Viola Leuchter Pressekonferenz
Foto: Laurin Melms

Nachwuchs-Welthandballerin schwärmt vom Heimatverein

11.03.2026 | Frauen

Viola Leuchter ist begeistert vom Aufschwung des Frauenhandballs

Silber bei der Heim-WM in Deutschland, zur besten Nachwuchsspielerin der Welt gewählt, Champions League mit Odense. Man könnte meinen, bei Viola Leuchter dreht sich gedanklich alles um die Beletage des Welthandballs. Doch beim DHB-Medientermin gerät die 21-Jähjrige vor allem bei einem Thema ins Schwärmen: Nämlich als es um ihren Heimatverein geht. Über den HC Weiden, über die Nähe zur Basis und über den Eindruck, den der Frauenhandball inzwischen auch in den Vereinen hinterlässt. 
 
„Ich habe auch mit meinem Heimatverein, dem HC Weiden, immer sehr engen Kontakt“, sagte Leuchter beim Medientermin vor den Länderspielen der DHB-Frauen gegen Slowenien. „Und das ist natürlich am Ende genau das, wofür wir das Ganze machen. Dass man Jungs und Mädels zum Handball bringt. Das ist ja schon sehr viel wert und freut uns natürlich extrem, dass wir da so einen Eindruck hinterlassen konnten.“ 
 

Das dominierende Gefühl ist: Der Frauen-Handball ist deutschlandweit im Aufschwung. Getragen vom sportlichen Erfolg bei der Heim-WM 2025 und der Bewegung “Hands up for more”. Konkret spür wird dieser Eindruck, wenn man in die Vereine schaut, beispielsweise eben in den Heimatklub von Viola Leuchter. 
In Weiden wächst der Mädchenhandball seit einiger Zeit deutlich und für den Verein ist klar, dass mehrere Dinge zusammenkommen: gute Nachwuchsarbeit, ein handballbegeistertes Umfeld, Kooperationen mit Schulen und die zusätzliche Sichtbarkeit, die der Frauenhandball zuletzt gewonnen hat. 
 
„Man hat gespürt, dass diese WM etwas verändert hat“ 
Dass sich in der Wahrnehmung etwas verschoben hat, beschreibt auch Viola Leuchter. „Es sind einfach viele Leute auf einen zugekommen danach“, sagte sie mit Blick auf die Heim-WM. „Man hat eben wirklich gespürt, dass diese WM schon auch was verändert hat in der Wahrnehmung, einfach weil es mehr Leute verfolgen konnten natürlich dadurch, dass es auch übertragen worden ist.“ 
 
Für Leuchter ist genau das ein entscheidender Punkt. „Dass die K.o.-Spiele übertragen wurden, hat extrem geholfen“, sagte sie. Mehr Präsenz, mehr Reichweite und mehr Sichtbarkeit sorgen dafür, dass der Frauenhandball für viele Mädchen näher und greifbarer wird als noch vor einigen Jahren. 
 
Beim HC Weiden ist genau dieser Effekt an der Basis angekommen. Jörg Stettner ordnet die Entwicklung allerdings bewusst sachlich ein. Von einem einzelnen Auslöser will er nicht sprechen, vielmehr von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. „Wir machen schon eine ganz gute Jugendarbeit bei uns hier im Handballdorf“, sagt er. „Wir haben seit Jahren eine gute Kombination aus sehr guten Trainern, aus einer gewissen Verrücktheit im Dorf nach Handball und dadurch einen Sog erzeugt, der jetzt natürlich durch die zusätzliche Sichtbarkeit noch mal einen Push bekommen hat.“ 
 
Spürbarer Zulauf im Mädchenbereich 
Dieser Push lässt sich auch in Zahlen ablesen. „In den letzten Wochen und Monaten waren es zehn, die neu dazugekommen sind“, sagt Stettner. Besonders im jüngeren Altersbereich sei die Nachfrage groß. „Wir haben im unteren Bereich Wartelisten, weil wir gar keine Aufnahmekapazität mehr haben. Bei den Minis und Superminis läuft es wirklich toll.“ 
 
