Hannover steht für Handball – und Gislason steht auf Hannover
Pressekonferenz zum Start der EM-Vorbereitung mit Fokus auf das aktuelle Turnier, aber auch schon den Ausblick auf die WM 2027
Hannover ist schon immer ein gutes Pflaster für die Männer-Nationalmannschaft des DHB gewesen – und auch deshalb bereitet sich das Team von Bundestrainer Alfred Gislason aktuell wieder in der niedersächsischen Landeshauptstadt auf die anstehende Europameisterschaft vor. Zum Start des Lehrgangs und vor dem Testspiel gegen Kroatien am Sonntag (18.05 Uhr, live in der ARD) äußerten sich Bundestrainer Alfred Gislason, DHB-Sportvorstand Ingo Meckes und Nationalmannschaftsmanager Benjamin Chatton im Rahmen einer Pressekonferenz zum aktuellen Stand. Dass Hannover aber nicht nur aktuell Heimat der Nationalmannschaft, sondern 2027 Spielort der Männer-WM 2027 ist, freut zudem Oberbürgermeister Belit Onay.
2016 war die Handball-Nationalmannschaft in Hannover zu einem Teil der EM-Vorbereitung, hat den letzten Test vor dem späteren EM-Titel in der ZAG Arena gegen Island absolviert. 2024 spielte das Team in Hannover die erfolgreiche Olympia-Qualifikation, die mit Silber unter den fünf Ringen endete. Im April 2025 buchte die DHB-Auswahl in der ZAG Arena gegen Österreich das Ticket zur aktuellen Europameisterschaft. All’ das zusammen ist für Alfred Gislason mehr als nur ein gutes Omen: „Wir haben uns in den vergangenen Jahren immer sehr gefreut hier zu sein, weil die Bedingungen wirklich sehr, sehr gut sind, und die Mannschaft sich hier wirklich wohlfühlt. Das ist das Allerwichtigste. Deswegen sind wir sehr oft hier in Hannover gewesen in den letzten Jahren und sind damit immer sehr gut gefahren. Nun hoffe ich natürlich, dass die Mannschaft sich auch dieses Mal steigern kann. Deswegen freuen wir uns jetzt auf hier zu sein, aber auch auf die kommenden Aufgaben gegen die Kroaten und dann vor allem auf die EM.“
Für den DHB könnte ein überaus erfolgreicher Winter seine Fortsetzung finden, nachdem die Frauen-Nationalmannschaft bei der Heim-WM Silber gewonnen hat. Sportvorstand Ingo Meckes hofft auf einen Wiederholungseffekt durch die Männer: „Getreu der Fußballerweisheit, das nach dem Spiel vor dem Spiel ist, geht es nach dem Super-Dezember jetzt weiter, und es warten die nächsten großen Herausforderungen auf uns. Und weil dieses Jahr alle Spieler fit sind, setzen wir uns für die EM 2026 auch anspruchsvolle und ambitionierte Ziele, was wir auch müssen bei dem Teilnehmerfeld und bei dieser Turnierhälfte, in der wir spielen. Ich gehe davon aus, dass wie bei den Frauen im Dezember auch jetzt bei den Männern ein super Spirit entsteht, dass das Team sich selbst trägt und dass der Januar dann auch erfolgreich wird.“
Am Sonntag traf sich der 18-köpfige EM-Kader in Hannover, hat die ersten Einheiten absolviert – und Bundestrainer Gislason freut sich wie Meckes über die ersten Eindrücke: „Aktuell sieht alles sehr gut aus, was den Fitnesszustand und die Gesundheit der Spieler betrifft. Wir hatten im letzten Jahr viele Probleme in dieser Hinsicht, die haben wir jetzt nicht. Somit sieht das fürs Training sehr gut aus, und wie die Spieler bin ich topfit und freue mich richtig darauf, dass es jetzt losgegangen ist.“
Am Mittwoch reist die DHB-Auswahl zum „Hinspiel“ gegen Kroatien nach Zagreb, das am Donnerstag (20.30 Uhr, Livestream bei sportschau.de) über die Bühne geht. Am Freitag kehrt das Team zurück, ehe der finale EM-Test dann in der ZAG Arena ansteht. „Wir lassen Hannover einmal kurz hinter uns. Nach unserer Rückkehr aus Kroatien sind wir bis Dienstag in Hannover und steigen dann frühmorgens in den Bus nach Dänemark“, erläutert Nationalmannschaftsmanager Benjamin Chatton die weiteren Reisepläne. Im dänischen Herning stehen dann die Vorrundenspiele gegen Österreich (15. Januar), Serbien (17. Januar) und Spanien (19. Januar, alle 20.30 Uhr) auf dem Programm.
