Mehr Medienpräsenz, stärkere Professionalisierung: Das fordert Althaus für die Entwicklung des Frauen-Handballs
Teammanagerin Anja Althaus zu Gast in Melsungen
Spannender Austausch: Anja Althaus, Managerin der Frauen-Nationalmannschaft des Deutschen Handballbundes, war zu Gast bei der MT Melsungen und Teil der Talkrunde „Melsungen trifft …“. Im kontroversen Diskurs sprachen die Teilnehmenden über den Handball, sein Entwicklungspotenzial und die Aussichten auf Olympia.
Neben Althaus war auch Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga GmbH (HBL) Teil der Gesprächsrunde – ebenso wie Dennis Trautwein von der Beratungs-Agentur Octagon und Finn Lemke, ehemaliger Nationalspieler und Markenbotschafter der gastgebenden MT Melsungen. Vor 50 geladenen Gästen sprach die Runde über den Unterschied zwischen Frauen- und Männer-Handball. „Das sind zwei verschiedene Welten – allein schon, was die Medien betrifft“, erklärte Althaus. Nach dem Gewinn der Vize-Weltmeisterschaft der Frauen im Dezember konnten die Männer jüngst mit dem Halbfinal-Einzug bei der Europameisterschaft auf sich aufmerksam machen. „Wir müssen bei der Frauen-Bundesliga noch viel machen. Die Vereine müssen eine Professionalität reinbekommen, die HBL ist unser Vorbild“, ergänzte Althaus. Und Bohmann fügte an: „Im Frauen-Handball können wir in neue Dimensionen vorstoßen – aber wir müssen das wollen.“
Auch abseits der Platte bietet der deutsche Handball allerlei Entwicklungspotenzial. Hier fand die Managerin der Frauen-Nationalmannschaft auch kritische Worte trotz des großen Erfolgs zum Jahresende: „In den zurückliegenden Wochen nach unserem WM-Silber habe ich an vielen Stellen die fehlende Präsenz in den Medien angesprochen“, erklärte Althaus. „Wir haben bei der WM Heldinnen erschaffen, denen die Kids nacheifern wollen. Aber dafür brauchen wir Hallen und Trainingszeiten, daran hapert es.“
Auch Bohmann sieht Potenzial, die Marke Handball und das Interesse der Sportart – unabhängig vom Geschlecht – weiter auszubauen. „Wir können nicht da stehenbleiben, wo wir gerade sind. Für das Produkt Handball brauchen wir Leistungszentren, aus denen unsere Spieler kommen.“ Mit der Bundesliga als einer der stärksten Ligen der Welt könne man großes Interesse an der Sportart kreieren. „Wir versuchen, den Handball in anderen Märkten zu etablieren. Ab der kommenden Saison wird die HBL auf der ganzen Welt zu sehen sein, außer in China und Australien.“
Im Jahrzehnt des Handballs sind Deutschland und der DHB Ausrichter vieler großer Turniere. Ein weiteres könnte der Sportart weiteren Schub verschaffen: die Olympischen Spiele. „Es wäre super wichtig, Olympia nach Deutschland zu holen. Mithilfe dieses Feelings können wir Kinder für den Handball begeistern“, erklärte Althaus. „Olympische Spiele im eigenen Land sehe ich als riesige Chance für die Infrastruktur“, ergänzte Bohmann. „Solch ein Event würde uns helfen, nicht bloß dem Handball, sondern dem gesamten Sport.“