Zwei Heimspiele für Viola Leuchter
Golden League in Odense mit Partien gegen Dänemark und die Niederlande
Wenn die deutsche Frauennationalmannschaft am Wochenende beim Golden League-Turnier im dänischen Odense aufläuft, geht es bei Viola Leuchter zwar vorrangig ums Torewerfen und Einspielen für die bevorstehende EHF EURO, aber die Rückraumspielerin will auch eine zweite Rolle ausfüllen: ein bisschen Stadtführerin zu sein. Seit Sommer 2025 spielt die gebürtige Aachenerin bei Odense Handbold, nachdem sie zuvor bei der HB Ludwigsburg war. In ihrer ersten Saison gewann sie gleich den dänischen Pokal, zog (wie zuvor mit Ludwigsburg) ins Viertelfinale der Champions League ein und wurde dänische Vizemeisterin hinter Team Esbjerg, dem Klub von Nationaltorhüterin Katharina Filter.
Am Wochenende hat Viola Leuchter nun zwei Quasi-Heimspiele, denn die Golden League wird nicht in der Heimhalle ihres Klubs, sondern der SFJ Bank Arena ausgetragen. Am Samstag, 24. Oktober, trifft Deutschland auf Gastgeber Dänemark (Anwurf: 16 Uhr), es folgt am Sonntag, 25. Oktober, das Nachbarschaftsduell gegen die Niederlande (Anwurf: 13.30 Uhr). Beide Partien werden live im Free-TV auf ProSieben MAXX sowie bei Dyn übertragen.
Im Verein hat sich seit dem Saisonstart allerdings eine entscheidende Personalie für Leuchter geändert: nach mehreren Niederlagen in der Liga und der Champions League wurde Vestergaard entlassen, sein bisheriger Co-Trainer Mark Strandgaard hat übernommen. Für die Linkshänderin ist der Tapetenwechsel vom Klub zur Nationalmannschaft, die sich seit Montag in Altenholz bei Kiel auf die Golden League vorbereitet, dennoch kein großes Thema: „Ich komme immer gerne zur Nationalmannschaft, unabhängig von der Situation im Verein, denn auch in unserem Klub verstehen wir uns supergut. Ein Szenenwechsel tut aber generell ganz gut, denn so oft sieht man sich nicht mit der Nationalmannschaft, daher freue ich mich auf diese Konstellation“, sagte die aktuelle U23-Welthandballerin beim digitalen DHB-Medientermin am Dienstag.
Am Donnerstag reist der DHB-Tross von Altenholz in Leuchters neue Heimat: „Dort zu spielen ist natürlich etwas Besonderes für mich, wie jedes Spiel mit der Nationalmannschaft. Ich hoffe, ich kann dem Team Odense ein bisschen näherbringen, auch wenn wir nicht in der Innenstadt untergebracht sind.
