Julian Köster beim inklusiven Training in Köln: “Handball ist ein Sport für alle”
Beim inklusiven Training des Longericher SC stehen das Miteinander, die Freude am Spiel und viele besondere Begegnungen mit Julian Köster im Mittelpunkt.
Julian Köster steht in der Halle des Longericher SC und hält ein Leibchen hoch. Gelb. Ein Kind schaut kurz, zielt, wirft und trifft. Sofort ist der nächste dran. Es wird gelacht, gerufen, ausprobiert. Vieles geht durcheinander, aber nichts wirkt chaotisch, eher lebendig. So wie dieser ganze Vormittag.
Zum dreitägigen Handballcamp des Longericher SC kamen an diesem Tag insgesamt 50 Kinder zusammen. Neben den rund 30 Camp-Teilnehmenden waren für anderthalb bis zwei Stunden auch 20 Kinder mit geistiger Behinderung oder anderen Einschränkungen dabei. Die Special Olympics Nordrhein-Westfalen hatten den Verein für diese Aktion kontaktiert und mit Nationalspieler Köster verknüpft. So wurde aus dem Vormittag ein gemeinsames Training für alle. Man könnte meinen, daraus wäre ein besonderer Programmpunkt entstanden. War aber nicht so. Sondern einfach ein gemeinsames Training mit vielen Handball- und Sport-begeisterten Kindern.
Drei Stationen, ein gemeinsames Ziel
Zum Trainingsstart wurde die Gruppe in drei Teams aufgeteilt, die parallel verschiedene Stationen durchlaufen sollten. An einer Station ging es ums Werfen, an einer anderen um Pässe, kleine Hindernisse und das Zusammenspiel, an der dritten um Prellen, Konter und Torabschlüsse. Köster war immer wieder mittendrin, gab Tipps, half bei den Übungen, erklärte, lobte und machte mit. Gerade an der Wurfstation war er ständig im Einsatz, zeigte an, auf welches Tor geworfen werden sollte, und unterstützte die Kinder mit Technik-Tipps.
Das inklusive Training lebte an diesem Nachmittag vor allem vom Miteinander. In den Übungen, in den Spielformen und auch in den Pausen dazwischen war zu sehen, wie offen die Kinder aufeinander zugingen und wie selbstverständlich gemeinsam trainiert und gespielt wurde. „Handball ist ein Sport für alle, da werden ganz viele Werte gelebt und geschult“, sagte Köster. Seine Worte fassten passend zusammen, was dieses Training ausmachte: viel Bewegung, viel Freude und ein gemeinsames Erlebnis auf und neben dem Feld.
Nach den Stationen wurde auf drei Feldern gespielt. Jetzt wurde es etwas freier, etwas wilder, noch ein bisschen näher an dem, was Kinder am Handball meistens am liebsten mögen: einfach spielen. Auch hier war Köster überall gefragt. Er pfiff, erklärte Situationen, gab kleine Hinweise, half hier beim Schnürsenkel binden, tröstete dort kurz, wenn etwas nicht klappte.
Julian Köster beim Inklusionstraining: Fragen, Antworten und echte Gespräche
Nach den Spielen wurde es in der Halle noch einmal etwas ruhiger. In einer Ecke kamen alle zur Fragerunde zusammen und Köster bekam einen bunten Blumenstrauß an Themen serviert: Lieblingsessen, Lieblingsspieler, Roten Karten, Verletzungen, seine Rückennummer oder auch, ob er schon mal in eine Prügelei geraten sei.
Köster beantwortete die Fragen mit Humor und ohne jede Eile. Sein Lieblingsessen? „Lasagne von Mama.“ Ein Vorbild? „Domagoj Duvnjak“ Ein Freund in der Mannschaft? „Miro Schluroff“. Und Rote Karten habe es auch schon gegeben, drei sogar, wie er mit einem Grinsen erzählte, „aber der Schiri hat das nicht richtig gesehen“. Dabei blieb es nicht nur bei seinen Antworten: Köster stellte immer wieder auch Gegenfragen und bezog die Kinder so direkt in die Runde mit ein. Aus den anfangs noch etwas nervösen Fragen wurden kleine Gespräche, große Lacher und zunehmend glückliche Gesichter.
Engagement über das Spielfeld hinaus
Dass solche Tage für ihn mehr sind als ein Termin im Kalender, passt zu seinem Engagement abseits des Spielfelds: Julian Köster ist seit 2024 Botschafter von Special Olympics Deutschland und wurde zuletzt unter anderem mit dem Sonderpreis des Fair-Play-Preises des Deutschen Sports sowie dem Engagement-Preis der German Handball Awards ausgezeichnet.
„Solche Einheiten sind natürlich unglaublich wichtig, um Kinder für den Handball zu begeistern und ihnen den Spaß daran mitzugeben. Aber gerade auch, damit sie miteinander spielen, Berührungsängste abbauen und voneinander lernen“, sagte Köster.
Sein Antrieb geht dabei über einzelne Aktionen hinaus: „Sport vermittelt Werte wie Respekt, Fairness und Miteinander und genau das ist wichtig für unsere Gesellschaft.“ Mehr inklusive Angebote, mehr Möglichkeiten für alle Kinder, Teil eines Teams zu sein, das ist für ihn ein zentrales Thema.
Auch nach dem Training war noch lange nicht Schluss. Rund um Köster bildete sich schnell eine große Schlange aus Kindern mit Autogrammkarten, Trikots und Bällen, dazu kamen Fotos, kurze Gespräche und immer wieder neue Fragen. Köster schrieb, posierte, hörte zu und nahm sich für alle genügend Zeit. Doch nicht nur die Kinder gingen glücklich aus der Halle. Kösters Fazit: „Mein Tag heute war grandios.”