JUNGE WILDE: Standing ovations trotz Niederlage
JUNGE WILDE: Standing ovations trotz Niederlage
Welch ein Bild nach dem Schlusspfiff: 140 stehende Zuschauer, die ihrem jeweiligen Team applaudierten. Die Fans des Spitzenreiters freuten sich über einen weiteren Sieg und damit die Verteidigung der Tabellenführung, die HSG-Fans bedankten sich bei ihrem Team für eine couragierte und temporeiche Partie, die die Gästen in der Anfangsviertelstunde sogar etwas überraschte und dabei eine Zwei-Tore-Führung herauswarf.
Mit dem Zweitligaabsteiger und neu formierten Team aus dem Vorort von Melsungen in Nordhessen trat eine der bisher spielstärksten Mannschaften am Salzweg an. Mit einer überlegenen physischen Präsenz und viel Dynamik wusste das Team des Schweizer Markus Berchten zu gefallen – zumindest 45 Minuten lang. HSG-Trainer Löw hatte sich für den wurfgewaltigen Kirchhofer Rückraum um die 38-jährige Christina Mihai und die 19-jährige Marieke Blase für eine offensive Abwehrformation entschieden – und diese sollte den Gästen in der Anfangsviertelstunde überhaupt nicht behagen. Der HSG gelang es so die Kirchhofer Scharfschützinnen einigermaßen auf Distanz zu halten (Blase kam auf zwei Feldtore, Mihai auf fünf), wobei Routinier Mihai sich hiervon allerdings wenig beeindrucken ließ.
Da HSG-Goalie Chantal Pagel einen Sahnetag erwischt hatte, die Abwehr aufopferungsvoll kämpfte und der HSG-Angriff wieder einmal flüssig kombinierte, entwickelte sich ein temporeiches und hochklassiges Handballspiel mit vielen Highlights. Erst zum Ende der ersten Halbzeit ließ die Konzentration bei den Gastgeberinnen etwas nach, so dass Kirchhof mit einer 19:15-Führung in die Halbzeit ging. Das vom SG-Coach in der Presse angekündigte Ziel die JUNGEN WILDEN unter 20 Toren zu lassen, schien aber schon jetzt in Gefahr.
In der zweiten Halbzeit hielt Kirchhof weiterhin das Tempo hoch und baute seinen Vorsprung aus, wobei die HSG auch immer wieder spielerische Glanzlichter setzte und nicht gewillt war, sich abschlachten zu lassen. Als neun Minuten vor Spielende kurz nacheinander Saskia Rast und Annika Hollender verletzungsbedingt ausschieden und KIrchhof auf neun Tore davon zog, schien das Schicksal der HSG besiegelt. Aber da war er wieder (oder immer noch): Der Kampfgeist der JUNGEN WILDEN. Nun mit einer offenen Manndeckung operierend, luchste man dem Spitzenreiter einige Bälle ab, die prompt von der HSG verwandelt werden konnten. Hierbei tat sich Celina Skibba mit drei blitzsauberen Treffern von der Rechtsaußenposition hervor. Gästetrainer Berchten hatte genug gesehen; er grätschte mit einem zweiten Team Time Out innerhalb von fünf Minuten dazwischen, es setzte eine lautstarke Ansprache an sein Team, die auch auf der Tribüne vernehmbar war. Die Wirkung war: Sein Team verlor sofort nach Anwurf den Ball, die HSG verkürzte weiter und bescherte ihren Fans einen fulminanten Endspurt. Endstand: 31:35, viele begeisterte Zuschauer und viel Hoffnung hinsichtlich der nächsten Aufgaben.
Es spielten: Pagel, Teschner – Roxana Löw (1), Rast (11/7), Pichlmeier (7/1), Skibba (3), Seehausen (5), Seidler, Hollender (1), Schäfer, Gerber (2), Pollex, Steiner (1), Ronja Löw