Erst kein Glück und dann auch noch Pech: Altlandsberg unterliegt bei Füchsen
Erst kein Glück und dann auch noch Pech: Altlandsberg unterliegt bei Füchsen
Der MTV 1860 Altlandsberg hat bei den Füchsen Berlin II mit 23:28 (10:11) verloren - ein Ergebnis, das Spielverlauf wie Spielanteile nicht wirklich widerspiegelt.
„Ohne Altlandsberg wär´ hier gar nichts los! Ohne Altlandsberg wär´ hier gar nichts los!“, skandierten die MTV-Fans während der letzten fünf Spielminuten, nachdem sie bereits die 55 zuvor ihre Mannschaft lautstark und mit Herzblut in Richtung Berliner Tor getragen hatten. Tatsächlich dürfte die Berliner Lilli-Hennoch-Sporthalle schon lange nicht mehr so viele zahlende Zuschauer gesehen haben, und das lag bei diesem Berlin-Brandenburg-Derby in der 3. Liga Nord vor allem am Brandenburger Anhang. Der hat sich in Grün-Weiß und in Sachen Fan-Kultur einmal mehr und in jeder Hinsicht Spitzennoten verdient. MTV-Chef und Handballabteilungsleiter André Witkowski: „Vor unseren Fans kann ich mich nur ganz tief verneigen!“
Vor allem, weil sich das Team in Grün-Weiß in seiner noch kurzen Drittligahistorie die Spitzennoten einmal mehr ganz allein vermasselt hat. Selbst die wohlmeinendsten Berliner Unterstützer werden eine etwaige drückende Überlegenheit der Gastgeber kaum ausgemacht haben. Bis zur 53. Minute hatten die Zuschauer zwar kein wirklich gutes, aber ein durchgehend spannendes, umkämpftes Spiel gesehen. Ein echtes Derby eben. Der erste Durchgang folgte dem Muster Führung-Ausgleich-Führung-Ausgleich. Auch wenn es dem MTV nur zwei Mal vergönnt war, die Führung zu markieren (beim 0:1 durch Dominik Witkowski und beim 3:4 in der 11. Minute durch Janis Kilx) und sonst für den Ausgleich zuständig war, konnte von einer drohenden Niederlage der Gäste so gar keine Rede sein.
Der zweite Durchgang verlief aus Altlandsberger Sicht allerdings weniger ausgeglichen. Erst benötigten die Schützlinge von MTV-Coach Ferenc Remes ganze sechseinhalb Minuten ehe sie zu ihrem ersten Treffer kamen (Patrick Dörrs erneuter Anschlusstreffer zum 11:12), dann erlaubten einige teils unglückliche, teils unverständliche individuelle Fehler den Juniorfüchsen erstmals, die Führung auf drei Tore auszubauen. Aber selbst da waren die Messen in dieser Partie noch nicht gesungen. Zweimal kamen die MTV-Herren wieder zurück, erkämpften sich den erneuten Ausgleich. Zuletzt in der bereits erwähnten 53. Minute mit dem 20:20 nach Toren von Lukas Wilde (gemeinsam mit Daniel Braun im Altlandsberger Kasten heute deutlich einer der besten Altlandsberger Akteur auf dem Feld) und Dominik Witkowski.
Was dann folgte, lässt sich wohl nur mit der Regel „Erst hat mein kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu“ erklären. Ein leichtsinniger Fehler vor dem Berliner Tor führt zum Tempogegenstoß der Füchse. Lukas Wildes beherzte Abwehr zu einer Zwei-Minuten-Strafe und Siebenmeter für den Gegner. Ausgerechnet in Unterzahl leidet die Altlandsberger Konzentration weiter - und plötzlich steht es vier Minuten vor Schluss 24:20 für die Gastgeber. Dass diese Führung den bisherigen Spielverlauf auf den Kopf stellte, ändert nichts an ihrem statistischen Wert und auch nicht daran, dass die Begegnung in diesem Moment entschieden war.
Auch weil der MTV in der Schlussphase der Fehlwahrnehmung unterlag, Zeit zu haben. Ganze drei Mal beendete der Zeitspiel-Pfiff der Unparteiischen Altlandsberger Angriffe. Allein Martin Berger (auch einer der Leistungsträger des Abends) und Simon Kapa bewiesen, dass sie den Zeitdruck verinnerlicht hatten. Nach einem Füchse-Tor an der 57 Minuten und 33 Sekunden Marke, eilt Kapa zum Anwurfkreis. Daniel Braun bringt den Ball blitzartig nach vorn, den Kapa ebenso blitzartig in Bergers Lauf spielt, bei dem Ballannahme und Wurf eine einzige Bewegung zu sein scheinen. Der Ball zappelt im Berliner Netz. Die Hallenuhr steht bei 57 Minuten und 39 Sekunden.
„Natürlich haben sich die Berliner den Sieg verdient“, räumt MTV-Coach Ferenc Remes nach der Begegnung ein. „Vor allem weil sie am Ende unsere Fehler und Unkonzentrierten konsequent bestraft haben. Aber ich glaube es ist nicht unfair festzustellen, dass sie diesen Sieg eher unseren Unzulänglichkeiten als ihren Fähigkeiten zu verdanken hatten. Sie waren erfolgreicher als wir, ohne deshalb notwendiger Weise besser sein zu müssen.“
Was aber nichts daran ändert, dass für den MTV zwei weitere mögliche und wichtige Punkte futsch sind. „Das schwierigste in unserer Situation ist, gerade wenn man unglücklich unterliegt und mit nur ein bisschen mehr Fortune auch gewinnen hätte können, um nicht zu sagen gewinnen hätte müssen, sich immer wieder fürs nächste Spiel zu motivieren, an den eigenen Erfolg zu glauben. Ohne diesen festen Glauben an die eigene Chance hat man eine Partie nämlich schon vor Anpfiff verloren. Dass wir diese Chance ganz realistisch haben, hat man heute wieder gesehen. Ich will aber nicht leugnen, dass es langsam für uns Zeit wird, mal wieder zwei Punkte mit nach Hause zu bringen.“
MTV 1860 Altlandsberg: Daniel Braun, Iván Szabó; Martin Berger 5, Marko Curcic 1, Patrick Dörr 3, Paul Gronwald, Simon Kapa 1, Janis Kilx 3, Robert Klatt 2, Marco Leupert, Alexandru Micu, Arian Thümmler, Lukas Wilde 2, Dominic Witkowski 6/3