DHB-Team lässt zu viele Chancen liegen
Kann's auch aus ungewohnt gutem Winkel: Lara Seidel kam in den ersten Minuten dreimal als Einläuferin von Außen zum Torerfolg. - Foto: IHF
27.06.2022 U19/20w

DHB-Team lässt zu viele Chancen liegen

U20-Mädels kassieren gegen Tschechien ihre erste Niederlage bei der WM

Wir werden nun gegen Angola alles reinwerfen, um unsere letzte Chance auf das Viertelfinale wahrnehmen zu können.

U20-DHB-Trainer André Fuhr

Bei ihrem vierten Einsatz in Celje hat die weibliche U20-Nationalmannschaft des DHB ihre erste Niederlage kassiert. Zum Auftakt der WM-Hauptrunde musste sich die Mannschaft gegen Tschechien mit 20:24 (14:14) geschlagen geben. „Wir hatten gute Chancen, schon heute den Viertelfinaleinzug sicherzustellen, sind aber leider mehr an uns selbst als am Gegner gescheitert“, fasste U20-Bundestrainer André Fuhr zusammen. Der Sieg wäre mit einer besseren Chancenverwertung ab der 20. Minute allemal möglich gewesen. Das Viertelfinale liegt trotzdem in der eigenen Hand: Ein Sieg am Dienstagabend ab 20.30 Uhr gegen Angola würde den Einzug in die Runde der Top-Acht bedeuten.

Beim deutschen Team gab es eine personelle Veränderung im mittleren Rückraum: Während das Turnier für Lucy Jörgens aufgrund ihrer Schulterverletzung bereits beendet ist, kehrte Anika Hampel ins Aufgebot zurück und absolvierte ihren ersten Einsatz bei dieser WM. Mit ihr auf der Spielmacherposition fand die DHB-Auswahl gut in die Begegnung. Gegen die erwartet offensive tschechische Deckung agierte man mit häufigem Einlaufen der Außen, was schon in den ersten acht Minuten dreimal durch Lara Seidel von Erfolg gekrönt war. Die Mannschaft von Trainer André Fuhr fand mit diesen Mitteln den Weg hinter die vorgezogenen Abwehrspielerinnen und nutzte ihre Chancen zur 8:4-Führung nach 14 Minuten. Sie hatte die Begegnung bis dahin unter Kontrolle. „Wir haben in der ersten Viertelstunde unsere bislang beste Leistung in diesem Turnier gezeigt. Die Abwehr war sehr beweglich und wir sind gut ins Tempospiel gekommen“, beobachtete Fuhr einen starken Start. Dann kehrte jedoch der Bruch ins deutsche Spiel ein. Chalotte Cholevova, mit acht Treffern die beste Torschützin des Abends, traf binnen zwei Minuten viermal und brachte ihr Team zum 9:10 heran.

Deutschland verlor im Angriff seine Konsequenz aus der Anfangsphase und fand hinten nicht mehr so gut den Zugriff wie in den ersten Minuten. Als Fuhr nach der Auszeit Leni Ruwe vorgezogen gegen Denisa Holenakova decken ließ, zeigte diese Maßnahme zunächst den erwünschten Erfolg. Ruwe und Lotta Gerstweiler erhöhten auf 12:9. Was sich in den Minuten zuvor bereits angedeutet hatte, wurde nun immer augenscheinlicher: Deutschland hatte Schwierigkeiten bei der Chancenverwertung, was im tschechischen 14:14-Ausgleich kurz vor der Pause resultierte. Fuhr: „Wir haben den Faden verloren und zu viele freie Würfe verworfen.“

Natalie Kuxova eröffnete den zweiten Abschnitt mit dem 15:14 für den östlichen Nachbarn. Es war dessen erste Führung seit dem 1:0, Deutschland sollte nicht mehr aufschließen können. Ein wesentlicher Grund dafür stand im gegnerischen Tor: Adela Srpova, zur Halbzeitpause eingewechselt, parierte 8 von 14 Würfen auf ihren Kasten. Sie brannte sich immer mehr in die Köpfe der DHB-Spielerinnen ein. Beim Stand von 15:18 (39.) legte André Fuhr die grüne Karte auf den Zeitnehmertisch. Annabel Krüger kam danach für Alexandra Humpert ins Tor und setzte gleich ein Zeichen. 50 Prozent betrug ihre Quote am Ende, die Leipzigerin hielt ihre Farben im Spiel, aber der Angriff vermochte die sich bietenden Gelegenheiten nicht zu nutzen. Anika Hampel erzielte in der 49. Minute den Anschluss zum 18:19 – Deutschland witterte wieder Morgenluft, schloss ausgerechnet in dieser Phase aber wieder zu viele Angriffe ohne Torerfolg ab. Allein in den letzten sechs Minuten waren es derer sechs. Das war zu viel, um den Rückstand noch zu biegen.

„Kämpferisch kann man der Mannschaft keinen Vorwurf machen“, resümierte der DHB-Coach. „Tschechien war die etwas stabilere Mannschaft, die ihr Tempo hochgehalten und uns mit seinem Zweikampfverhalten den Schneid abgekauft hat. Unsere Fehlerquote erhöhte sich mit zunehmender Spielzeit leider. Das verunsicherte die Mannschaft. Wir werden nun gegen Angola alles reinwerfen, um unsere letzte Chance auf das Viertelfinale wahrnehmen zu können.“ (RW)

Deutschland: Humpert, Krüger - Pfleiderer (2), Seidel (3), Hertha (1), Ziercke, Heider, Tietjen (1), Engel (6), E. Ruwe, L. Ruwe (3), Hampel (2), Schaube, Gerstweiler (2), Weyers, Bessert.
Tschechien: Srpova, Spurna - Königova (1), Melicharova (1/1), Dankova, Fararova (1), Kuxova (3/1), Roupcova, Vostarkova, Holenakova (6), Drzozdova, Kroftova (2), Kubalkova (1), Cholevova (8/5), Machacova, Smejova (1).
Schiedsrichter: Eskil Braseth/Leif André Sundet (Norwegen).
Zeitstrafen: 2:4.
Siebenmeter: 2/0:6/5.

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