U20-Bundestrainer Christopher Nordmeyer. - Foto: Kenny Beele
U20-Bundestrainer Christopher Nordmeyer. - Foto: Kenny Beele

U20w: Der Europameister stellt sich der nächsten Herausforderung

18.06.2026 | U-Teams

 

Vor der Abreise: Zuversicht bei DHB-Talenten

Noch bis Freitag bereitet sich die deutsche U20-Nationalmannschaft weiblich in Barsinghausen auf die WM vor, dann geht es mit dem Flieger von Frankfurt aus nach Fernost. Der Europameister hat sich auch für das letzte große internationale Turnier im weiblichen Nachwuchsbereich einiges vorgenommen. Eine genau Zielsetzung definierten die Spielerinnen gemeinsam mit Teampsychologin Katja Schülke intern für sich – vom Ergebnis wusste Bundestrainer Christopher Nordmeyer beim digitalen Medientermin am Donnerstag noch nichts. „Das werde ich im Laufe des Tages erfahren“, kündigte er an. „Es ist immer die Mannschaft, die ein Ziel vorgeben sollte, und nicht der Trainer, der sowieso keine Tore werfen kann“, erklärt Nordmeyer und ergänzt: „Man gewinnt nicht allein nur einen Titel, wenn man sagt: ,Wir sind vor einem Jahr Europameister geworden.‘“

In dieser Rolle zählt die DHB-Auswahl in Jinzhong zum potenziellen Kreis der Medaillenkandidaten, aber sie muss sich ihren Erfolg natürlich wieder aufs Neue erarbeiten. Zunächst einmal heißen die drei Gegner in Vorrunden-Gruppe C Brasilien (Mittwoch, 24. Juni, 10.15 Uhr deutsche Zeit), Kanada (Donnerstag, 25. Juni, 10.15 Uhr deutsche Zeit) und Rumänien (Samstag, 27. Juni, 12.30 Uhr deutsche Zeit, alle Partien live auf Dyn), gegen die mit im besten Falle verlustpunktfreiem Konto der Einzug in die Hauptrunde gelingen soll. Hier könnte es zu Spielen gegen den Südkorea und den Dauerrivalen aus Spanien kommen. Gegen die Ibererinnen gewann Deutschland vor einem Jahr das EM-Finale, gegen sie endete aber auch die seit Oktober 2024 anhaltende niederlagenlose Zeit mit einem 29:30 zum Abschluss des Vier-Nationen-Turniers in Hannover vor einer Woche. „Es war wichtig, dass wir in der Vorbereitung gegen richtig gute Mannschaften gespielt haben. Wir haben gezeigt, was wir können, und was wir noch besser machen können“, betonte der Bundestrainer.

Es war nicht unbedingt die Niederlage gegen Spanien, die in Hannover die Stimmung drückte, sondern viel mehr die Handverletzung von Leistungsträgerin Lara Däuble, die bei der WM ausfällt. Das bringt für alle Aufgaben mit sich, wie Nordmeyer ausführt: „Die Frage ist aufgekommen, wie wir Lara ersetzen. Es wäre der falsche Weg, ihre Aufgaben an andere Spielerinnen zu übergeben. Wir müssen die Variabilität im Angriff anheben, die Qualitäten der anderen nach vorn bringen und unsere Struktur anpassen. Damit sind wir für unsere Gegner eine Blackbox.“

Worauf sich der Coach verlassen kann, sind die individuellen Fähigkeiten seiner Spielerinnen und wertvolle Erfahrungen, die einige WM-Teilnehmerinnen im vergangenen Jahr im Verein sammelten - Lara Egeling, Chiara Rohr und Farrelle Njinkeu zum Beispiel, die Deutsche Meisterin mit der HSG Blomberg-Lippe und der „Alsco Rookie des Jahres“ in der HBF. „Ich freue mich, bei meiner ersten Weltmeisterschaft etwas Neues kennenzulernen. Weil das Turnier außerhalb von Europa stattfindet, ist die Vorfreude noch größer“, sagt die 19-jährige Linkshänderin. Nordmeyer: „Ich wünsche mir, dass die Spielerinnen, die in dieser Saison besondere Erfahrungen gesammelt haben, diese auch einbringen. Sie sollen in den entscheidenden Momenten die richtigen Entscheidungen treffen, andere motivieren, wenn es bei ihnen einmal schlecht läuft, und ihre auf hohem Niveau erlangten Erfahrungen auf das ganze Team weitergeben.“

Schon während des Lehrgangs in Barsinghausen tastet sich die Mannschaft langsam an die Zeitverschiebung heran. Durch früheres Schlafengehen und früheres Aufstehen versucht man den Körper auf China einzustellen. Die große Reise ist mit vielen Herausforderungen auf verschiedenen Ebenen verbunden: große Hitze, weite Wege, ungewohnte Ernährung – die anderthalb Wochen in Jinzhong werden ein Abenteuer.