"Kulturwandel beginnt bei der Qualität": Bauministeriums-Staatssekretärin Poschmann über die Sportstätten-Sanierung
Wenn über die Strukturen des Sports in Deutschland gesprochen wird, landet man schnell bei sanierungsbedürftigen Sportstätten. Vom Amateurhandball bis hoch in den Leistungsbereich hat jeder Handballer und jede Handballerin seine und ihre eigene Geschichte von maroden Hallen. Die Bundesregierung will Abhilfe schaffen und stellt über das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ 333 Millionen Euro zur Verfügung. Ende Januar gab das zuständige Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) bekannt: Es gab über 3.600 Projektskizzen auf Förderung mit einer beantragten Gesamtfördersumme von mehr als 7,5 Milliarden Euro. Das zeigt den großen Modernisierungsbedarf an Sportstätten in Deutschland. Im Interview erklärt die Parlamentarische Staatssekretärin im BMWSB, Sabine Poschmann, wie die Bundesregierung die Sanierung der Sportstätten weiter vorantreiben möchte und bezieht auch Stellung zum Dänischen Modell (Offene Hallen auch außerhalb der Belegungszeiten als sportlich-soziale Begegnungszentren).
Frau Poschmann, im Oktober hat die Bundesregierung bekanntgegeben, dass der Bund 333 Millionen Euro Fördermittel für die Sanierung kommunaler Sportstätten zur Verfügung stellt. Rund fünf Monate sind seitdem vergangen. Wie zufrieden sind Sie damit, wie die Fördermöglichkeiten in Anspruch genommen werden?
Sabine Poschmann: Mit dem Bundesprogramm ‚Sanierung kommunaler Sportstätten (SKS)‘ setzen wir ein starkes Signal: Der Sanierungsstau bei unseren Sportanlagen darf kein Dauerzustand bleiben. Deshalb unterstützen wir als Bund die Kommunen gezielt bei der Modernisierung. Die Resonanz zeigt, wie dringend der Handlungsbedarf ist. Über 3.600 Interessenbekundungen sind eingegangen. Aktuell läuft die Bewertung der Projekte und wir erwarten eine Entscheidung durch den Haushaltsausschuss des Bundestages voraussichtlich Mitte April. Damit haben die Kommunen bald Planungssicherheit. Das große Interesse bestätigt unseren Kurs. Und es unterstreicht, dass wir bei diesem Thema nicht nachlassen dürfen. Deshalb sind im Bundeshaushalt 2026 zusätzlich 250 Millionen Euro für Schwimmbäder sowie weitere 333 Millionen Euro für die nächste SKS-Förderrunde vorgesehen.
Kommen denn die Informationen über die Fördermöglichkeiten überall an?
Sabine Poschmann: Die zahlreich eingereichten Projektskizzen sprechen eine deutliche Sprache. Der Informationsfluss über die kommunalen Spitzenverbände und die großen Sportdachverbände wie den DOSB funktioniert gut, sodass viele Kommunen sowie Vereine auf dem Laufenden sind. Das ist besonders wichtig, damit die Mittel vor Ort ankommen.
Wie würden Sie den Status Quo bezüglich der Sportstätten in Deutschland beschreiben?
Sabine Poschmann: Die Situation bei den Sportstätten ist höchst unterschiedlich. Wir sind da auf die Rückmeldung der Länder und Kommunen angewiesen, die dafür zuständig sind. In vielen Kommunen gibt es einen erheblichen Sanierungsbedarf, was auch beispielweise durch Studien wie das KfW-Kommunalpanel 2025 (von der Kreditanstalt für Wiederaufbau, eine deutsche Förder- und Entwicklungsbank, die im Auftrag des Bundes und der Länder wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklungsziele unterstützt, Anm. d. Red.) bestätigt wird. Je nach Region unterscheiden sich Anzahl und Zustand der Sportplätze, Hallen oder Schwimmbäder. Dabei spielen natürlich auch die Finanzausstattung der Kommunen und die jeweilige Landespolitik eine Rolle. Der Bund hat mit seinen Initiativen für einen ‚Digitalen Sportstättenatlas‘, dem Forschungsprojekt ‚Schätzverfahren zu Deutschen Sportstätten (SDS)‘ und dem Projekt ‚Bäderleben‘ im Rahmen seiner Möglichkeiten wichtige Beiträge dazu geleistet, eine bessere Transparenz und Datengrundlage zu dem sehr dezentralen und individuellen Bestand der Sportstätten in Hand der Kommunen und Vereine zu schaffen. Eine auswertbare und aussagekräftige Datengrundlage wird jedoch erst dann verfügbar sein, wenn die Kommunen und Länder die dafür benötigten Daten zu ihren Sportstätten nach einheitlichen Standards bereitstellen und zusammenführen.
Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen mit den Kommunen? Und wie mit Verbänden und Vereinen?
