Gelungener Einstand für neue Dolphins-Trainerin gegen Buxtehude
Gelungener Einstand für neue Dolphins-Trainerin gegen Buxtehude
Dem Sportler an sich, und dem Handballer im Speziellen, sagt man nach, abergläubisch zu sein, was ja auch nur zu allzu menschlich sein kann. Das treibt hin und wieder recht seltsame Blüten. Der Eine zieht immer zuerst seinen rechten Schuh mit der „Glückssohle“ an, die Andere bandagiert sich vor jedem Spiel mit rosa Tape die Finger der Wurfhand. Dieses Phänomen Lügen straften die Frauen des Rostocker HC am Sonntagnachmittag.
Zur Erklärung: Beim bisher einzigen Saisonsieg gegen den SV Brandenburg- West am siebten Spieltag musste man sich auf der ungewohnten (von der Tribüne aus betrachtet) rechten Feldseite erwärmen, da Betreuerin Christine Verch die Seitenwahl verloren und der Gegner die „RHC-Heimseite“ daraufhin gewählt hatte. Im darauffolgenden Heimspiel gegen den Frankfurter HC, zum Aufwärmen wieder zurück auf der „normalen“ linken Seite, setzte es eine herbe Niederlage. Wer nun erwartete, dass man die Seiten erneut tauschen würde, irrte sich. Dass die Rostock Dolphins es immer noch auch von der „richtigen Seite“ aus können, zeigten sie am Sonntag: Nach einer tollen kämpferischen Leistung gewann der Rostocker HC, bei dem Ute Lemmel am vergangenen Montag Lothar Goldschmidt und Heike Puls auf der Bank abgelöst hatte, gegen den bis dato ungeschlagenen Tabellenführer Buxtehuder SV II mit 29:28 (11:11). Durch die gleichzeitige 23:25-Niederlage von Grün Weiß Schwerin konnten sich die Mecklenburgerinnen auf den zwölften Platz vorschieben.
Die Delfine von der Ostsee übernahmen von Anfang an das Kommando, griffen in der Abwehr beherzt zu und waren vorn erfolgreich. Den 0:1-Rückstand glich Luise Scheele wenig später aus, und Victoria Schlegel besorgte mit einem Dreierpack die 4:2-Führung nach knapp sieben Minuten. Die 24-Jährige hätte die Führung wenig später sogar ausbauen können, doch zweimal scheiterte sie beim Siebenmeter am Pfosten bzw. an der Ex-Rostockerin Katja Ex im Buxtehuder Tor. Zu diesem Zeitpunkt hatte Gäste-Trainer Steffen Birkner bereits genug gesehen und beorderte seine Spielerinnen zum Weckruf an die Bank. Doch auch in den folgenden Aktionen agierten die Gäste aus der Hamburger Peripherie fehlerhaft: Lange Bälle gingen ins Aus, andere sprangen beim Passversuch an den Fuß. Zwar agierte auch der RHC nicht makellos, doch da eigene Fehlwürfe und technische Fehler vom Buxtehuder SV II nicht so konsequent bestraft wurden, wie es in den vorangegangenen Spielen Henstedt-Ulzburg und Frankfurt getan hatten, konnten die Frauen von der Ostsee ihren Vorsprung ausbauen. Katja Wahl traf in der 15. Minute zum 8:4. Annelie Freitag im Rostocker Tor war bereits zu diesem Zeitpunkt einmal mehr ein starker Rückhalt und leitete immer wieder Gegenstöße ein. Durch einige personelle Wechsel kam im zweiten Teil des ersten Durchgangs ein kleiner Bruch ins Spiel der Gastgeberinnen. Diesen nutzte der BSV II, um zum 8:8 durch Annika Jordt auszugleichen. Doch die Dolphins kämpften. Ein Musterbeispiel für diesen unbedingten Willen lieferte Kapitän Isabell Duwe in der 21. Minute, als sie sich aus vollem Lauf auf einen freien Ball in Höhe Mittellinie warf. Und auch dies war kurz vor dem Seitenwechsel noch zu notieren: Beide Mannschaften können auch per Siebenmeter treffen. Zunächst verwandelte Katja Wahl den ersten von bereits vier Siebenmetern. Lisa Prior auf Buxtehuder Seite wollte dem nicht nachstehen und markierte mit ihrem ersten Siebenmeter und der Pausensirene den 11:11-Halbzeitstand.
Das erste Tor des zweiten Durchgangs durften die wieder lautstarken Heim-Fans in der OSPA|Arena bejubeln. Jana Deinert traf nach zähem Beginn zum 12:11 (32.). Die beiden Teams waren fortan auf Augenhöhe, und in der 40. Minute ging Buxtehude durch Vanessa Becker erstmals in Führung. Als diese Spielerin wenige Minuten später von den Unparteiischen auf die Bank geschickt wurde, nutzten die Rostock Dolphins ihre erste Überzahl zur erneuten Führung. Katja Wahl traf per Siebenmeter zum 19:17. Und es kam für die Lemmel-Sieben noch besser. Caroline Schallock verwandelte einen Konter mit ihrem dritten Treffer zur Drei-Tore- Führung (20:17/ 45.). Die Gäste nahmen erneut eine Auszeit, und diesmal fruchteten die Worte von Steffen Birkner.
