Jubiläumsspiel gegen russische Riesen
Russland wurde überraschend in der Vorrunde Gruppensieger der Gruppe F. - Foto: Kolektiff Images / Jozo Cabraja
24.01.2022 A-Männer

Jubiläumsspiel gegen russische Riesen

Die finale Hauptrundenpartie in Bratislava ist das 50. Aufeinandertreffen gegen den früheren Welt- und Europameister in der DHB-Geschichte

Russland und Deutschland waren nach der EM-Vorrunde beide verlustpunktfreie Gruppensieger, warten in der Hauptrunde in Bratislava aber beide noch auf den ersten Sieg. Während die DHB-Auswahl dreimal verlor, gewannen die Russen vor dem direkten Duell am Dienstag (18 Uhr, live im ZDF) einen Punkt beim 29:29 gegen Polen am Sonntag, als Mark Sergej Kosorotow mit dem Schlusspfiff aus 15 Metern zum Ausgleich traf. Somit liegen die Russen einen Zähler vor der DHB-Auswahl.

Schon als klar war, dass seine Mannschaft die Hauptrunde erreicht hatte, freute sich Russlands Velimir Petkovic auf die Partie gegen Deutschland und speziell Alfred Gislason. „Es gibt keine Trainer, die mehr Bundesligaspiele auf der Bank hatten als wir beide, wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis“, betonte der frühere Trainer von Wetzlar, Göppingen und Berlin.

Im Frühjahr 2020 übernahm der gebürtige Bosnier, der seit vielen Jahren einen deutschen Pass hat, die Russen. In diesen rund zwei Jahren hat Petkovic den Niedergang gestoppt, hat ein Team aufgebaut, das international wieder konkurrenzfähig ist. Sieht man von Routinier Daniil Shishkarev ab, ist es eine No-name-Truppe, die aber vor allem durch eins glänzt: Physis. „Viele haben mich gefragt – Petko, wo hast du alle diese großen Jungs her? Da sage ich nur: Russland ist so groß, du musst nur richtig suchen.“ Gerade in der Abwehr stehen diese „großen Jungs“ wie eine Wand – und die Defensive war auch der Schlüssel zum 23:22-Sensastionssieg in der Vorrunde gegen Norwegen. Am Ende gewann der Europameister von 2000 erstmals überhaupt alle Vorrundenspiele.

Dann aber der Schock: Shishkarev und der bis dahin überragende Kosorotow (aktuell bei 25 Treffern in vier Spielen) wurden positiv getestet. „Wir mussten zum Start der Hauptrunde Spieler aufbieten, die vorher noch nie zusammengespielt hatten“, sagt Petkovic. Es folgte die 23:29-Klatsche gegen Schweden– dann aber führte Russland mehr als 50 Minuten lang gegen Europameister Spanien – und vergab das Remis in Person von Igor Soroka, der den finalen Strafwurf an den Pfosten hämmerte, es blieb beim 25:26, ehe man zum Remis gegen Polen kam. „Insgesamt bin ich super-zufrieden mit unseren Auftritten, es ist eben nur schade, dass wir entscheidende Spieler in der Hauptrunde nicht einsetzen konnten, sonst wäre mehr drin gewesen. Aber davon kann ja auch Deutschland ein Lied singen“, sagt Petkovic: „Gerade in der Abwehr haben wir herausragend gespielt, die Idee des Kollektivs wurde hier perfekt umgesetzt.“

Bereits bei der WM 2021 in Ägypten hatte Russland mit Rang 14 (punktgleich mit Deutschland) sein Potenzial angedeutet, mittlerweile ist Petkovic auch näher an die Mannschaft gerückt, hat ein Appartement in Moskau, nachdem er wegen Corona vorher viel aus der Ferne gearbeitet hatte. Spieler wie Kreisläufer Alexandr Ermatow oder Rückraumhüne Dmitrii Santalow haben sich sehr gut entwickelt, Kosorotow spielt eine überragende Saison beim polnischen Klub Wisla Plock. „Ich denke, hier entwickelt sich einiges in Russland“, ist sich Petkovic sicher, der heute auf viele von ihm trainierte Spieler wie Drux, Wiede oder Schiller trifft.

Zudem wird es am Dienstag in Bratislava ein Jubiläum geben – das finale Hauptrundenspiel ist der 50. Vergleich mit Russland, bisher steht die deutsche Bilanz bei 25 Siegen, acht Remis und 16 Niederlagen. Zuletzt gab es in der WM-Vorrunde 2019 in Berlin ein Remis, das letzte Duell bei einer EM gab es 2016 in der Hauptrunde in Breslau, als Deutschland trotz der Verletzungen von Steffen Weinhold und Christian Dissinger während der Partie mit 30:29 gewann.

Die größten Erfolge feierten die Russen unter Trainerlegende Wladimir Maximow zwischen 1993 und 2000, als sie Gold bei Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und Olympischen Spielen gewannen.

Trainer: Velimir Petkovic (GER/BIH)

Stars: Viktor Kireev, Mark Sergej Kosorotow, Dmitrii Zhitnikow,

Bisherige Ergebnisse bei der EM 2022: 29:27 gegen Litauen, 23:22 gegen Norwegen, 36:27 gegen die Slowakei – Sieger Gruppe F – Hauptrunde: 23:29 gegen Schweden, 25:26 gegen Spanien, 29:29 gegen Polen

EM-Teilnahmen inklusive 2022: 13

Bestes EM-Abschneiden: Gold 1996, Silber 1994, 2000

EM 2020: 22. Platz

WM-Teilnahmen: 14

Bestes WM-Abschneiden: Gold 1993, 1997, Silber 1999

Olympiateilnahmen: 4

Bestes Olympia-Abschneiden: Gold 2000, Bronze 2004

Deutsche Bilanz:

49 Spiele – 25 Siege – 8 Remis – 16 Niederlagen – Tordifferenz: 1291:1236

Drei letzte Spiele aus deutscher Sicht:

14. Januar 2019: 22:22 in Berlin (WM-Vorrunde)

8. Juni 2016: 25:27 in Mannheim (Testspiel)

24. Januar 2016: 30:29 in Breslau (EM-Hauptrunde)

(BP)

News