120 Kinder waren beim HandbALL TOGETHER Aktionstag in der Westfalenhalle im Einsatz
120 Kinder waren beim HandbALL TOGETHER Aktionstag in der Westfalenhalle im Einsatz. - Foto: Marco Wolf

Zocken mit Antl und Roggisch: HandbALL TOGETHER Aktionstag begeistert 120 Kinder

23.03.2026 | Verband

 

Noch ist die Dortmunder Westfalenhalle nicht mit den über zehntausend Zuschaurinnen und Zuschauern gefüllt, noch wird keine Nationalhymne in der Arena gespielt, noch wartet der große Handball-Abend mit der deutschen Männer-Nationalmannschaft gegen Ägypten. Und dennoch wird schon intensiv Handball gespielt, mit vollem Einsatz, mit großer Leidenschaft. 120 Kinder aus zwei Dortmunder -Grundschulen rennen über das Parket, quietschende Schuhe, fliegende Bälle, Stimmen, die bis unter das Hallendach klingen.  

Es läuft der HandbALL TOGETHER Aktionstag. HandbALL TOGETHER ist eine Initiative des DHB mit seiner Partnerin DKB (Deutsche Kreditbank AG). Das gemeinsame Ziel ist die Förderung von Integration, Vielfalt und Gemeinschaft im Handballsport. Drittklässler von zwei Schulen aus der Dortmunder Nord- und Südstadt sind da, viele Kinder mit unterschiedlichen Geschichten, Hintergründen und Herkünften. Martin Goepfert, Vorstand Mitglieder beim DHB, sagt: “Wir erreichen im Handball viel zu wenig Kinder mit Migrationshintergrund und wollen gleichzeitig eine gesellschaftlich relevante Sportart sein, dass wollen wir ändern und mit solchen Aktionstagen zeigen, dass Handball für alle da ist.”  

Dann kommen Hanni und Hanniball, die beiden DHB-Maskottchen, auf das Parkett gerannt und plötzlich gibt es kein Halten mehr. Die Kinder stürzen los, hängen sich an Arme, lachen, rufen, wollen abklatschen, wollen gesehen werden. Hanni und Hanniball erfüllen diese Wünsche. Für einen Moment ist die Westfalenhalle kein altehrwürdiger Austragungsort für Spitzensport, sondern ein großer Abenteuerspielplatz. Ein Kind ruft: „Der ist ja riesig!“, ein anderes schreit schon im Laufen: „Ich will zu Hanniball!“ 

Als dann endlich die Bälle freigegeben werden, wechselt die Stimmung endgültig in pures Glück. Was eben noch ordentlich in Kisten und auf Hockern lag, fliegt jetzt durch die Luft. Überall wird geworfen, gefangen, geprellt, gelacht. Erfolgreiche Aktionen, Scheitern, noch einmal versuchen, sich freuen - und das alles gleichzeitig und vor allem: Miteinander. Genau darum geht es bei „HandbALL TOGETHER“. Nicht um die beste Technik, nicht um Ordnung und Perfektion. Sondern um Bewegung, Begegnung und die ziemlich schöne Idee, dass dieser Sport allen gehören kann. 

Mitten unter den Kindern sind auch zwei Stars der Sportart. Oliver Roggisch, DHB-Botschafter und Weltmeister von 2007 und Lisa Antl, WM-Vizemeisterin 2025 und frisch gebackene DHB-Pokalsiegerin wirken an diesem Vormittag nicht wie Gäste, die kurz vorbeischauen, sie wollen den Kindern wirklich etwas mitgeben. Roggisch ist ständig in Bewegung, zeigt Übungen, läuft mit durch die Halle, prellt mit ihnen um die Wette und bleibt immer wieder bei einzelnen Kindern stehen.

„Ich glaube, es ist nirgendwo einfacher sich zu integrieren, gerade auch für Kinder, wenn man neu in ein Land kommt oder in eine neue Stadt, als beim Sport“, sagt Roggisch. Sport verbindet, sagt er, Nationalitäten spielten dabei keine Rolle. Man merkt, dass das für ihn kein leerer Satz ist. Nach dem Tag mit 120 Kindern sagt Roggisch auch ganz offen, dass es anstrengend gewesen sei, „aber jede Minute hat sich gelohnt“. Wenn man „das Lächeln von den Kids in den Augen sieht“, sei es das wert. Dazu passt auch seine Botschaft an die Eltern: rausgehen, Sport vorleben, Kinder in die Vereine schicken, sich Zeit nehmen.  

Neben ihm bringt Lisa Antl eine etwas ruhigere, aber genauso präsente Art ein. „Ich finde Aktionstage generell ziemlich cool. Sie bringen den Sport einfach zu den Kindern“, sagt sie und verweist darauf, dass viele Kinder gar nicht die Möglichkeit hätten, regelmäßig im Verein Sport zu machen. Ihr Wunsch: dass die Kinder „mit einem Strahlen rausgehen“ und zu Hause erzählen, dass sie etwas geschafft haben“. Gleichzeitig betont sie, was sie am Handball besonders findet: „Unabhängig von Herkunft oder irgendwas anderem können wir einfach zusammenspielen.“

HandbALL TOGETHER Aktionstag: Kinder begeistert von Lisa Antl und Oliver Roggisch

Genau dieses verbindende Element könne Kindern zeigen, „dass es total egal ist, woher man kommt“. Sie erzählt, lacht, gibt Autogramme, macht Späße, motiviert. Als sie sagt, dass das Spielen in einer vollen Halle „das Coolste“ sei, schauen viele Kinder sofort nach oben, in diese riesige Arena. Man kann in ihren Gesichtern sehen, wie plötzlich etwas größer wird.

Eine Frage kommt immer wieder: Wann habt ihr angefangen? Antl und Roggisch haben mit vier Jahren angefangen. Aber man könne in jedem Alter loslegen, für Handball ist es nie zu spät. Ben Schulze, Referent Kinder- und Schulhandball beim DHB, knüpft daran an: „Das Wichtigste ist, dass Kinder individuelle Erlebnisse haben.” Gerade im Schulhandball gehe es darum, Bewegungsformen überhaupt erst kennenzulernen. Dass bei der Frage, wer schon Handball spielt, nur wenige Hände hochgehen, überrascht ihn nicht. Zu vielschichtig und teilweise vermeintlich herausfordernd sei die Vermittlung der Sportart Handball im Grundschulbereich.

Umso wichtiger sei es, Erfahrungen zu ermöglichen. Gleichzeitig sieht er im Handball großes Potenzial für Gemeinschaft: „Man lernt nicht nur motorische Dinge, sondern vor allem soziale Werte.“ Kinder merkten schnell, wie man miteinander umgeht. Und genau deshalb sei auch HandbALL TOGETHER wichtig: „Handball verbindet, und jede und jeder kann ihn spielen, egal wie groß oder klein, egal woher man kommt.“ 

Am Ende fragt Roggisch in die Runde, ob es ein toller Tag war. Die Antwort kommt nicht als Antwort, sondern als Explosion: „JAAAA!“ Vielleicht ist das die ehrlichste Bewertung, die man für so einen Aktionstag bekommen kann: 120 Kinderstimmen, die eine Halle fluten.