Armin Emrich. - Foto: imago images/Michael Heuberger
Armin Emrich. - Foto: imago images/Michael Heuberger

Mitreißender Motivator und Schlitzohr

15.06.2026 | Verband

 

Armin Emrich, ehemaliger Handball-Bundestrainer der Männer und Frauen, vollendet 75. Lebensjahr

Armin („Emma“) Emrich, eine der erfolgreichsten und vielseitig engagierten Persönlichkeiten des Handballsports, vollendet am Dienstag, 16. Juni 2026, sein 75. Lebensjahr. Der frühere Bundesligaspieler und 27-malige Nationalspieler des Deutschen Handballbundes (DHB) coachte nach der Beendigung seiner aktiven Karriere drei A-Nationalmannschaften in zwei europäischen Ländern.

Emrich war anfangs für die männlichen DHB-Jugend- und Juniorenauswahlen verantwortlich und wurde 1992 als Nachfolger von Horst Bredemeier (GWD Minden) achter DHB-Bundestrainer der Männer. Danach betreute er die Schweizer Nationalmannschaft der Männer, mit der er 1996 an den Olympischen Spielen in Atlanta teilnahm, bevor er von 2005 bis 2008 als 17. Bundestrainer das DHB-Frauenteam von Ekke Hoffmann (Bad Urach) nach dessen dritter Amtszeit übernahm.

Bei der Weltmeisterschaft der Frauen im Dezember 2007 in Frankreich errang „Emma“ mit dem Gewinn der Bronzemedaille seinen größten Erfolg als DHB-Bundestrainer durch einen 36:35-Sieg nach Verlängerung gegen Rumänien; hier unter anderem mit der Leipziger Linkshänderin und DHB-Rekordnationalspielerin Grit Jurack als WM-Torschützinnen-Königin. Im Jahr davor war Emrich mit dem Team bei der Europameisterschaft in Schweden vierter (25:29 gegen Frankreich) geworden; ebenfalls in Schweden 1993 am Anfang seiner Bundestrainerkarriere mit den DHB-Männern belegte er bereits Rang sechs bei der WM (hier unter anderem mit dem heutigen HBF-Präsidenten Andreas Thiel als Mannschaftskapitän im Tor).

Während seiner langjährigen Trainertätigkeit etablierte Armin Emrich den TuS Schutterwald in der Handball-Bundesliga. Zahlreiche Talente aus der Region schafften sogar den Sprung in die Jugend- und Männer-Nationalmannschaft des DHB, darunter der aus Schutterwald stammende Martin Heuberger (62), der selbst später Bundestrainer der Männer wurde und bis heute als erfolgreicher Nachwuchstrainer im DHB tätig ist.

Der im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach geborene Armin Emrich begann seine Handballkarriere als Jugendlicher beim HSV Sobernheim, wechselte danach zum Regionalligisten TuS Neunkirchen, bevor er ab 1972 insgesamt zehn Jahre lang in der Bundesliga spielte – hier zunächst für Frisch Auf Göppingen, später dann bei der TSG Oßweil, wo er 1977 Torschützenkönig der Bundesliga war und 1979 mit dem TuS Hofweier Deutscher Vizemeister wurde. Zu seinen Mitspielern dort gehörten übrigens die beiden späteren DHB-Bundestrainer Simon Schobel (76) und Arno Ehret (72), der Weltmeister von Kopenhagen 1978.

Armin Emrich studierte an der Universität Tübingen die Fächer Sport-, Betriebs- und Volkswirtschaft auf Lehramt und arbeite 43 Jahre im Schuldienst in Baden-Württemberg, zuletzt als Prof. am Staatlichen Seminar für Didaktik & Lehrerbildung und an der Universität Freiburg. Armin Emrich machte sich auch als Fachbuchautor des Handballspiels einen Namen: Sein 1994 erstmals und danach in mehreren Auflagen erschienenes Buch mit dem Titel „Spielend Handball lernen in Schule und Verein“ (Limpert Verlag: Wiesbaden) gilt immer noch als Standardwerk. Ein Credo des Autors Emrich dazu lautet: „Kinder und Schüler üben zu viel und spielen zu wenig!“. Darauf baut das Konzept seiner „Spielschule Handball“ auf – denn: „Spielen lernt man nur im Spiel!“

Während seiner Vakanz als Nationaltrainer brachte sich der Sportpädagoge Emrich ehrenamtlich als Mitglied des damaligen Arbeitskreises für Kinder- und Schulhandball im DHB unter der Leitung von Renate Schubert (Universität Bielefeld) mit seinen Ideen und seinen langjährigen Erfahrungen ein. So ist es fast überflüssig zu erwähnen, dass sich auch seine vier Söhne Christian, Julius, Jakob und Hannes dem Handballsport „innerfamiliär“ bis heute verschrieben haben – sei es als Spieler, Manager oder als Nachwuchsförderer.

Selbstverständlich bleibt Vater Armin „seinem“ Handballsport auch als 75-Jähriger mit großer Leidenschaft und selbst bewegungsaktiv (unter anderem auf dem Rennrad) weiterhin verbunden, ferner als gern gesehener Gast im Liga-Spielbetrieb seiner Heimat-Region vorzugsweise bei seinen Söhnen sowie bei den Spielen der DHB-Nationalmannschaften, aber ebenso als viel gefragter Experte vor und hinter den Kameras und Mikrophonen der Medien. Seinen 75. Geburtstag feiert „Emma“ mit Familie und Freunden an seinem Wohnsitz im beschaulichen Allmannsweier, einem Ortsteil der Gemeinde Schwanau im südbadischen Ortenaukreis. Eine erste Gratulation ist schon eingetroffen:

„Armin war immer unser überragender Spieler, als Dirigent in der Abwehr und im Angriff auf allen Rückraumpositionen: ein mitreißender Spielgestalter und Motivator, manchmal mit einer Portion Schlitzohrigkeit, aber immer fair, respektvoll und zugewandt. Armin ist auch heute noch als Sportsmann ein großes Vorbild für uns alle. Ich gratuliere Armin sehr herzlich zu seinem 75. Geburtstag und wünsche ihm weiterhin Gesundheit und viel Freude für sein Leben in und mit Bewegung“, lautet die Glückwunschadresse von Bernhard Bauer (75), Ehrenpräsident des Handballverbandes Württemberg und früherer DHB-Präsident, der als Torhüter mit Armin Emrich 1975 Deutscher Hochschulmeister mit der Universität Tübingen wurde und danach mit ihm für die TSG Oßweil in der Bundesliga spielte.

Prof. Dr. Detlef Kuhlmann