Auch der Blick auf die Jugend-Mannschaften zeigt, wie breit der Mädchenbereich beim HC Weiden inzwischen aufgestellt ist. „Wir haben allein in der weiblichen D-Jugend 30 Kinder und in der weiblichen C-Jugend 25“, erklärt Stettner. „Weibliche E sind 21, nur bei den Mädchen. Das ist schon eine Hausnummer, da sind wir sehr stolz drauf.“ 
Im Nachwuchs an der Basis wird der Aufschwung im Frauen-Handball greifbar. Es 
melden sich einfach mehr Mädchen in den Vereinen an. 
 
Ein Vorbild aus dem eigenen Verein 
Eine besondere Rolle spielen dabei Vorbilder wie Viola Leuchter. Wenn eine Nationalspielerin aus dem eigenen Verein kommt, ist das für Kinder und Jugendliche etwas anderes, als eine Spielerin nur aus dem Fernsehen zu kennen.  
 
Genau das ist beim HC Weiden zu spüren. Die Verbindung zu Nationalspielerin Leuchter steht noch immer. „Das ist eine enge Freundschaft“, sagt Stettner. Leuchter war nach der WM auch wieder persönlich in der Halle. „Da war natürlich der Bär los“, erzählt Stettner. 
 
Für die Kinder sei das ein besonderer Moment gewesen. „Wenn man so ein Zugpferd vorne hat und sie kommt auch noch aus dem Dorf, dann ist das mega“, sagt Stettner. „Weil Viola auch anfassbar ist. Sie hat sich mit allen Kindern ablichten lassen, und das war schon toll.“ 
 
Auch kleine Gesten bleiben dabei hängen. „Viola hat Trainingsklamotten, die sie nicht mehr benötigt, für unsere Handball-Mädels bereitgestellt“, berichtet Stettner. „Das war Wahnsinn. Die Kinder hatten ein Strahlen in den Augen.“

Aufmerksamkeit allein reicht nicht 
Trotz aller WM-Euphorie, Stettner will den Effekt der gestiegenen Sichtbarkeit zwar nicht klein reden, aber auch nicht überhöhen. „Wenn du nicht an der Basis arbeitest und da meine ich gutes Training und Zusammenarbeit mit Kindergärten und Schulen, dann wird es schwer“, sagt er. 
 
Genau darin sieht er einen Schlüssel für die Entwicklung in Weiden. „Ich glaube, dass hier bei uns beim HC Weiden die Kombination aus Zusammenarbeit mit den Schulen, guten Voraussetzungen vor Ort und der zusätzlichen Aufmerksamkeit für den Frauenhandball zusammenkommt“, sagt er. „Ein weiterer Baustein ist Viola. Und natürlich auch unsere Leistung, die wir im Verein als Trainer bringen.“ 
 
Dieser Blick ist für die Geschichte des HC Weiden entscheidend. Der Verein profitiert vom Aufschwung im Frauenhandball, aber eben nicht passiv. Die Wirkung entsteht dort, wo Sichtbarkeit auf funktionierende Vereinsarbeit trifft. 
 
Der Aufschwung kommt in den Vereinen an 
Genau darin liegt die Stärke dieser Entwicklung. Der HC Weiden steht beispielhaft für das, was sich im Frauenhandball aktuell an vielen Stellen beobachten lässt: Mehr Sichtbarkeit verändert etwas, aber ihre volle Wirkung entfaltet sie dort, wo Vereine gute Arbeit leisten, Kinder und Jugendliche begleiten und ihnen eine Perspektive bieten. 
 
Dass diese Wirkung im HC Weiden sichtbar wird, ist deshalb mehr als nur eine schöne Randnotiz. Es ist ein Zeichen dafür, dass der Aufschwung im Frauenhandball an der Basis ankommt.