Intensiv, anregend und zukunftweisend: Landestrainer-Tagung in Kamen-Kaiserau
Intensiv, anregend und zukunftweisend: Landestrainer-Tagung in Kamen-Kaiserau
Zwei Tage lang tauschten sie sich aus: Im SportCentrum Kamen-Kaiserau kamen die Trainer der Landesverbände mit denen des Deutschen Handballbundes zusammen, um die Lage zu analysieren und Programme für eine weiterhin erfolgreiche Zukunft zu entwickeln. Die knapp 70 Teilnehmer nahmen in Arbeitsgemeinschaften die Fortschreibung der Rahmentrainingskonzeption in Angriff, brachten die Weiterentwicklung der DHB-Leistungssportsichtung auf den Weg, gründeten eine Expertenrunde für die Harmonisierung der B-Lizenz und diskutierten über die ersten Eindrücke der seit 18 Monaten existierenden C-Lizenz Medienbibliothek. Ein besonderes Augenmerk galt dem weiblichen Nachwuchs und dessen Nachholbedarf mit Blick auf die Olympischen Spiele 2016 sowie die Frauen-Weltmeisterschaft 2017 in Deutschland.
„Wir haben hier die Gelegenheit zu einem informellen Austausch genutzt und in den intensiven Diskussionen wertvolle Anregungen für die weitere Arbeit erhalten”, sagte DHB-Sportmanager Heiner Brand. „Und wir wollen nicht einfach von oben einen Weg vorgeben, sondern gemeinsam Lösungen erarbeiten.” Martin Heuberger, sein Nachfolger als Männer-Bundestrainer, meinte: „Es ist wichtig, sich auf dieser Ebene auszutauschen und unsere Vorstellungen transparent zu machen und darüber zu diskutieren.“
Dieses Ansinnen spiegelte sich auch während der Tagung in zahlreichen Programmpunkten wider. In Arbeitsgruppen besprachen die Teilnehmer Themen wie Länderpokal, Wettkampfsystem, Rahmentrainingskonzeption, Stützpunkte, Sichtung und Kommunikation. „Wir müssen einen gemeinsamen Weg finden, wie wir besser werden”, sagte Frauen-Bundestrainer Heine Jensen. „Qualitätssteigerung - darum geht es. Ich habe in Kaiserau sehr viele positive und offen eingestellte Kollegen erlebt, die Lust haben, den Frauenhandball besser darzustellen. Der Weg ist weit, aber aus den Landesverbänden wird viel Unterstützung signalisiert.”
Maik Nowak, Jensens neuer Assistent und zudem Leistungssport-Koordinator für den weiblichen Nachwuchs, analysierte für Frauen, Juniorinnen und weibliche Jugend die Bilanzen der vergangenen Jahre. Der Leipziger sagte: „Wir müssen über unsere eigene Wahrnehmung nachdenken und uns fragen: Wie gut sind wir im Weltmaßstab? Wir sehen die Nichtteilnahme an den Olympischen Spielen in London als Horrorszenario, aber wie gut sind wir wirklich?” Vor Peking 2008 waren die DHB-Frauen bereits zweimal nicht qualifiziert - von 1996 bis 2012 liegt die Teilnahme-Quote lediglich bei 40 Prozent. Aktuell sind auch die Jugend und die Juniorinnen nicht für die jeweiligen Weltmeisterschaften qualifiziert.
„Es muss doch möglich sein, weiter nach oben zu kommen”, meinte Nowak, präzisierte diese Forderung aber für den Nachwuchs: „Wir fordern keine früh entwickelten Spielerinnen, aber trotzdem müssen wir das Gesamtniveau anheben.” Das Hauptaugenmerk liegt auf der individuellen Ausbildung für ein starkes A-Team. Für Jensen sind damit jedoch auch bessere Ergebnisse der Nachwuchsmannschaften verbunden, denn „Erfolg ist eine natürliche Konsequenz der individuellen Entwicklung”. Jensen und Nowak appellierten dabei immer wieder an die Landestrainer: „Eure Meinungen und Erfahrungen sind gefragt. Das alles ist nur im Team zu bewältigen, und wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit den Kollegen in den Landesverbänden und Vereinen.”
Nowak zeigte zum Vergleich auch die Bilanzen der männlichen Jugend und der Junioren - letztere standen seit 2004 immer mindestens im Halbfinale von Welt- und Europameisterschaften. „Das”, sagte Nowak, „ist ein Beleg für über Jahre herausragende Arbeit, vor der man nur den Hut ziehen kann. Klar ist, dass wir die Bedingungen des weiblichen nicht mit denen des männlichen Bereichs vergleichen können. Uns fehlen aktuell leider Vorbilder, die allgemeine Wahrnehmung ist eine andere. All das können wir nur gemeinsam über bessere Leistungen ändern.”
In Kamen-Kaiserau referierte auch Christopher Nordmeyer, Trainer des Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf, zum Thema „Was erwartet ein Bundesligatrainer von einem Nachwuchsspieler?” Die Teilnehmer wurden nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis mit Inhalten versorgt: Frauen-Bundestrainer Heine Jensen und DHB-Jugendkoordinator Christian Schwarzer zeigten Trainingseinheiten.
Bundeslehrwart Jens Pfänder sagte: „"Wir haben in Kaiserau vor allem für den weiblichen Bereich vieles neu geordnet und mit Hilfe der Landestrainer und -lehrwarte auf den Weg gebracht. Aber auch die Weiterentwicklung einer bundesweit einheitlichen B-Lizenz ist ein wichtiges Ergebnis der Tagung. Jeder sollte nach dieser Tagung wissen, in welche Richtung wir wollen.”