International stark vertreten
2025 war nicht nur für die deutschen Nationalmannschaften ein erfolgreiches Jahr: Auch das Schiedsrichterwesen des Deutschen Handballbundes präsentierte sich auf internationalem Parkett stark. Ein Rückblick.
Manchmal geht es schneller als man denkt: Im August 2025 erhielten Sophia Janz und Rosana Sug nach dem erfolgreich absolvierten Kandidatenkurs beim renommierten Partille-Cup in Göteborg den EHF-Status - und keine zwei Monate später flogen die beiden Schiedsrichter:innen bereits auf die Färoer Inseln, um ihr erstes offizielles Länderspiel zu pfeifen. In der Qualifikation für die Europameisterschaft 2026 der Frauen empfingen die Färoer Inseln das Team aus Montenegro. „Das war bis jetzt unser persönliches Highlight“, sagt Sug.
Es war für das Schiedsrichter-Team aus dem Elite-Anschlusskader bereits die dritte Ansetzung auf europäischem Parkett in vier Wochen. Zunächst ging es für den European Cup der Frauen nach Luxemburg, ein Wochenende später im European Cup der Männer nach Belgien - und keine sieben Tage später eben auf die Färoer Inseln.
Von Frankfurt über Kopenhagen nach Vágar: Das war die Reiseroute für Janz/Sug. Die Landung auf Vágar ist extrem schwierig, spielt das Wetter nicht mit, muss das Flugzeug umdrehen. „Es war ein bisschen neblig, aber wir konnten landen - die Schiedsrichter beim vorherigen Spiel sind nicht angekommen, sondern mussten umdrehen“, erzählt Janz.
Sophia Janz und Rosana Sug: Gänsehaut schon vor dem Anwurf
Die neu gebaute Halle war bis auf den letzten Platz besetzt, rund 3.000 Fans sorgten wir eine überragende Stimmung. „Sie haben ihre Nationalhymne a capella gesungen, da hatten wir beide Gänsehaut“, erinnert sich Sug. „Und während des Spiels herrschte eine unglaubliche Stimmung. Es war extrem laut, aber alles sehr fair. Es gab keine Pfiffe, sie haben einfach gefeiert.“
Die Begeisterung von Janz/Sug über so ein einmaliges Erlebnis ist auch Wochen später noch spürbar - ebenso wie die Freude über die neuen Erfahrung. „Wir hätten niemals damit gerechnet, dass wir so schnell angesetzt werden und dann auch gleich mehrfach“, gibt Janz offen zu. „Wir sind positiv überrascht und freuen uns natürlich riesig darüber.“
Der Austausch mit den internationalen Teams, mit den Ansprechpartner*innen vor Ort und den Delegierten ist ein weiterer Bonus, den Janz/Sug genießen. „Das ist total interessant“, berichtet Janz. „Wir lernen Menschen und Orte kennen, die wir sonst wohl nie gesehen hätten.“ Durch die in der EHF verpflichtende Anreise am Vortag verbringen gerade Unparteiische und Delegierte mehr Zeit als gewöhnlich miteinander. „Das ist besonders, weil man Zeit hat, sich wirklich auszutauschen“, berichtet Sug und betont: „Wir haben bis jetzt sehr positive Erfahrungen gemacht und freuen uns auf alles, was noch kommt.“
Während Janz/Sug sich in diesem Jahr also über ihre ersten offiziellen EHF-Nominierungen freuen durften, vertraten die anderen internationalen Schiedsrichter-Teams des Deutschen Handballbunds den Dachverband auf allen Großturnieren.
WM-Einsätze für deutsches Top-Gespann Robert Schulze und Tobias Tönnies
Robert Schulze und Tobias Tönnies waren im Januar bei der Männer-Weltmeisterschaft 2025 in Dänemark, Norwegen und Kroatien im Einsatz, zusammen mit den beiden deutschen Delegierten Kay Holm und Lars Geipel. Für die Männer-Europameisterschaft 2026 in Dänemark, Schweden und Norwegen (15.01. bis 01.02.26) ist das deutsche Top-Gespann ebenfalls nominiert. Jutta Ehrmann, Leiterin Schiedsrichterwesen im Deutschen Handballbund, wird die beiden Aushängeschilder als Delegierte zu diesem Turnier begleiten.
Über einen Meilenstein durften sich Ramesh und Suresh Thiyagarajah freuen: Die Brüder wurden nach mehreren Einsätzen bei Jugend- und Juniorenmeisterschaften für die Frauen-Weltmeisterschaft 2025 und damit ihr erstes Großturnier im Erwachsenenbereich nominiert. „Die Bedeutung kann ich gar nicht so richtig in Worte fassen“, hielt Ramesh Thiyagarajah vor dem Turnier fest. „Es ist ein großer Schritt für uns, auf den wir lange gehofft und für den wir lange gearbeitet haben.“ Neben Thiyagarajah/Thiyagarajah waren Ehrmann, Holm und Geipel als Delegierte vor Ort.
Ebenfalls eine Premiere feierten Lucas Hellbusch und Darnel Jansen, die im Oktober 2025 bei der Jugend-Weltmeisterschaft in Marokko zum Einsatz kamen. Zuvor hatten sie einen Einsatz bei der Jugend Europameisterschaft in Montenegro. Leon und Nico Bärmann, Kim und Janica Büschgens sowie Pelin Odabas/Lynn van Os sammelten im EHF Young Referee Project erste internationale Erfahrungen - und die Beachhandball-Schiedsrichter Bjarne Deiters/Jesper Stumpfe wurden als erstes deutschen Gespann seit 20 Jahren für die World Games nominiert und kamen zudem bei der Beachhandball-EM 2025 zum Einsatz.
„Dass wir international so stark vertreten sind, macht mich stolz. Das zeigt, dass unsere Arbeit in Deutschland auch außerhalb des Landes große Anerkennung findet“, freut sich Ehrmann über die vielen internationalen Einsätze ihrer Schiedsrichter*innen. „Neben der Tatsache, dass wir dort natürlich die Aufgaben sehr gut erledigen müssen, nehmen wir immer wieder neue Erkenntnisse mit nach Hause, die uns in der täglichen Arbeit helfen immer weiter an der Qualität des deutschen Schiedsrichterwesens zu arbeiten.“
Julia Nikoleit