„Wir wissen, dass wir eine schwierige Vorrundengruppe haben, jeder Punktverlust kann wirklich schwere Folgen haben“, sagt Gislason: „Denn die Hauptrunde wird es wirklich in sich haben mit Dänemark, vermutlich Frankreich, Norwegen und Portugal. Und deswegen müssen wir ganz sicher schon sehr schnell unsere Bestleistungen wiederfinden. Daher haben wir gezielt einen sehr starken Gegner ausgesucht für die letzten Testspiele - gerade unter den schweren Bedingungen in Zagreb.“ Für den Bundestrainer ist der EM-Gastgeber der große Favorit, aber dahinter sei alles möglich für sein Team: „Dass die Dänen allen anderen voraus sind, haben sie in den letzten Jahren gezeigt, sie haben einfach eine unwahrscheinlich gute Arbeit gemacht und haben eine Wahnsinnsbreite in ihrem Kader. Dahinter sind auf den Plätzen zwei bis zehn alles Mannschaften, von denen jede jeden schlagen kann. Die Spitze ist in den letzten Jahren breiter geworden – und in diese Spitze gehören auch wir. Unsere Mannschaft hat die letzten Jahre sehr stabile Leistungen gebracht.“
Während die Mannschaft komplett im Tunnel für die EM ist, blickt man beim DHB und der Stadt Hannover schon auf die Heim-WM 2027 voraus. Denn die Leine-Stadt wird eine große Rolle spielen als Standort für zwei Hauptrundengruppen vom 20. bis zum 25. Januar 2027. Obwohl noch nicht einmal feststeht, wer dann in der ZAG Arena auflaufen wird, sind bereits 20 Prozent aller Karten verkauft. Sollte sich Dänemark für die Hauptrunde qualifizieren, würde der Titelverteidiger das Turnier in Hannover fortsetzen.
Daher ist nicht nur bei Oberbürgermeister Belit Onay die Vorfreude riesig, auf das Testspiel am Sonntag und speziell die Weltmeisterschaft: „Wir freuen uns riesig auf die WM 2027. Alle in Hannover können sich glücklich schätzen, wenn wir tausende dänische Fans und viele weitere handballbegeisterte Menschen hier in unserer Stadt begrüßen dürfen. Es wird ein echtes Highlight. Das merkt man jetzt schon an der Begeisterung.“
Dabei stehen in Hannover in den kommenden Jahren nicht nur Top-Handballspiele auf dem Programm. „Wir starten jetzt mit der Handball-Nationalmannschaft, dann werden wir in diesem Jahr die Finals haben, das große Multisport-Event. Im kommenden Jahr folgt dann die Handball-WM der Männer und 2029 die Frauenfußball-EM. In den nächsten Jahren kommt man somit bei Spitzensport an Hannover nicht vorbei. Das passt zu unserer Stadt“, sagt Onay, der betont: „Wir haben eine sehr gute Infrastruktur, haben aber auch eine große Sport-Begeisterung in dieser Stadt. Menschen, die selber Sport treiben, aber auch als Fans dabei sind. Und insofern passt das total gut zusammen.“
Die Begeisterung für die Handball-WM zeigt sich generell im Ticketverkauf: Bereits Mitte Dezember waren inklusive des Presales über 100.000 Tickets verkauft. Besonders gefragt sind natürlich die Spiele der deutschen Nationalmannschaft: Deren Vorrundenspiele in München sowie zwei von drei Spieltagen der deutschen Hauptrunde in Köln sind derzeit vorerst ausgelastet. Nachdem die Heim-WM der Frauen auch organisatorisch und in Sachen Fanbegeisterung äußerst erfolgreich über die Bühne gebracht wurde, gibt es beim DHB den fließenden Übergang hin zu den Männern im Januar 2027, sagt Sportvorstand Ingo Meckes: „In der DHB-Geschäftsstelle wird schon kräftig an der WM 2027 gearbeitet und die Vorfreude ist groß. Der Ticketverkauf ist überragend angelaufen. Von daher wird uns da sicherlich ein Fest erwarten. Für die Spieler ist das, glaube ich, noch kein Thema. Es gilt jetzt, den Fokus voll auf die EM zu halten. Und da darf die WM 2027 keine Rolle spielen. Aber hinter den Kulissen sind wir natürlich kräftig dran, alles vorzubereiten auf dieses Handballfest.“