Julian Köster wurde für sein Engagement als Botschafter für Special Olympics Deutschland mit dem Fair Play Preis des Deutschen Sports ausgezeichnet
Julian Köster wurde für sein Engagement als Botschafter für Special Olympics Deutschland mit dem Fair Play Preis des Deutschen Sports ausgezeichnet

„Der Sport lebt vom Ehrenamt“

15.06.2026 | Verband

Große Ehre für Nationalspieler Julian Köster. Der 26-Jährige wurde im Rahmen des Biebricher Schlossgesprächs für sein Engagement als Botschafter für Special Olympics Deutschland mit dem Fair Play Preis des Deutschen Sports ausgezeichnet. Im Interview mit dem DOSB erklärt der Rückraumspieler vom VfL Gummersbach, was ihm das bedeutet.

 

Julian, herzlichen Glückwunsch zu dieser besonderen Auszeichnung. Welchen Stellenwert hat ein solcher Preis verglichen mit Titeln oder Auszeichnungen, die du im Leistungssport schon gewinnen konntest?

Julian Köster: Natürlich möchte ich als Sportler Titel und Erfolge auf dem Spielfeld feiern. Trotzdem freue ich mich sehr über diese Auszeichnung und bin wirklich stolz darauf. Besonders wichtig ist mir aber, dass sie die Athletinnen und Athleten von Special Olympics Deutschland und Menschen mit geistiger Behinderung noch ein Stück sichtbarer macht. Es kennen noch immer zu wenig Menschen die Organisation und die großartige Arbeit, die dort geleistet wird.

 

Du konntest leider aus privaten Gründen nicht persönlich den Preis entgegennehmen. Wie geht es dir gesundheitlich?

Köster: Mir geht es gesundheitlich zum Glück wieder gut. Nach dem Verletzungsschock im April und der überstandenen Reha konnte ich schon wieder auf der Platte stehen und meine letzten Spiele für den VfL Gummersbach absolvieren (Julian wechselt nach dieser Saison zum THW Kiel, d. Red.). Leider konnte ich nicht persönlich in Biebrich dabei sein, was ich sehr bedauere. Umso mehr freut es mich, dass mein Freund und Special-Olympics-Athlet Thomas Wendt vor Ort ist. Er hat mir schon zugesichert, dass er alles regeln wird. Das gibt mir ein gutes Gefühl.

 

Der Fair Play Preis des Deutschen Sports würdigt in jedem Jahr herausragende Aktionen, die für Mitmenschlichkeit stehen. Welche Szene aus deiner Karriere ist dir in Verbindung mit Fair Play am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben?

Köster: Das Schöne ist, dass sowohl der Handball als auch der Sport bei Special Olympics sehr von Fair Play geprägt sind. Natürlich denke ich, wenn ich „Fair Play Preis“ höre, zuerst an Andi Wolff, der vor zwei Jahren ebenfalls damit ausgezeichnet wurde. Damals hatte er sich bei der WM 2023 in zwei Aktionen dafür eingesetzt, dass gegnerische Spieler nicht zu Unrecht mit Zeitstrafen belegt wurden. Aber eigentlich steht diese Haltung für den Handball insgesamt. Woche für Woche erlebt man solche Gesten – egal ob im Jugendbereich, bei den Amateuren oder im Profisport. Genau das erlebe ich auch bei Special Olympics. Natürlich wollen alle gewinnen und ihr Bestes geben. Aber gleichzeitig stehen Respekt, Miteinander und gegenseitige Unterstützung immer im Vordergrund. Das macht für mich Fair Play aus.

 

Handball gilt als extrem harter, aber trotzdem sehr fairer Sport. Warum gelingt im Handball dieser Spagat anscheinend besser als anderswo?

Köster: Weil diese Werte von Anfang an vorgelebt werden. Es spielt keine Rolle, ob man mit Freunden in der Halle steht oder ein Champions-League-Finale spielt. Respekt vor dem Gegner und den Schiedsrichtern gehören im Handball einfach dazu. Dass das so ist, ist leider nicht selbstverständlich. Schön wäre es natürlich, wenn das in allen Sportarten und auch im Alltag gelebt werden würde.

 

Den Sonderpreis erhältst du für dein langjähriges Engagement für Special Olympics Deutschland. Wie kam es dazu, dass du dich für diese tolle Organisation einsetzt?

Köster: Begonnen hat alles mit einem Fotoshooting für die Landesspiele 2024 von Special Olympics NRW in Münster. Kurz zuvor hatte ich die Special Olympics World Games 2023 in Berlin verfolgt. Darüber wurde damals sehr viel berichtet. Ehrlicherweise muss ich aber sagen, dass ich vorher kaum Berührungspunkte mit Special Olympics hatte. Die Bilder und Geschichten haben mich beeindruckt. Kurz darauf wurde ich zu einer Veranstaltung eingeladen. Damals hat es terminlich leider nicht gepasst, aber nach den Gesprächen mit Verantwortlichen von Special Olympics war für mich klar, dass ich das unbedingt selbst erleben möchte. Bei den Landesspielen in Münster war ich dann einen Tag vor Ort und sofort begeistert – von der Atmosphäre, den Emotionen und Leistungen der Athletinnen und Athleten und der Freude, die überall zu spüren war. Dort habe ich auch mein erstes inklusives Handballtraining geleitet. Ich war vorher ehrlich gesagt nervös, weil ich nicht wusste, was mich erwartet. Aber die Sportlerinnen und Sportler haben mich direkt aufgenommen, als würde ich schon lange dazugehören. Dieses Gefühl hat mich nachhaltig beeindruckt. Seitdem freue ich mich über jedes Special-Olympics-Event, bei dem ich dabei sein darf.

