DHB-Präsidiumsmitglied Carsten Korte spricht auf dem Bundestag über das einheitliche Verbandsmanagementsystem
DHB-Präsidiumsmitglied Carsten Korte spricht auf dem Bundestag über das einheitliche Verbandsmanagementsystem. - Foto: Kenny Beele

Pilotphase in den Startlöchern

23.02.2026 | Verband

 

So steht es um das neue deutschlandweite Verbandsmanagementsystem

Vor drei Monaten wurde auf dem 34. Ordentlichen Bundestag des Deutschen Handballbundes in Dresden von den Delegierten ein Paradigmenwechsel beschlossen: Das Projekt mit dem Arbeitstitel Handball360, was konkret meint: Ganz Handball-Deutschland bekommt eine einheitliche Verbandsmanagementsoftware. Dort sollen insbesondere die Verwaltungsprozesse, die es für die Organisation des Handballs braucht, und alle Ergebnisse, Tabellen, Ansetzungen und Statistiken abgebildet werden. Das ambitionierte Ziel: Zur Saison 2026/27 soll alles stehen.

Seitdem sind drei Monate vergangen. Zeit für eine Bestandsaufnahme: Wie ist der Status Quo in den Arbeitsgruppen? Was wurde schon umgesetzt? Was sind die nächsten Schritte? Und was kommt auf die Handballer in Deutschland als nächstes zu?

Zunächst ein kurzer Rückblick. Mitte November stimmte die große Mehrheit der Delegierten auf dem Bundestag dem Antrag des Präsidiums für die verbindliche Nutzung und Einführung eines bundesweit einheitlichen Verbandsmanagementsystems zu. Damit gelang die Grundlage für einen großen Digitalisierungssprung im deutschen Handball – den Weg wollen DHB und die Landesverbände mit der spanischen Firma toools und deren System iSquad gehen.

Seitdem arbeitet das spanische Unternehmen mit viel Expertise im Bereich Sportmanagementsoftware intensiv daran, die technischen Anforderungen und Prozesse in der Organisation des deutschen Handballs in der Software abzubilden. Der DHB und die Landesverbände bildeten parallel sogenannte Core-Teams mit Hauptansprechpartnern für die verschiedenen inhaltlichen Themen der Software. Das bedeutet, in jedem Landesverband gibt es eine hauptverantwortliche Person für die weitere Umsetzung des Projekts im eigenen Zuständigkeitsbereich.  

Einheitliches Verbandsmanagementtool: System wird auf deutsche Handball-Besonderheiten angepasst

Damit wurden die notwendigen Arbeitsstrukturen für die kommenden Schritte gelegt. Nun geht es um die weitere Arbeit im Tool iSquad. „Grundsätzlich ist das System bereits im spanischen Handball und in vielen anderen internationalen Sportorganisationen seit Jahren erfolgreich im Einsatz. Aktuell befinden wir uns in der finalen Phase, um das System auf unsere Bedarfe, die Besonderheiten des deutschen Handballs, anzupassen“, erklärt Dr. Klaus Berding, Vorstand Finanzen und Recht beim DHB. „Dabei geht es vor allem um Themen wie Registrierung oder Lizenzen.“ 

Vier themenspezifische Arbeitsgruppen aus Vertretern der Landesverbände und des DHB wurden eingesetzt, um diese notwendigen technischen Funktionalitäten für den Betrieb im deutschen Handball herauszuarbeiten und toools eine Grundlage für die Anpassung ihres bestehenden Systems iSquad an die Hand zu geben. Diese Funktionalitäten betreffen die zum Beispiel die Bereiche Geschäftsstelle (z.B. Passwesen, Lizenzen oder Seminare), Wettbewerbe und Spieltechnik und Schiedsrichterwesen.

