Ein älterer Mann in einem blauen Trikot der in einer Handballhalle steht.
Spiel Abschied der Helden - Handball Olympiasieger 1980 vs. Prominentenauswahl in Nordhausen (Foto: IMAGO / Christian Schroedter)

Was Olympiasieger Höft am 3. April jubeln lässt

31.03.2026 | Verband

 

Linksaußen der legendären DDR-Auswahl vollendet 70. Lebensjahr 

Sein Geburtsdatum ist ganz einfach zu merken: 3.4.56 … und jetzt kommt noch die 7 hinzu! Handball-Olympiasieger Rainer Höft vollendet am Karfreitag, 3. April 2026, sein 70. Lebensjahr. Der Jubilar gehörte 1980 im Moskauer Sokolniki-Palast zum Team des Deutschen Handball-Verbandes (DHV) der DDR, das sensationell im Finale gegen die favorisierten Gastgeber aus der Sowjetunion mit 23:22 (20:20, 10:10) nach Verlängerung gewann und damit für das erste und bisher einzige Olympia-Gold einer deutschen Mannschaft im Hallenhandball sorgte. 

Rainer Höft wuchs in Berlin-Treptow auf und spielte zuerst im ASK Vorwärts Berlin, wo sein Vater damals als Schiedsrichter aktiv war. Ab 1969 wurde SC Dynamo Berlin sein Stammverein mit der traditionsreichen Sporthalle im Sportforum Hohenschönhausen, dem heutigen Berliner Olympiastützpunkt: „Das war mein Handball-Wohnzimmer. Hier haben wir später auch eine Wiedersehens-Begegnung zwischen westdeutschen Weltmeistern und ostdeutschen Olympiasiegern ausgetragen. Das Spiel ging übrigens Unentschieden aus“, erinnert sich Höft, der nach dem Abitur an der Kinder- und Jugendsportschule Werner Seelenbinder ein Studium zum Diplom-Sportlehrer an der DHfK Leipzig absolvierte. In seiner Abschlussarbeit ging es natürlich um Handball – hier speziell um Faktoren der Talententwicklung. 

Eine Handballmannschaft die zusammen für ein Foto im Tor steht.
Handball Herren Traditionsspiel 1995, Weltmeister 1978 BR Deutschland (DHB) - Olympiasieger DDR (DHV) 1980 Totale Sportforum Hohenschönhausen Berlin Harmonie (Foto: IMAGO)

Rainer Höft trug zwischen1974 und 1982 insgesamt 96-mal das Trikot des DHV der DDR und erzielte dabei 169 Tore – vorzugsweise von seiner angestammten Position Linksaußen. Direkt nach der Rückkehr von der Weltmeisterschaft 1982 in der Bundesrepublik musste er seine Karriere in der DDR-Nationalmannschaft und beim SC Dynamo Berlin jedoch jäh beenden: „Ich wurde vom Leistungssportauftrag entbunden, wie es damals im DDR-deutsch hieß, und weiß bis heute nicht, warum“, blickt Rainer Höft fragend auf sein abruptes Karriereende vor über 40 Jahren zurück: „Auch in meiner Stasi-Akte habe ich nichts darüber gefunden“. Aber seine größten Erfolge im Handball kann ihm niemand nehmen: 

Rainer Höft war schon 1978 bei der Weltmeisterschaft in Dänemark für den DHV der DDR dabei und belegte hier Platz drei nach dem 19:15-Sieg gegen Gastgeber Dänemark. Zuvor hatte es ein 14:14-Unentschieden gegen das Team des Deutschen Handballbundes (DHB) gegeben, das sensationell die Sowjetunion mit 19:18 im Finale besiegte. Für den Olympiasieg 1980 in Moskau wurde Rainer Höft mit der gesamten Mannschaft mit dem Vaterländischen Verdienstorden der DDR in Silber ausgezeichnet. 2005 gab es 25 Jahre nach Moskau im Berliner Hotel Estrel auf Einladung des Nationalen Olympischen Komitees (NOK, heute Deutscher Olympischer Sportbund) ein großes Wiedersehenstreffen.

Ein schwarz-weiß-Foto der DDR-Handballnationalmannschaft der Männer, in einer Handballarena.
Foto: IMAGO / Pressefoto Baumann

Beruflich und sportlich zog es Rainer Höft nach der Wende nach Norddeutschland in den Raum Bremen: Er spielte für den VTB Altjührden in der 2. Bundesliga und absolvierte eine Ausbildung zum Steuerfachgehilfen. Diesem Beruf ist er bis heute treu geblieben – inzwischen als Leiter eines Steuerbüros in Berlin zusammen mit Ehefrau Birgit. Auch mit 70 Jahren ist hier noch lange nicht Schluss – schließlich gehört dazu eine Kooperation mit der Leipziger Agentur Inteamsport, die u.a. Handballaktive wie Silvio Heinevetter und Viola Leuchter betreut und für die die 126-malige Ex-Handball-Nationalspielerin Nikola Pietzsch als Juristin tätig ist. 

Seinen runden Geburtstag verbringt Rainer Höft mit der Familie „außer Landes“. Eine Feier mit Freunden und Bekannten soll später in Berlin folgen: „Rainer kam früh als 18-jähriger talentierter Nachwuchsspieler zur Nationalmannschaft und überraschte mit seiner unkonventionellen Spielweise so manchen Gegner. Außerhalb des Spielfelds sorgte er immer für gute Stimmung. Unvergessen sind seine Parodien von damals bekannten westdeutschen Komikern wie Jürgen von Manger. Ich gratuliere Rainer sehr herzlich zum 70. und wünsche ihm viele weitere gesunde und schöne Lebensjahre“, sagt Klaus Langhoff (Rostock), 1980 in Moskau zusammen mit Paul Tiedemann (1935-2014) Trainer der Olympia-Auswahl und selbst unter anderem1963 Feldhandball-Weltmeister sowie nach der Wende über zwei Jahrzehnte bis 2005 verantwortlicher DHB-Nachwuchstrainer. 

Prof. Dr. Detlef Kuhlmann