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HSG Konstanz: Mit 19 Toren nach Sechs-Tore-Rückstand in 15 Minuten zum Heimsieg

13.10.2013
13.10.2013 · 3. Liga, Männer 3. Liga, Staffel Süd · Von: PM

HSG Konstanz: Mit 19 Toren nach Sechs-Tore-Rückstand in 15 Minuten zum Heimsieg

Totgeglaubte leben länger. So auch am Samstag wieder in Konstanz. Nach 45 Minuten waren die Gastgeber fast aussichtslos mit 11:17 im Rückstand, und die HSG schien mausetot. Nur wenige mögen in diesem Moment noch an eine Wende zu Gunsten der Konstanzer geglaubt haben. Doch wieder einmal kam es anders, gerade im Handball gelten immer wieder ganz eigene, ganz besondere Gesetze, die nicht zu erklären sind. In den letzten 15 Minuten gelang den Gästen aus der Goldstadt nur noch ein einziges Tor, der bis hierhin wenig überzeugenden HSG Konstanz jedoch deren acht - fast so viele, wie in den gesamten vorherigen 45 Minuten und die aberwitzige Auferstehung der Einheimischen war perfekt, 19:18 (9:12), Heimsieg, zwei zwischenzeitlich völlig unerwartete und nicht mehr für möglich gehaltene Punkte. 

Dabei wurde schon früh deutlich, dass es an diesem Abend kein Offensivspektakel geben würde. Beide Mannschaften starteten äußerst nervös in die Partie und produzierten reichlich Fehlwürfe und -pässe. Angesichts der Tabellenkonstellation und der damit einhergehenden Bedeutung der Begegnung taten sich beide Offensivreihen von Anfang an sehr schwer. Dabei war es nicht nur die Unsicherheit und fehlendes Selbstbewusstsein, das es den Angriffsreihen so schwer machte, in das Spiel zu finden. Vielmehr waren es die Abwehrverbünde beider Mannschaften, die mit gutem Stellungsspiel, viel Laufarbeit und hoher Aggressivität ein Durchkommen für die Angreifer phasenweise beinahe unmöglich machten - und wenn doch einmal ein Wurf den Weg Richtung Tor fand, waren die Torhüter auf dem Posten. Sowohl Patrick Glatt als auch der Ex-Konstanzer in Pforzheimer Diensten, Jonathan Binder, hatten einen Sahnetag erwischt.

Zwar tankte sich Paul Kaletsch mit einem schönen Dribbling durch die TGS-Abwehr und traf zur 1:0-Führung für die HSG Konstanz, gespielt waren zu diesem Zeitpunkt jedoch schon mehr als vier Minuten. Fortan ging zudem - bis auf die 5:4-Führung durch ein Gegenstoßtor von Yannick Schatz (14.) nach einem Pforzheimer Ballverlust und der Vorlage eines aufmerksamen Matthias Faißt - immer wieder Pforzheim in Führung. Kurz vor der Pause kündigte sich dann großes Unheil für die HSG an, denn nach einer Auszeit des Gästetrainers Andrej Klimovets, Ex-Nationalspieler und Weltmeister von 2007 beim „Wintermärchen“, erzielte seine Mannschaft zunächst das Tor zum 9:11. Der HSG gelang im Gegenzug in den verbliebenen 45 Sekunden nicht nur kein eigenes Tor mehr, sondern musste die Gäste zur Pause nach einem weiteren HSG-Fehlpass gar auf 9:12 davon ziehen lassen.

Als die TGS Pforzheim nach der Pause im sich nahtlos fortsetzenden Fehler- und Torwartparadenfestival auf 11:17 abgesetzt hatte (45.), konnte wohl nur noch der kühnste Optimist an ein Comeback der verunsicherten HSG Konstanz glauben. Doch das Unmögliche wurde möglich. Nach der Auszeit von HSG-Trainer Daniel Eblen in der 43. Minute spielte der Gastgeber wie ausgewechselt. „Wenn du mit dem Rücken zur Wand stehst, kannst du nur noch vorwärts gehen“, beschrieb Sebastian Groh die irre Auferstehung seines Teams. Den Gästen gelangen anschließend nur noch zwei Tore zum 11:17 und 16:18 durch Kikillus, der HSG hingegen ganze acht Stück. Zunächst verkürzten die Konstanzer durch fünf Treffer in Folge auf 16:17. „Auf einmal haben wir gemerkt: das ist noch was drin - der Ausgang ist natürlich phänomenal“, so Patrick Glatt zu den letzten Spielminuten. Spätestens nach dem Anschlusstreffer durch einen abgefälschten Wurf von Matthias Faißt glich die Halle einem Hexenkessel. Der Glaube war zurück und keinen der 800 Zuschauer hielt es mehr auf den Sitzen. Und der Funke sprang auf die Spieler über. Nach einem Durchbruch von Mathias Riedel, der nur regelwidrig gestoppt werden konnte, verkürzte Yannick Schatz nach dem letzten Treffer der Gäste an diesem Abend zunächst per Siebenmeter auf 17:18 (56.). Als Pforzheim sodann nach der dritten Zeitstrafe und der damit verbundenen Disqualifikation ihres erfahrenen Rückraumschützen Valentin Hörer in Unterzahl agieren musste, brachte Matthias Faißt die Halle endgültig zum Kochen. Mit einem wuchtigen Wurf in den Winkel war der ersehnte Ausgleich geschafft - nach 35 Minuten in Rückstand. 

Unglaublich dann die letzten Minuten der Partie: Patrick Glatt hielt zwei Siebenmeter der TGS Pforzheim und Kai Mittendorf sorgte vom Kreis für kollektiven Jubel der HSG Konstanz. „Tempo, Wille, Konsequenz - am Ende hat es doch noch funktioniert“, meinte er und hatte dazu selbst viel beigetragen. Die Gäste gingen nach großem Kampf hingegen leer aus. Entsprechend enttäuscht äußerte sich deren Trainer Andrey Klimovets nach dem Spiel: „Wir hatten den Sieg eigentlich schon in der Hand und hätten gewinnen müssen. Am Ende haben wir aber zu viele einfache Fehler fabriziert und keine Kraft mehr gehabt.“ 

Auf der anderen Seite war die Erleichterung dagegen riesig. „Kompliment an das Team, die letzten zehn Minuten waren einfach der Wahnsinn“, meinte ein erleichterter Patrick Glatt nach dem enorm wichtigen Sieg: „Ich hoffe, mit dem fast nicht mehr erwarteten Erfolgserlebnis ist jetzt der Knoten geplatzt und wir können daraus genügend Selbstvertrauen für die nächsten Aufgaben ziehen.“ Allerdings war man durchaus selbstkritisch und sich des glücklichen Ausgangs bewusst: „Die erste Halbzeit war eine Katastrophe, durch viel Kampf konnten wir das Ding am Ende noch einmal herumreißen“, meinte Fabian Schlaich und Sebastian Groh ergänzte: „Heute hatten wir das Glück, das uns in Coburg gefehlt hat, heute hat sich das wieder ausgeglichen. Wir müssen aber zusehen, dass wir endlich mal wieder mehr als 19 Tore werfen.“

HSG Konstanz: Glatt, Folchert (Tor); Kaletsch (2), Mittendorf (1), Oesterle, Groh (3), Riedel (3), Hafner, Flockerzie, Schlaich, Faißt (6), Schatz (4/2), Krüger, Geßler.
Zuschauer: 800