Um die Herausforderungen des Grundschul-Ganztagsanspruchs zu bewältigen, müssen die Vereine Kooperationen mit Grundschulen oder Kommunen eingehen
Um die Herausforderungen des Grundschul-Ganztagsanspruchs zu bewältigen, müssen die Vereine Kooperationen mit Grundschulen oder Kommunen eingehen. - Foto: Marco Wolf

Grundschul-Ganztagsanspruch: Diese spannenden Erkenntnisse liefert eine Studie aus Bayern

11.02.2026 | Verband

 

Ab dem Schuljahr 2026/27 tritt der bundesweite Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen in Kraft. Während Ganztagsangebote in einigen Regionen bereits fest etabliert sind, stehen Grundschulen und Kommunen andernorts noch vor einer umfassenden Umstellung. Das betrifft nicht nur Schulen und Schulträger, sondern auch den Vereinssport – auf viele Handballvereine kommen große Herausforderungen zu.

Wie sich dieser Wandel konkret gestalten könnte, zeigt ein Blick nach Bayern. Viele Handballvereine nutzen dort schulische Sporthallen, für das Kinder- und Jugendtraining zumeist schon nachmittags. Doch mit dem weiteren Ausbau des schulischen Ganztags könnten sich die bisherigen Zeitstrukturen und Hallenbelegungen spürbar verändern und die Trainingsangebote am Nachmittag geraten zunehmend unter Druck.   

Es gibt auch andere für die Vereinsarbeit zentrale Fragen: Entscheiden sich weniger Kinder für den Handballsport aufgrund von weniger Freizeit nach der Schule? Wird die Akquise von Jugendtrainern schwieriger, weil mehr Eltern ganztags arbeiten werden?  

GAMES-Studie zum Grundschul-Ganztag: Wo der Handball im Schulalltag wirklich steht

Vor diesem Hintergrund hat die Technische Universität München gemeinsam mit dem Bayerischen Handball-Verband die GAMES-Studie („Ganztagsaktivitäten miteinander entwickeln im Sport“) durchgeführt. Ziel der Untersuchung war es, den aktuellen Stand schulischer Aktivitäten zu erfassen und Herausforderungen sowie Chancen aufzuzeigen. Die Beteiligung unterstreicht die Relevanz: 195 bayerische Handballvereine – rund 54,3 Prozent der Mitgliedsvereine im Landesverband – nahmen an der Online-Umfrage teil.  

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die Vereine wissen, dass ein Wandel bevorsteht. Rund 80 Prozent der Klubs rechnet mit spürbaren Veränderungen durch den neuen Rechtsanspruch. In konkreten Umsetzungen schlägt sich dieses Bewusstsein allerdings noch nicht vollständig nieder. Während zwei Drittel der Vereine bereits mit vereinzelten Aktionen wie dem Grundschulaktionstag aktiv sind, spielen Angebote im schulischen Ganztag bislang eine untergeordnete Rolle: Nur 18,3 Prozent der Vereine sind aktuell fest in den offenen oder gebundenen Ganztag aktiv.  

Besonders bei den Trainingsbedingungen zeigt sich der Handlungsbedarf. In den Nachmittagsstunden, in denen traditionell der Großteil des Kinder- und Jugendtrainings stattfindet, sind viele Sporthallen bereits durch schulische Ganztagsangebote belegt. Diese Verknappung der Hallenzeiten zwingt die Vereine dazu, Einheiten zu verschieben oder in einigen Fällen ganz zu streichen. Für die Nachwuchsarbeit ist das eine strukturelle Herausforderung, da eine kontinuierliche Förderung verlässliche Trainingszeiten voraussetzt. 

Hinzu kommt die angespannte Personalsituation. Viele Trainer und ehrenamtliche Betreuer sind berufstätig und stehen tagsüber nicht zur Verfügung. Diese Situation verschärft sich durch den Ganztagsbetrieb zusätzlich, da Lehrkräfte oder pädagogisches Personal oft bis in den späten Nachmittag beruflich in der Schule gebunden sind. Für die Vereine wird es dadurch immer schwieriger, Ehrenamtliche zu gewinnen oder langfristig zu binden. Gerade im Kinder- und Jugendbereich wird es dadurch immer herausfordernder, bestehende Angebote aufrechtzuerhalten oder neue Gruppen aufzubauen.  

Grundschul-Ganztag ab Schuljahr 2026/27: Schule als neuer Lebensmittelpunkt

Auch der Zugang der Kinder zum Verein verändert sich grundlegend. Durch die langen Aufenthaltszeiten wird die Schule immer mehr zum zentralen Lebensmittelpunkt, in dem die Kinder einen Großteil ihres Tages verbringen. Dadurch kommen sie seltener mit dem klassischen Vereinssport in Kontakt. Diese Entwicklung erschwert nicht nur die regelmäßige Teilnahme am Training, sondern bereits den Einstieg in den Handball.   

Dabei liegt das Problem selten am mangelnden Interesse der Kinder. Die Zahlen zur Mitgliedergewinnung zeigen ein deutliches Bild: Nahezu zwei Drittel der bayerischen Handballvereine verfügen grundsätzlich über ausreichende Kapazitäten, um neue Mitglieder aufzunehmen. Dass dies oft nicht gelingt, liegt primär an den Rahmenbedingungen: Fehlende Hallenzeiten und die Personalknappheit im sportpraktischen Bereich sind die zentralen Hindernisse – Faktoren, die sich durch den Ganztag weiter verstärken.  

Es steht also an vielen Orten ein Wandel hinsichtlich der Rahmenbedingungen bevor. Doch darin kann auch eine Chance liegen. Viele Vereine signalisieren Offenheit, die Zusammenarbeit mit Grundschulen zu intensivieren und dafür teilweise sogar professionelle, hauptamtliche Strukturen zu entwickeln. Ein Ergebnis der Studie ist: 84 Prozent aller Vereine wären bereit, hauptamtliches Personal einzustellen. „Das ist eine unglaublich positive Zahl“, sagt Martin Haider, beim Bayerischen Handball-Verband (BHV). 

Der Kernzusammenhang ist klar: Der Ganztag ist bewältigbar, wenn es den Vereinen gelingt, mit Handballangeboten Teil der Ganzbetreuung zu werden, können die Klubs Kinder direkt in ihrem neuen Lebensumfeld erreichen und über Kooperationen neue Fördermittel erschließen. Voraussetzung für den Erfolg sind jedoch verlässliche Partnerschaften und eine enge Abstimmung zwischen Schulen, Kommunen und Vereinen, um den Handball fest im neuen Alltag der Kinder zu verankern. Zentraler Ausgangspunkt aber ist: Um die Vorteile mitzunehmen und die Rahmenbedingungen positiv zu gestalten, müssen die Vereine aktiv werden, auf die Grundschulen oder Kommunen zugehen und sich ins Spiel bringen für eine Integration in den Ganztag. 

Für Vereine, die mit Grundschulen oder Kommunen in Kontakt treten möchten, um sich mit Handballangeboten in die Ganztagsbetreuung einzubringen, bietet der Deutsche Handballbund Hilfestellungen an. Unter diesem Link finden Vereinsverantwortliche Material und Informationen, wie beispielsweise eine Mini-Broschüre, einen Überblick über verschiedene Formen der Ganztagsbetreuung oder einen Gesprächsleitfaden für die Kontaktaufnahme. Darüber hinaus bietet es sich für Handballvereine an, sich an ihre jeweiligen Landesverbände zu wenden und um Unterstützung zu bitten – diese sind noch enger mit den länderspezifischen Regelungen im Kontext Schule verknüpft.