Verleihung der DHB-Wissenschaftspreise | Foto: DHB
Verleihung der DHB-Wissenschaftspreise | Foto: DHB

DHB Fachleiter*innen-Tagung 2026: So kommt Handball in die Schulen

07.10.2026 | Verband

 

Wie wird aus Handball-Begeisterung guter Schulsport? Genau darüber haben sich Expertinnen und Experten aus ganz Deutschland bei der DHB Fachleiter*innen-Tagung ausgetauscht.

Vom 29. bis 30. September 2026 kamen dafür mehr als 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Campus der Deutschen Sporthochschule Köln zusammen, um zwei Tage lang über die Zukunft der Lehrkräfteausbildung im Handball zu diskutieren, Trends im Handball zu identifizieren und gleichzeitig ein Handball-Netzwerk zu pflegen.

Wer sind die Fachleiter*innen im Handball?

Fachleiter*innen sind weit mehr als Lehrende im Hintergrund: Sie sind die zentralen Ansprechpersonen der deutschen Universitäten und pädagogischen Hochschulen im Themenfeld Handball und bilden insbesondere künftige Lehrkräfte aus. Damit entscheiden sie maßgeblich mit, wie Kinder und Jugendliche in der Schule erstmals mit Handball in Berührung kommen. 

Für den DHB sind sie deshalb eine tragende Säule der Mitgliederentwicklung: „Fachleiter*innen sind wichtige Multiplikator*innen für unsere Sportart. Sie qualifizieren angehende Lehrkräfte in Deutschland“, betont Martin Goepfert, Vorstand Mitglieder im DHB. Der direkte Austausch mit ihnen sei deshalb unverzichtbar, um praxisnahe Impulse in die Verbandsarbeit einfließen zu lassen. 

Kinderhandball: Wettkampfbestimmungen im Fokus 

Besonders viel Raum nahm ein Thema ein, das für viele Vereine erfreuliche Veränderungen mit sich bringt: die Wettkampfbestimmungen im Kinderhandball. Mit dem aktuellen Entwurf zur Aktualisierung der bislang gültigen Durchführungsbestimmungen für den Kinderhandball können sich die Rahmenbedingungen für den Wettkampfsport im Sinne der einzelnen Handballer*innen deutlich individueller und aktionsbezogen verändern. 

Das ändert sich: Ab dem Spieljahr 2027/2028 wird der Spielbetrieb in den Altersklassen Minis bis D-Jugend bundesweit nach einheitlichen Vorgaben durchgeführt. Ben Schulze, Referent für Kinder- und Schulhandball beim DHB, stellte den Fachleiter*innen den aktuellen Planungsstand vor und sammelte wertvolles Feedback aus der Praxis. 

Im Mittelpunkt steht die Idee, möglichst viele Kinder aktiv am Spielgeschehen zu beteiligen: Kleine Mannschaften und kindgerechte, flexible Spielformate sorgen für mehr Ballaktionen und Entscheidungssituationen für jedes Kind. Die Formate wachsen dabei bewusst mit den Kindern mit, mit steigender Spielfeldgröße, Spielzeit und Wettkampforientierung. Spielergebnisse treten zunächst in den Hintergrund, stattdessen stehen Begeisterung, Spielintelligenz und individuelle Fortschritte im Vordergrund. 

C-Trainer*innen-Ausbildung im Studium 

Das zweite Schwerpunktthema der Tagung war die universitäre C-Trainer*innen-Ausbildung. Patrick Luig, Bundestrainer Bildung und Wissenschaft beim DHB, stellte vor, wie angehende Lehrkräfte schon während des Studiums eine Trainer*innen-Lizenz erwerben können. Der Ansatz passt zur zentralen Rolle, die Fachleiter*innen für den Handballsport spielen: Sie bilden die Lehrkräfte von morgen aus und entscheiden damit mit, wie früh und wie fundiert angehende Pädagoginnen bereits während ihrer Ausbildung an die Sportart herangeführt werden. 

Wer schon im Studium eine C-Trainer*innen-Lizenz erwirbt, bringt dieses Wissen später direkt in den Schulsport und ins Vereinstraining ein – ein doppelter Gewinn für die Nachwuchsarbeit im Handball.

Am zweiten Tag leitete Martin Goepfert, Vorstand Mitglieder beim DHB, einen Workshop zum Thema „Alternative Spielformate im Handball? Warum die Jugend geht und ob es einen neuen Trend braucht“. Im Anschluss stellten Prof. Dr. Stefan König und Dr. Martin Boss Zwischenergebnisse aus dem MIPHa-BISP-Forschungsprojekt vor. Das Projekt untersucht, warum die Mitglieder- und Mannschaftszahlen im DHB rückläufig waren. 

Im Fokus steht die Frage, was Kinder und Jugendliche zum Handball bewegt, dabei hält oder zum Ausstieg führt. Ziel ist es, dem DHB konkrete Handlungsempfehlungen zur Mitgliedergewinnung und -bindung zu geben. Dr. Clint Hansen und Christian Hungerecker zeigten zudem, wie sich Positionsdaten praktisch für die Trainingssteuerung nutzen lassen. Dr. Christian Winter beschäftigte sich mit dem Einsatz digitaler Medien in der Handball-Bildung in der Sporthalle. 

Sportspielsymposium und DHB-Wissenschaftsforum in Köln 

Direkt im Anschluss ging es wissenschaftlich weiter: Die DHB Fachleiter*innen-Tagung war in das 14. Sportspiel-Symposium der dvs-Kommission Sportspiele eingebettet. Den Auftakt bildete der Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Astrid Schubring zum Thema „Trainerinnen im Fokus: Strukturelle Herausforderungen und innovative Lösungsansätze für den Leistungssport“, gefolgt von einer Podiumsdiskussion. 

Am Nachmittag folgte das DHB-Wissenschaftsforum unter Organisation von Prof. Dr. Dirk Büsch und Dr. Patrick Luig (Prof. Dr. Stefan König hatte kurzfristig krankheitsbedingt absagen müssen). Im Mittelpunkt standen aktuelle Forschungsarbeiten aus dem Handball. In diesem Rahmen verlieh der DHB auch seinen Wissenschaftspreis, mit dem alle zwei Jahre herausragende Qualifikationsarbeiten von Nachwuchswissenschaftler*innen in den Kategorien Bachelor, Master beziehungsweise Staatsexamen und Promotion gewürdigt werden. 

Die eingereichten Arbeiten werden von einer Fachjury aus dem DHB-Netzwerk Wissenschaft begutachtet. Drei erste Plätze gingen in diesem Jahr an Nele Lammers in der Kategorie Bachelor für ihre Arbeit „Strategische Entwicklung eines Sportvermarktungskonzeptes für den Beachhandball in Deutschland – Eine qualitative Analyse auf Basis von Expert:inneninterviews“, Julian Zipf in der Kategorie Master für „Status Quo des passiven Spiels im Handball – Auswirkungen auf die Taktik des Angriffsspiels“ sowie Dr. Jan Bursik in der Kategorie Promotion für „Individual physical health risk management of elite athletes: An interdisciplinary approach“. 

Prof. Dr. Dirk Büsch zog ein positives Fazit: ”Nicht nur die ansteigende Anzahl der eingereichten Arbeiten in diesem Bewerbungsturnus, insgesamt 22, sondern auch die hohe Qualität der eingereichten Arbeiten mit konkreten Handlungsempfehlungen für die Sportart Handball haben die Jury beeindruckt und wir freuen uns unter diesen Voraussetzungen schon ganz besonders auf das nächste DHB-Wissenschaftsforum 2028 in Frankfurt”.