Leitantrag, Safe Sport Code, Verbandsmanagementsoftware
Darüber stimmen die Delegierten auf dem Bundestag in Dresden ab
Am 16. November stimmen auf dem Bundestag des Deutschen Handballbundes in Dresden die Delegierten unter anderem über drei Anträge des DHB-Präsidiums ab. Es geht um den Safe Sport Code, eine einheitliche Verbandsmanagementsoftware und einen Leitantrag. Was bedeutet das genau? Wir blicken auf die Anträge im Detail.
Beim DHB-Bundestag liegt klassischerweise ein großes Augenmerk auf den Wahlen des Präsidiums, denn hier werden die Personen gewählt, welche die kommenden vier Jahre ganz entscheidend die Geschicke des deutschen Handballs prägen. Dennoch lohnt sich auch ein Blick auf die Anträge, über die abgestimmt wird.
Das DHB-Präsidium hat im Vorfeld des Bundestags einen Leitantrag ausgearbeitet. Allgemein gesagt geht es um die Konkretisierung und Aktualisierung der Perspektive 2030, die beim vergangenen Bundestag 2021 definiert wurde. In den zentralen Handlungsfeldern Gewinnung und Bindung von Fans und Aufmerksamkeit, sportlicher Erfolg im Leistungssport sowie Gewinnung und Bindung von Spielerinnen und Spielern sowie Ehrenamtlichen werden weiterhin klare Ziele und Maßnahmen definiert. Für sportlichen Erfolg setzt das DHB-Präsidium das Ziel, den Frauenhandball zunehmend zu professionalisieren und der Beachhandball soll weiterentwickelt werden, um olympisch zu werden. Die Nachwuchsförderung soll die Grundlage dafür bilden, dass in allen vier Disziplinen (Frauen und Männer in Halle und Beach) die Nationalteams zur Weltspitze gehören.
Für den Bereich der Mitgliederentwicklung formuliert der Leitantrag als Ziel, dass bis 2030 ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland Mitglied in einem Handballverein sein soll. Dafür sollen die Rahmenbedingungen für Ehrenamt Anreize schaffen, neue Spielformen entwickelt und die Landesverbände weiterentwickelt werden. Um die Handballfamilie und die Fans der Nationalteams zu binden, wird als Ziel ein enger und zeitgemäßer Dialog formuliert. Dafür müssen digitale Plattformen ausgebaut werden, Länderspiele und Turniere sollen Erlebnisse werden, die die Fans begeistern.
All diese Ziele sollen vor dem Hintergrund der Teilhabe aller Menschen erreicht werden. Geschlecht, sexuelle Orientierung, Identität und Altersklasse spielen dabei keine Rolle. Auch Nachhaltigkeit und die gesellschaftliche Rolle des Handballs sollen auf dem Weg zu den gesteckten Zielen berücksichtigt werden.
Die gesellschaftliche Rolle führt zum zweiten Antrag des DHB-Präsidiums: Den vom Deutschen Olympischen Sportbund zur Verfügung gestellten Safe Sport Code als Muster-Regelwerk gegen interpersonale Gewalt schrittweise einzuführen. Damit will der DHB hinsichtlich umfassenden Schutzes vor interpersonaler Gewalt im Sport den nächsten Schritt gehen: Eine rechtssichere Untersuchungs- und Sanktionsgrundlage für die Durchführung von Disziplinarverfahren bei Verstößen gegen das in der DHB Safe Sport Code Ordnung verankerte Verbot interpersonaler Gewalt.
Stimmen die Delegierten dem Antrag zu, verpflichten sich die Landesverbände, den vom DOSB zur Verfügung gestellten Safe Sport Code bis Ende 2030 in ihren Mitgliederversammlungen, in der Regel den Verbandstagen, zur Abstimmung zu bringen. Mitglieder der Organe und Gremien, Lizenzinhaberinnen und Lizenzinhaber und andere Personen, die im jeweiligen Wirkungsbereich tätig sind, sind dann an den Safe Sport Code gebunden.
Der dritte Antrag will für Handball-Deutschland einen großen Digitalisierungssprung ermöglichen: Es wird über die Einführung eines einheitlichen Verbandsmanagementsystems, das den Arbeitstitel Handball360 trägt, abgestimmt. Seit rund eineinhalb Jahren planen verschiedene Arbeitsgruppen auf Initiative der Landesverbände an einer Verbandsmanagementsoftware für ganz Handball-Deutschland.
Denn der Ist-Zustand ist für sehr viele Handballer unbefriedigend: Drei Spielverwaltungssysteme parallel, geringe Nutzerfreundlichkeit, teure und fehleranfällige Synchronisation der Daten, kaum Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Deswegen hat der Bundesrat im Oktober 2024 beschlossen: Es soll ein einheitliches IT-System geben Seitdem wurde intensiv an der Umsetzung gearbeitet. Der Lenkungsausschuss, der sich wie die Arbeitsgruppen aus Vertretern von DHB und Landesverbänden zusammensetzt, schlägt das System iSquad der spanischen Firma toools vor. Darüber stimmen die Delegierten beim Bundestag in Dresden ab.
Wenn der Antrag angenommen wird, bekommt Handball-Deutschland ein einheitliches Tool für die Vereinsverwaltung, das Spielbetriebsmanagement, für alle Ergebnisse und Statistiken – und zwar über alle Landesverbände und den DHB hinweg. Ein einheitliches System hat viele Vorteile wie effizientere Abläufe, bessere Datenqualität, reibungslose Spielerwechsel auch über Landesverbandsgrenzen, keine Passdoubletten, Kosten- und Zeitersparnis für die Geschäftsstellen und Spielleiter, einheitliche Kommunikation, höhere Nutzerfreundlichkeit hinsichtlich Tabellen, Ergebnissen, Statistiken und Spielplänen sowie bessere Weiterentwicklungsmöglichkeiten, weil alle Handball-Institutionen in ein System investieren. Es entsteht dann eine App, über die Spieler, Trainer, Funktionäre, Spielleiter oder Schiedsrichter ihre Angelegenheiten effizient und unkompliziert selbst regeln können.
Nicht umsonst verspricht sich Karsten Küter, Präsident des Handball-Verbands Sachsen und Teil des Lenkungsausschusses „nicht nur ein technisches Upgrade für alle, sondern eine kulturelle Veränderung und ein klares Bekenntnis, sich gemeinsam auf das Wesentliche im Sinne der Mitglieder zu konzentrieren und sich nicht gegenseitig zu behindern“. Der föderale Flickenteppich soll einer digitalen Einheit weichen. Und langfristig „wird Handball-Deutschland Geld und Zeit sparen“, erklärt Dr. Lange, Präsident des Hamburger Handball-Verbands. Teil des Präsidiumsantrags ist auch, dass der DHB sämtliche Implementierungskosten in Höhe von 400.000 Euro zur Einführung des Systems übernimmt – und zusichert, dass die Gesamtkosten für die Landesverbände in den ersten drei Jahren nicht steigen.
Wenn die Delegierten des Bundestags für eine finale Umsetzung votieren, wird die Software schrittweise eingeführt. Dabei geht es um Daten-Migration, Testungen, Fehlerbehebungen, Schulungen und Support. Gerade zu Beginn werden die Mitglieder durch eine Hypercare-Phase intensiv begleitet. Mit einem einheitlichen System sollen Handballer zukünftig in ganz Deutschland alle digitalen Prozesse und Informationen an einem Ort finden. Es wäre ein entscheidender Schritt hin zu einem einheitlichen, digitalen Handball-Deutschland.