagierter Verein. Als wir damals in der Jugend gespielt haben, hatten wir eine gute Truppe und haben in den höchsten Ligen gespielt. Dies war auch ein Grundstein für die erfolgreiche Entwicklung der ersten Mannschaft. Es macht einfach viel Spaß, beim NHV zu spielen. Nicht zuletzt auch wegen der Weiterentwicklung, die unsere Mannschaft in den vergangenen Jahren kontinuierlich vollzogen hat. Der Weg geht Schritt für Schritt in die richtige Richtung, das heißt: nach oben. Und wir werden unseren Beitrag dazu leisten.
Wie lautet Euer Fazit zur Hinrunde? Warum ist die Saison bislang nicht so gelaufen, wie man sich das vorgestellt hatte?
Murawski: Wir sind natürlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben und hatten uns viel mehr erhofft. Auch weil wir gute personelle Verstärkungen erhalten haben. Insgesamt ist die durchwachsene Hinrunde nicht so einfach zu erklären. Wir haben so viele spielstarke Jungs, aber wir sind leider spielerisch noch nicht richtig zusammengewachsen. Dafür benötigen wir immer noch ein wenig Zeit.
Schneider: Keine Frage, die Hinrunde ist für uns alles andere als optimal verlaufen. Unsere Ziele waren schon anders gesteckt und wir wollten uns eigentlich in der oberen Tabellenhälfte wiederfinden. Ein Grund für die Misere lag sicher in den knapp verlorenen Spielen wie unter anderem gegen Minden, Schalksmühle und Gummersbach. Man kann sich ausmalen, welchen Tabellenplatz wir belegen würden, wenn wir nicht so viele Spiele mit einem Tor verloren hätten. In jeder Partie wäre mehr für uns drin gewesen.
Was muss Eurer Meinung nach besser werden, damit die formulierten Ziele – sprich: Platz 6 und die erstmalige Teilnahme am DHB-Pokal – in der Rückrunde noch erreicht werden?
Murawski: Wir müssen lernen, kollektiv unseren Stiefel zu spielen, uns als Team weiter finden und es schaffen, unsere Emotionen aus dem Training und der Kabine mit aufs Feld zu transportieren. Dabei müssen wir vor allem auf uns selber gucken und nicht darauf, wie andere spielen. Wenn wir die „Nebenschauplätze“ ausblenden und jeder noch eine Schippe drauflegt, bin ich mir sicher, dass wir eine erfolgreiche und zufrieden stellende Rückrunde spielen.
Schneider: Wir müssen wieder mehr Selbstvertrauen und Kampfgeist entwickeln. Jeder muss dem anderen bedingungslos zur Seite stehen und „Dreck fressen“. Nur so können wir uns aus dem Tief herausarbeiten. “Einer für alle, alle für einen“ – dass muss unser Motto sein. Nur so erreichen wir noch Platz 6.
Wie schwierig wird diese „Mission“ und was stimmt Euch zuversichtlich, dass es Ihr sie zu einem erfolgreichen Ende bringen werdet?
Murawski: Obwohl wir lange zurücklagen, haben wir im letzten Spiel des Jahres gegen Longerich gezeigt, dass die Moral und Einstellung bei uns stimmen. Da hat jeder für den anderen gekämpft. Das waren zwar sicher noch keine 100 Prozent unseres Leistungsvermögens, aber wir sind auf dem richtigen Weg. Diese Vorstellung war vor allem ein Zeichen an die Fans, die Verantwortlichen und die anderen Teams, dass man uns nie abschreiben darf. Schwierig wird es nur dann, wenn wir zu überheblich spielen. Das hat auch bislang die Saison gezeigt: Moral, Kampfgeist und Einstellung waren in den Spielen, die wir gewonnen haben, immer die Schlüsselfaktoren.
Schneider: Es wird sicher nicht einfach, die gesteckten Ziele noch zu erreichen. Aber wir haben in der Mannschaft das Potenzial, um das zu schaffen. Außerdem liegt noch fast komplette Rückrunde vor uns und es sind noch genug Punkte zu vergeben. Wir haben momentan vier Punkte Rückstand auf Platz 6 – das ist mit einer kleinen Siegesserie sicher aufzuholen.