Sabine Poschmann: Die Zusammenarbeit mit den Kommunen erfolgt grundsätzlich in einem vertrauensvollen Austausch. Bei der Umsetzung des Programms arbeiten wir sehr eng zusammen. Der direkte Kontakt erfolgt dabei über das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Bereits unmittelbar nach dem Projektaufruf haben wir Informationsveranstaltungen für die Kommunen angeboten, die auf sehr großes Interesse gestoßen sind. Nach der Projektauswahl folgen in der zweiten Phase des Verfahrens Antrags- bzw. Koordinierungsgespräche mit den ausgewählten Kommunen. In diesen Gesprächen geht es nicht nur um formale Fragen, sondern auch um die Qualifizierung der Antragsunterlagen und gegebenenfalls inhaltliche Weiterentwicklung und mögliche Verbesserungen der Projekte. Auch mit den Verbänden stehen wir in einem guten Austausch. So stellen wir sicher, dass wertvolle Rückmeldungen aus der Praxis in die Weiterentwicklung des Programms einfließen.
Welche konkreten Ziele verfolgt die Bundesregierung mit dieser Sportstätten-Förderung?
Sabine Poschmann: Unser Ziel ist es, die Kommunen bei ihrer Aufgabe zu unterstützen, moderne, zukunftsfähige Sportanlagen zu schaffen. Das gibt den Menschen vor Ort Raum für ihr sportliches Hobby und stärkt gleichzeitig den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die individuelle Gesundheit. Dabei setzen wir auch auf Projekte, die soziale Integration fördern und Sportstätten energetisch fit für die Zukunft machen. Und natürlich wollen wir, dass diese Orte für alle zugänglich sind – mit einem klaren Fokus auf Barrierefreiheit und Teilhabe für jede und jeden. Als Bund können wir nicht jede einzelne Sportanlage im Land sanieren. Mit dem Programm setzen wir gezielte Impulse, stoßen Investitionen an und zeigen, wie moderne und nachhaltige Sportinfrastruktur aussehen kann. So stärken wir die Kommunen konkret und ermutigen zugleich die Länder, ihre eigenen Investitionen in die Sportstätten vor Ort weiter auszubauen.
Das Thema Sportinfrastruktur betrifft sowohl das Bauministerium als auch das Sportministerium. Für den DHB-Präsidenten Andreas Michelmann ist das kein Nachteil. Wie beschreiben Sie die Zuständigkeiten dieser beiden Ministerien bei diesem Thema?
Sabine Poschmann: Die Aufgabenteilung sorgt für eine gezielte Förderung nicht nur beim Sport, sondern auch bei der Infrastruktur. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) kümmert sich um Sportstätten, die vor allem dem Vereins- und Breitensport dienen und damit auch einen wichtigen Beitrag zur Stadtentwicklung leisten. Der Spitzensport mit seinen entsprechenden Sportstätten fällt hingegen in die Verantwortung der Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt.
Häufig sind Sporthallen an Schulen gekoppelt. Wie stehen Sie dem Modell gegenüber, Sporthallen als sportlich-soziale Zentren zu etablieren, die außerhalb der Belegungszeiten offen sind für die freie Nutzung der Bevölkerung, mit angeschlossener Cafeteria oder anderen Begegnungsangeboten?
Sabine Poschmann: Sportstätten sollten mehr sein als nur Orte zum Trainieren. Sie sollten Treffpunkte für die Gemeinschaft und das soziale Miteinander sein. Die Multifunktionalität von Sporthallen wäre daher ein Schritt in diese Richtung. Allerdings entscheiden in diesen Fällen die Kommunen über die konkrete Nutzung. Schulsporthallen können auch im Rahmen des Bundesprogramms SKS gefördert werden, wenn sie auch außerhalb der Schulzeiten für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Also beispielweise dann, wenn ein lokaler Handballverein die Halle zu Trainingszwecken am Nachmittag nutzen würde.
Inwieweit könnte die von der Bundesregierung beschlossene Sportstätten-Förderung zu einem Kulturwandel bezüglich Hallen und Sportstätten beitragen?
Sabine Poschmann: Ein Kulturwandel beginnt bei der Qualität. Moderne Hallen schaffen eine Atmosphäre, in der sich Menschen wohlfühlen und gerne Sport treiben. Gute Architektur, viel Tageslicht, durchdachte Raumkonzepte und gute Materialien machen einen Unterschied. Gerade bei Ersatzneubauten können wir heute anders denken als früher: multifunktional, flexibel nutzbar und mit einer größeren architektonischen Vielfalt. Sporthallen können Begegnungsorte sein, die Sport, Gesundheitsvorsorge und Gemeinschaft zusammenbringen. Unsere Förderung trägt dazu bei, Sportstätten neu zu denken: nicht nur als reine Zweckbauten, sondern als gut gestaltete Orte, die das Miteinander stärken und in denen Sport noch mehr Spaß macht.