So will der Handball den Hype vor der Heim-WM 2027 nutzen
Bei der Veranstaltung „Auf dem Weg zur Heim-WM 2027 – Wo steht der Handball 20 Jahre nach dem Wintermärchen“ bekräftigt der DHB-Vorstandsvorsitzende Mark Schober, dass sich der Handball in allen Bereichen stark weiterentwickelt. Um den Hype mitzunehmen, müsse nun aber zum Beispiel die Transformation in den Vereinshandball gelingen
Natürlich war es eine andere Zeit, doch der Vergleich drängt sich geradezu auf. 2007 hatte die deutsche Männer-Nationalmannschaft ein extrem vielversprechendes Team zusammen, es stand die Heim-WM an, viel Aufmerksamkeit war auf dem Handball und am Ende reichte es zum großen Wurf: Weltmeister im eigenen Land. Im kommenden Januar jährt sich dieser Erfolg zum zwanzigsten Mal. Wieder hat der DHB eine starke Nationalmannschaft, wieder wird die Weltmeisterschaft im eigenen Land ausgetragen. Der Titel würde die derzeitige Handball-Euphorie weiter anfachen.
Einer der Helden von 2007 sitzt bei der SPOBIS in Hamburg auf der Bühne. Und Pascal Hens sagt: „Damals hat der DHB ein bisschen geschlampt.“ Dann schaut er nach rechts, wo der DHB-Vorstandsvorsitzende Mark Schober sitzt. „Vor 19 Jahren waren wir lange nicht so gut vorbereitet wie heute“, sagt Mark Schober. Das große Ziel ist es, den Hype von EM-Silber im Januar 2026 bis zur Heim-WM zu transportieren. „Die Jungs haben ein gutes Turnier gespielt. Wir müssen jetzt das ganze Jahr nutzen, um die Heim-WM zu bewerben“, fordert Hens.
Die Grundlage dafür könnte nicht besser sein. „Der Handball wächst in vielen KPIs“, erklärt Schober. „Nach jedem Turnier wächst die Anzahl der Mitglieder nachweislich, wir haben auf unseren DHB-Plattformen 130.000 neue Follower, die WM27-Tickets sind sehr gut nachgefragt, wir haben schon 50 Prozent verkauft.“ Das entscheidende Thema: Die Turniere im Januar funktionieren gut – vor allem wenn wie bei der EM 2026 oder der Frauen-WM 2025 im Dezember sportlicher Erfolg hinzukommt. Aber was passiert in den Monaten danach?
„Die Vereine haben sich herausragend entwickelt bei den Zuschauerzahlen oder der Reichweite“, erklärt Robert Müller von Vultejus, CGO von Sportfive. „Es fehlt aber trotzdem noch etwas bei der Übersetzung des Nationalmannschaftserfolgs.“ Mark Schober formuliert es so: „Die Klubs müssen mehr Fans gewinnen.“
Denn dass der Handball hinter dem Fußball die Sportart Nummer eins in Deutschland ist, daran hat auf der SPOBIS-Bühne niemand Zweifel. Das belegen die Fakten. „Wir haben schon länger festgestellt, dass der Handball in der Gesellschaft angekommen ist“, sagt Gernot Bauer, Vice President Sports der Seven.One Entertainment Group. Deswegen hat sich ProSiebenSat.1 die Übertragungsrechte für die Weltmeisterschaften 2027, 2029 und 2031 von Männern und Frauen gesichert. Und zeigt in den nächsten sechs Jahren zusätzlich 60 Länderspiele. „Handball ist auch ohne die Nationalmannschaft schon ein sehr gutes TV-Produkt. Wir wollen die Sichtbarkeit des Turniers auch unabhängig von deutscher Beteiligung erhöhen“, sagt Bauer. „Aber die Nationalmannschaft begeistert einfach.“
Es wird sich einiges tun in der Handball-TV-Landschaft. Die öffentlich-rechtlichen Sender zeigen die Europameisterschaft, ProSiebenSat.1 die Weltmeisterschaften – der Privatsender, der über die Integration von Dyn in der Joyn-App auch den Klubhandball abbildet, wird ein WM-Turnier anders erzählen. „Wir wollen Geschichten anders aufladen, mit neuen Formaten in neue Zielgruppen reinkommen, den Athleten eine Chance geben, Starformat zu erlangen.“ Ein Ansatz dafür: mehr Einbindung der Nationalspieler in Entertainmentformaten.
Das soll sich natürlich auch auf die Vermarktungsmöglichkeiten positiv auswirken. „Wir hatten über 20 Jahre eine tolle Partnerschaft mit ARD und ZDF“, sagt Robert Müller von Vultejus. „Aber wir haben das Gefühl, dass der Handball noch unterbewertet ist.“ Vor allem die Abbildung des Frauen-Handballs sei nicht immer leicht gewesen. Jetzt werden auch alle Spiele der Frauen-Weltmeisterschaften gezeigt, Dyn sei ein herausragender Partner, der neben allen Partien der HBL und den Großturnieren auch die Zweite Liga, die U-Nationalmannschaften und den Beachhandball zeige. „Die Programmfläche wird größer, das verdient der Handball“, sagt Robert Müller von Vultejus. „Es ist so viel Handball verfügbar wie noch nie, dadurch ergeben sich so viele Vermarktungschancen wie noch nie“, sagt Gernot Bauer.
Diese Chancen wollen genutzt werden. Zum Beispiel von Spielerinnen und Spielern, die bereit sind, sich zu Marken entwickeln, durch eine Transformation der Turnieraufmerksamkeit zu den Klubmarken, durch mehr Medienpräsenz auf der regionalen Ebene. „Dafür braucht man Zeit, Geld und Bereitschaft“, erklärt Mark Schober. Pascal Hens ergänzt: „Die Nationalspieler müssen tagtäglich Content produzieren, um ununterbrochen stattzufinden.“ Das ist ein entscheidender Unterschied zum Wintermärchen 2007. Damals war Social Media noch kein Thema. Die Heim-WM 2027 wird deutlich anders erzählt werden als die Heim-WM 2007. Sportlich bleiben die Ziele und Wünsche aber gleich. Pascal Hens sagt: „Wir können uns da ruhig mit Selbstvertrauen hinstellen und sagen: Wir wollen Weltmeister werden.“