Zwei Treffer der erfolgreichsten Werferin in den Reihen der Gäste Julia Ammann (8 Tore) folgten, bevor Anja Ziegler den Ausgleich erzielte (47.). Sechs Minuten später traf Vanessa Becker sogar zum 21:25 aus Mecklenburger Sicht. Wieder drohte nach recht überzeugenden Phasen des RHC eine Niederlage, doch so leicht wollte man es den Gästen nicht machen. So wurde die Schlussphase nichts für schwache Nerven. Zunächst verkürzten Lena Schmidt und Janine Lenke. Nach erneutem Ballgewinn gab es die zweite Zeitstrafe gegen den BSV II und Vanessa Becker sowie einen Siebenmeter für den Rostocker HC- doch nun scheiterte auch Katja Wahl. Trotzdem rückte die Entscheidung zugunsten der Ostseestädterinnen näher. Erneut war es Janine Lenke, die nach Ballgewinn ihre Mannschaft auf ein Tor heranbrachte. Was passiert wäre, wenn Julia Ammann in der 56. Minute auf 24:26 erhöht hätte, ist bloße Spekulation. Nach kleinem Hinweis von Ute Lemmel parierte Annelie Freitag diesen Siebenmeter der Buxtehuder Spielerin, und Caroline Schallock traf im Gegenzug zum Ende der Überzahl zum 25:25-Ausgleich. Die 21-jährige Außenspielerin schnürte kurze Zeit später eine Doppelpack, und Rostock war wieder in Front (26:25/ 58.).
Der BSV nahm seine dritte Auszeit, doch es war Ute Lemmel auf Rostocker Seite, die eine Sonderbewachung von Julia Ammann anordnete und Buxtehude II so in den letzten Minuten in Einzelaktionen zwang, die allerdings auch von Erfolg gekrönt waren. Mit einem Wurf wie einem Strich überraschte Lisa Goldschmidt in Unterzahl die Verteidigung der Gäste, doch Anja Ziegler konnte erneut antworten. So begann die letzte Minute beim Stand von 28:28, woraufhin sich Luise Scheele 27 Sekunden vor dem Ende ein Herz fasste und das entscheidende 29. Tor erzielte. Die letzte Aktion des Tabellenführers pfiffen die Referees aus Fahrenkrug und Bad Segeberg wegen eines Schrittfehlers ab, so dass die letzten Sekunden der Partie in unbeschreiblichem Jubel untergingen. Beim Rostocker HC war Lena Schmidt mit sechs Toren auf Halblinks erfolgreichste Werferin.
Steffen Birkner haderte nach Ende des Spiels mit der kämpferischen Leistung seiner Damen: „Zunächst herzlichen Glückwunsch zum Sieg an Rostock. Der ist natürlich verdient, wenn man auf die Anzeige guckt. Ich bin mir sicher, dass es für die Mannschaft keine einfache Woche war, aber was die kämpferische Grundeinstellung anbelangt, haben sie uns vorgemacht, wie man solch ein Spiel angehen muss. Die Tabellenkonstellation als ungeschlagener Tabellenführer ist sehr schön. Sie bedeutet aber auch die ungewohnte Situation für uns, der Gejagte zu sein“, so der Buxtehuder Coach und weiter: „Wir haben die erste Halbzeit verschlafen und viel zu spät begonnen, den Kampf anzunehmen.“ Ute Lemmel als Pendant auf Rostocker Seite wollte nach dem Spiel den Sieg scheinbar richtig eingeordnet wissen: „Das war heute ein Sieg- mehr nicht“, so die ersten Worte der 53-Jährigen. „Natürlich freue ich mich für die Mannschaft, dass ihr das heute gelungen ist. Sie hat in der Woche sehr gut gearbeitet und sich heute belohnt. Wir haben in der Woche am Deckungs- und Rückzugverhalten gearbeitet und wollten über die erste und zweite Welle häufiger zum Erfolg kommen. Zumindest was die erste Welle betrifft, haben die Damen das ganz gut umgesetzt.“
Durch die knapp zweiwöchige Punktspielpause bleiben der neuen, alten Trainerin der Rostocker Frauenmannschaft nun ein paar mehr Tage zur intensiven Arbeit mit ihrer Mannschaft: „Wir werden laufen, laufen, laufen…“, so Ute Lemmel mit einem leichten Grinsen, um dann anzumerken: „Natürlich wollen wir uns weiter stabilisieren und unsere Stärken herausarbeiten. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie nicht so schlecht ist.“
Ihre erste Auswärtsaufgabe mit der neuen Mannschaft geht Lemmel am übernächsten Sonnabend an. Am 23. November sind die Rostock Dolphins beim Tabellennachbarn MTV 1860 Altlandsberg zu Gast. Anwurf ist um 17 Uhr.
Rostocker HC: A. Freitag, S. Stutz; J. Lenke (3), I. Duwe, C. Schallock (5), L. Scheele (5), L. Schmidt (6), K. Wahl (4/3), L. Goldschmidt (1), J. Kluth, J. Deinert (2), N. Spiekermann, V. Schlegel (3)
Spielfilm: 2:1 (5.), 4:2 (10.), 8:4 (15.), 8:5 (20.), 9:8 (25.), 11:11 (30.) - 14:14 (35.), 16:17 (40.), 20:18 (45.), 21:22 (50.), 23:25 (55.), 29:28 (60.)
Siebenmeter: RHC 3/7; BSV II 3/5
Zeitstrafen: RHC 12 Minuten; BSV II 4 Minuten