Nach dieser funktionalen Anpassung des Systems ist ein weiterer Meilenstein im Gesamtprojekt abgeschlossen, sodass die Pilotphase Anfang März beginnen kann. „Dafür haben wir die Themen in die drei Blöcke Wettbewerbe/Spieltag, Registrierung und Administration aufgeteilt“, erklärt Dr. Klaus Berding. „Für jeden Block haben wir Gruppen aus sogenannten Piloten zusammengestellt, die beim DHB oder in ihren Landesverbänden Experten für die jeweilige Funktion sind und das System ausführlich testen.“

Mit Hochdruck wird parallel zu den genannten Funktionstests an einer weiteren wichtigen Grundlage für den Pilotbetrieb gearbeitet: Die datenschutz- und rechtskonforme Migration von Testdaten aus den Bestandssystemen der Landesverbände. „Wir überführen in den kommenden Wochen erste Testdaten aus den Landesverbänden in das neue iSquad-System, um wichtige Funktionalitäten auf Grundlage von Echtdaten dann auf Herz und Nieren prüfen zu können“, sagt Dr. Knuth Lange, Präsident des Hamburger Handball-Verbands und Mitglied des Lenkungsausschusses. „Wir wollen Spiele simulieren, Spielpläne erstellen, Staffeln einteilen, Passanträge einspeisen und Live-Daten verarbeiten können.“ In der Zwischenzeit arbeitet toools weiter an der funktionalen Anpassung des Systems in anderen Modulen, die jeweils nach Fertigstellung in der gleichen Systematik in die Pilotphase gehen werden.

Handball360: Pilotphase soll im März beginnen

Die Pilotphase soll im März beginnen und zwei bis zweieinhalb Monate dauern, der Prozess befindet sich im Zeitplan. Pünktlich zur Vorbereitung der neuen Saison 26/27 sollen dann die kompletten Datensätze im neuen Verbandsmanagementsystem vorliegen – idealerweise schon bereinigt. Der Bayerische Handball-Verband hat seine Vereine beispielsweise aufgerufen, die Mitgliedsdaten zu bereinigen. “Dieses Vorgehen ist sehr sinnvoll und empfehlenswert", sagt Dr. Knuth Lange.

Im nächsten Schritt werden dann die Spieler, Trainer, Funktionäre und Schiedsrichter angesprochen. Jeder muss sich einmalig im neuen System mit seiner Mailadresse registrieren. Dadurch entsteht die Handball-ID, die jeden Handballer in Deutschland künftig identifizieren und beispielsweise alle Spielrechte und Lizenzen enthalten wird.

Und dann geht die Saison 2026/27 los, zu unterschiedlichen Zeitpunkten je nach Landesverband. Aber erstmals mit einem bundesweit einheitlichen Verbandsmanagementtool, bei dem beispielsweise Wechsel zwischen den Landesverbänden kein bürokratisches Problem mehr darstellen. “Wir werden intensiv daran arbeiten, dass am Ende eine deutlich verbesserte Nutzerfreundlichkeit für alle Nutzer eintritt”, erklärt DHB-Präsidiumsmitglied Carsten Korte. Dazu kommen größere Effizienz und Erleichterung für Staffeleinteiler und Geschäftsstellenmitarbeiter. “Wir ermöglichen durch das neue Verbandsmanagementsystem auch technische Weiterentwicklungsmöglichkeiten, die allen Landesverbänden zugutekommen”, so Korte. 

„Es sind noch ein paar Bretter zu bohren und jedem ist klar, dass Einführungen von neuen IT-Systemen anfänglich viel Kraft und Nerven kosten - Grundsätzlich befinden uns aber auf einem guten Weg“, sagt Dr. Klaus Berding. „Die Landesverbände und der DHB müssen jetzt gemeinsam an dem System arbeiten und dann ab Frühjahr dafür sorgen, dass auf Basis der geplante Schulungsprozesse und des Supportkonzeptes die Vereine und vielen Ehrenamtlichen in ganz Deutschland in die Lage versetzt werden, effektiv mit dem neuen System zu arbeiten.“