Vor vier Wochen gab es in den ersten Tests der neuen Saison einen 31:29-Sieg und eine 30:35-Niederlage in Spanien – nach fünfmonatiger Länderspielpause. Unter anderem muss Bundestrainer Markus Gaugisch einen neuen Innenblock für die EM einspielen, nachdem Xenia Smits (Babypause) und Aimee von Pereira (Karriere-Ende) nicht zur Verfügung stehen. „Beide fehlen uns natürlich, aber wir werden diese Aufgaben auf viele Schultern verteilen. Wir haben Emily Vogel oder Nieke Kühne, die beide einen Superjob machen. Wir werden das als Team schultern. Unser Ziel ist, alles bis zur EM einzuspielen.“
Auch Nationalmannschaftsmanagerin Anja Althaus sieht der Situation positiv entgegen: „Wir haben viele Optionen. Wir hatten vor der erfolgreichen WM 2025 das Puzzle optimal zusammengesetzt, jetzt kommen neue Puzzleteile dazu, wie Ida Petzold, die bei ihrem Debüt in Spanien einen Supereindruck hat, oder Marie Steffen, die nach ihrem Wechsel nach Rumänien mit neuer Energie aufläuft. In einer Mannschaftssportart ist es unsere Aufgabe, Lösungen zu finden.“
Als Team wurden in Altenholz auch die Spanien-Spiele aufgearbeitet – erfolgreich, wie Viola Leuchter meint: „Wir haben viel darüber gesprochen, das zweite Spiel war ein kleiner Weckruf. Man hat gesehen, dass man in jedes Spiel reingehen muss mit allem, was man hat. Und das hat da nicht zu 100 Prozent gestimmt. Wir müssen wieder in unseren Modus kommen, aber ich bin positiv gestimmt, dass wir das schaffen werden.“
Die Däninnen, die zuletzt das EURO-Cup-Finale gegen die Überfliegerinnen aus Norwegen gewonnen hatte, sieht Leuchter, die auf einige Mannschaftskameradinnen trifft, als sehr gefestigtes Team: „Sie entwickeln sich stetig weiter. Dänemark hat auf jeder Position extrem variable Spielerinnen mit unfassbarer Physis. Da wird es schwer, drüber zu werfen, aber wir haben das Selbstvertrauen, dass wir auch gegen Teams wie Dänemark mithalten können.“
Vielleicht ein gutes Omen für die Golden League: gegen beide Gegner gab es im Vorfeld der mit Silber gekrönten Heim-WM 2025 Testspielsiege: In Aabenraa (Dänemark) siegte Deutschland im April 2025 mit 29:26. Auch gegen die Niederlande gewann die DHB-Auswahl im September 2025 mit 27:22 in Krefeld. Aber: gegen beide Gegner hatte es jeweils zuvor auch eine Niederlage gegeben.
„Es ist extrem wichtig, zweimal gefordert zu werden. Niederlande und Dänemark sind zwei Kracher, perfekt zur EM-Vorbereitung. Die Spiele in Spanien waren aufschlussreich, auch wenn wir die zweite Partie verloren haben, haben wir gezeigt, dass wir unter den Top-Mannschaften angekommen sind“, sagt Althaus, die nach dem Doppelpack in ihrer früheren Heimat Dänemark wieder als Organisatorin gefordert sein wird: für die DHB-Auswahl startet die unmittelbare EM-Vorbereitung am Montag, 23. November, in Ludwigsburg. Dann stehen zwei Länderspiele gegen den WM-Dritten Frankreich an, am Donnerstag, 26. November (19.30 Uhr), in der Porsche Arena in Stuttgart und am Samstag, 28. November, um 15.30 Uhr, in der ratiopharm arena in Neu-Ulm. Karten sind via dhb.de/tickets erhältlich.
„An Ludwigsburg haben wir natürlich tolle Erinnerungen, dort hatten wir vor der Heim-WM unsere Vorbereitung und waren in der Vorrunde dort untergebracht. Daher freuen wir uns darauf, dass wir unsere Reise dort wieder starten“, sagt Althaus, die sich auch schon den EM-Vorrundenspielort Bratislava angeschaut hat: „Dort erwarten uns tolle Gegebenheiten an einem Super-Standort. Ich hoffe, dass uns viele Fans dorthin begleiten. Denn wir brauchen den Support.“
Zum EM-Auftakt trifft die DHB-Auswahl am Freitag, 4. Dezember, im slowakischen Bratislava auf Schweden (Anwurf 18 Uhr), es folgen weitere Gruppenspiele gegen Serbien (6. Dezember, 18 Uhr) und EM-Gastgeber Slowakei (8. Dezember, 18 Uhr). Die besten zwei Mannschaften qualifizieren sich für die Hauptrunde, die in Katowice in Polen gespielt wird.
Und auch bei Viola Leuchter ist schon das EM-Kribbeln zu spüren: „Natürlich fiebert man darauf hin, aber wir sind bis dahin in den Vereinen gut beschäftigt. Aber dass die EM näher rückt, ist bei allen zu spüren. Alle freuen sich mega, alle wollen wir auf das Level von 2025 kommen.“
(BP)