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Raubmöwen mit mehr Power

13.11.2013
13.11.2013 · Frauen 3. Liga, Staffel Ost · Von: PM

Raubmöwen mit mehr Power

Nach der mehr als sechsstündigen Fahrt Richtung Norden ließen sich die Oschatzerinnen erst einmal den Ostseewind um die Nase wehen, um bei einem Spaziergang die Müdigkeit aus den Gliedern zu vertreiben. Doch das half dem SHV Oschatz letztlich nicht, um eine 25:32 (13:14)-Niederlage beim TSV 1860 Travemünde zu verhindern.

Dabei schien der Auftakt auf ein erfreuliches Ende hinzudeuten, denn in Halbzeit eins konnte der SHV einige Akzente setzen. Den Führungstreffer zum 0:1 erzielten die Gäste durch Josi Hessel. Die 16-Jährige musste im Spielverlauf eine Menge einstecken, was sie aber nicht davon abhielt, immer wieder den Kampf eins gegen eins zu suchen.

Travemünde glich dann aus und ging selbst in Führung. Aber auch auf das 4:2 in der 11. Minute hatte der SHV die passenden Antworten parat. Zunächst stellte Carmen Schneider mit sicherem Auge den Anschluss her. Danach bediente Josi Hessel Doreen Wiersma mit einem Musterpass zum Konter und sie vollstreckte zum Ausgleich 4:4 (12.). In den nächsten Minuten lief es bei SHV wie am Schnürchen: Ball gehalten oder in der Abwehr erkämpft, technische Fehler der Raubmöwen ausgenutzt - und die Gäste führten mit 5:8 (19.). Doch die Oschatzerinnen schenkten den knappen Vorsprung durch eigene Fehler schnell wieder her.

In der folgenden Phase gelangen dem TSV sieben Treffer, während der SHV nur einmal erfolgreich war. In der 25. Minute hatten die Gastgeber das Spiel zu ihren Gunsten gedreht und führten jetzt mit 12:9. Aber kämpfen können die Mädels von Jana Delor und das taten sie auch und rückten bis zur Pause den Raubmöwen noch mal aufs Gefieder.

Beim Start in die zweite Halbzeit wollte die SHV-Sieben offenbar lieber im warmen Nest der Kabine bleiben, als in die kalte Halle zurückkehren. Folglich verschliefen die Gäste den Beginn des zweiten Spielabschnittes total, was zahlreiche Ballverluste zur Folge hatte und Travemünde zum Kontern einlud. Zwar blieben die Gastgeber auch nicht fehlerfrei, aber den Sächsinnen gelang es nicht, diese Fehler in eigene Tore umzumünzen, und so fiel in der Anfangsphase der zweiten Halbzeit schon eine kleine Vorentscheidung, als der TSV mit 20:15 (39.) in Front ging. Jetzt wurde eins ganz deutlich: Dem SHV fehlt es an Substanz. Die Frauen aus Travemünde waren athletisch ein Klasse besser. Das gab auch SHV-Trainerin Jana Delor nach dem Spiel klar zu bedenken: „Es ist eine große Herausforderung, 3.Liga zu spielen. Die kann man nur meistern, wenn man sich an die notwendigen Trainingseinheiten hält. Daran herrscht bei uns seit geraumer Zeit großer Mangel, wenn auch die Gründe sehr unterschiedlich sind. Dort müssen wir die Spielerinnen in die Pflicht nehmen.“

Die Gäste mühten sich im weiteren Verlauf der zweiten Hälfte, konnten aber den Anschluss nicht mehr herstellen. Hauptmanko war die schwache Deckungsarbeit, bei der die Laufbereitschaft vermisst wurde. Viel zu oft kamen die Rückraumschützinnen des TSV völlig unbedrängt zum Wurf. Torfrau Lisa Zimmermann, die ausdrücklich kein Vorwurf an der Niederlage trifft, sagte dazu nach der Begegnung: „Es war deprimierend von hinten zu sehen, dass sich kaum einer bewegt, niemand mal einen Schritt heraustrat, um die Werferin anzunehmen.“ Und so nahm die Niederlage ihren Lauf, wobei in der Schlussphase auch ein bisschen Resignation bei den Gästen mitschwang. Raubmöwen-Trainer Thomas Kruse sagte danach: „Es war von unserer Seite ein zerfahrenes Spiel. Ich hatte gehofft, wir können es als Team meistern. Aber wir mussten erneut auf die Leistung unserer Individualistinnen bauen, um erfolgreich zu sein.“ Dass es so einfach auch gar nicht war, zeigte die Tatsache, dass die Gastgeber ihre Deckung im Spielverlauf auf 6:0 umstellten, um dem SHV-Angriff weniger Entfaltungsspielraum zu überlassen.

SHV Oschatz: Zimmermann, Witecy, Wiersma 5, Dybowski 1, Hessel 6, Wirsik, Kube, Staffe, Schneider 5, Vujica 8/2