 

Was umfasst dein Engagement alles?

Köster: Für mich ist das Schönste der direkte Kontakt zu den Athletinnen und Athleten. Genau das macht es so besonders und steht für mich immer im Vordergrund. Seit den Landesspielen in Münster haben wir bereits mehrere inklusive Trainingseinheiten umgesetzt – in Münster, zweimal in Köln und auch beim VfL Gummersbach. Ein ganz besonderer Moment war das inklusive Training im Rahmen unserer Saisoneröffnung vor den eigenen Fans. Ich weiß aus vielen Gesprächen, wie sehr sich die Athletinnen und Athleten mehr Aufmerksamkeit und Zuschauer wünschen. Bei den Landesspielen waren oft vor allem Angehörige und Betreuer vor Ort. Umso schöner war es, dass in Gummersbach rund 600 Fans in die Halle gekommen sind. Überall hat man strahlende Gesichter gesehen. Auch unsere Mannschaft und der gesamte Verein waren begeistert. ch habe vorher schon viel von Special Olympics erzählt, aber man muss es selbst erleben. Die Athletinnen und Athleten sind die besten Botschafter für sich selbst. Ihre Freude, ihre Offenheit und ihre Begeisterung für den Sport sind ansteckend.

 

Was nimmst du daraus für deinen Alltag als Leistungssportler mit und was für deine persönliche Weiterentwicklung?

Köster: Im Profisport dreht sich fast alles um Ergebnisse, Siege und Erfolge. Bei Special Olympics stehen oft Werte im Mittelpunkt, die im Leistungssport manchmal zu kurz kommen: Entwicklungen, Zusammenhalt und die pure Freude am Sport. Die Zeit mit den Athletinnen und Athleten gibt mir unglaublich viel Energie und Motivation. Sie erinnert mich daran, warum ich selbst einmal mit dem Sport angefangen habe. Im Laufe einer Karriere gehen manche Dinge verloren oder werden als selbstverständlich angesehen. Deshalb kann ich wirklich jedem empfehlen, einmal ein Special-Olympics-Event zu besuchen. Man nimmt so viel Positives mit und bekommt einen neuen Blick auf das, was Sport auch bedeuten kann.

 

Das Thema Ehrenamt im Sport ist aktuell in aller Munde. Warum kannst du anderen Menschen empfehlen, sich ehrenamtlich im Sport einzubringen?

Köster: Der Sport lebt vom Ehrenamt. Ganz deutlich gesagt: Ohne den Einsatz von Ehrenamtlichen wäre kein Profisportler in Deutschland dort, wo er heute ist. Ich habe das in meiner gesamten Laufbahn erlebt. Ohne ehrenamtliche Trainerinnen und Trainer hätte als Kind kein Training stattgefunden. Und auch heute wäre ohne Ehrenamt kein Spiel in der Schwalbe Arena möglich. Es gäbe auch keine Landesspiele, keine Special-Olympics-Wettbewerbe oder viele andere Organisationen und Angebote. Oftmals scheitert es vielleicht daran, den ersten Schritt zu machen. Das ist ja so oft im Leben das große Hindernis – auch beim Thema Inklusion. Und eben auch beim Thema Ehrenamt. Wenn man dann aber einmal bei einem Event geholfen hat, ein Teil davon war und am Ende weiß, was man durch sein Engagement bewirkt hat, dann ist man immer wieder dabei. Man bekommt so viel zurück, egal in welchen Bereichen. Von daher kann ich es wirklich nur jedem ans Herz legen, sich ehrenamtlich zu engagieren.

 

Welche Art von Engagement kannst du dir für dich in deiner weiteren Karriere oder danach vorstellen?

Köster: An die Zeit nach meiner Karriere denke ich ehrlich gesagt noch nicht. Ich habe sportlich noch viele Ziele und möchte alles dafür tun, sie zu erreichen. Grundsätzlich möchte ich aber nichts ausschließen. Ich bin sehr dankbar, mich für Special Olympics engagieren zu dürfen. Dass ich bei Veranstaltungen dabei sein, Menschen kennenlernen, den Athletinnen und Athleten und Menschen mit geistiger Behinderung mehr Sichtbarkeit verschaffen und dadurch etwas bewegen kann, ist ein großes Privileg.

 

Wenn du einem Kind die Bedeutung von Fair Play in wenigen Sätzen erklären solltest, wie würdest du das versuchen?

Köster: Sei ehrlich, freundlich und respektvoll zu anderen. Halte dich an die Regeln und unterstütze deine Mitspieler und Gegner. Und ganz wichtig: Sorge dafür, dass alle mitmachen können. Niemand sollte ausgeschlossen werden.

Quelle: DOSB