Horst Käsler. - Foto: Imaog/WEREK
Horst Käsler. - Foto: Imaog/WEREK

Weltmeister, Bundestrainer und „Handball-Professor“

14.04.2026 | Verband

 

Erinnerungen an Horst Käsler anlässlich seines 100. Geburtstages am 18. April 

Er war Weltmeister auf dem Großfeld, Bundestrainer in der Halle und galt in Fachkreisen als „Handball-Professor“: Der gebürtige Berliner Horst („Hotti“) Käsler wäre am 18. April 100 Jahre alt geworden. Er starb am 17. Dezember 1987 in Berlin an den Folgen eines Herzinfarktes, den er wenige Tage zuvor beim Tennisspiel erlitten hatte. Zur Erinnerung an seine Verdienste im Sport und insbesondere im Handball ist seit 1991 im Berliner Stadtteil Schmargendorf (Fritz-Wildung-Straße 9) die „Horst-Käsler-Sporthalle“ nach ihm benannt und mit einer Gedenktafel ausgestattet. 

Horst Käsler kam zwischen 1951 und 1959 zu 44 Länderspieleinsätzen für den Deutschen Handballbund (DHB), erzielte dabei 87 Tore und wurde zum Abschluss seiner Karriere als damaliger DHB-Rekordnationalspieler mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet. 1955 gehörte er unter anderem zusammen mit Bernhard Kempa (1920-2017) zum Weltmeister-Team im Feldhandball, das im Finale vor 50.000 Zuschauern in Dortmund gegen die Schweiz mit 25:13 (11:7) gewann. Bei den Weltmeisterschaften in der Halle wurde Käsler 1954 Vizeweltmeister und war 1958 (3. Platz) ebenfalls dabei. 

Mit seinem Heimatverein, dem Berliner SV (BSV) 92, wurde „Hotti“ als Spielertrainer zweimal Deutscher Meister in der Halle: 1948 (inoffiziell als SG Wilmersdorf) und 1956 in Turnierform (3:2-Finalsieg gegen THW Kiel); später als Trainer nochmals 1964 ebenfalls gegen den THW Kiel (4:3-Sieg). 1967 gehörte der BSV 92 mit Trainer Käsler zu den Gründungsmitgliedern der Feldhandball-Bundesliga in der Staffel Süd, musste aber mit dem Rivalen Reinickendorfer Füchse als Tabellenletzter absteigen. 

Horst Käsler war von 1972 bis 1974 nach Fritz Fromm (Amtszeit von 1949 bis 1955) und Werner Vick (1955-1972) der dritte DHB-Bundestrainer, bevor er von Vlado Stenzel abgelöst wurde: Einziger Höhepunkt der Amtszeit von „Hotti“ Käsler war 1974 die WM-Teilnahme in der DDR, wo „nur“ der 9. Platz (vor Schweden) heraussprang. Zum DHB-Team gehörten damals Hans-Günther Schmidt (1942-2023) vom VfL Gummersbach und Bernd Munck (83) von Grün-Weiß Dankersen (heute GWD Minden) als Routiniers im Rückraum, während der 20-jährige Gummersbacher Joachim Deckarm (72) erstmals auf großer internationaler Bühne dabei war – genauso wie übrigens Armin Emrich von Frisch Auf Göppingen. „Horst Käsler war ein sehr engagierter Trainer, der für den Handball brannte. Er war gerade uns jungen Spielern sehr zugewandt und hat uns aufgebaut“, erinnert sich der 74-jährige, der Anfang der 1990er Jahre selbst das Amt als DHB-Bundestrainer innehatte und später als Frauen-Bundestrainer 2007 WM-Bronze gewann. 

Hotti Käsler betreute schon 1963 bei der WM-Premiere in Schweden die Studenten-Nationalmannschaft des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes (adh) als „Disziplinchef Handball“ (so die offizielle Bezeichnung); mit ihr wurde er 1965 in Madrid sogar Weltmeister unter anderem mit den DHB-Nationalspielern Diethard Finkelmann (84, FU Berlin, Reinickendorfer Füchse) und Rüdiger-Felix Schmacke (86, Uni Göttingen, SG Leutershausen, TV Hochdorf und TSV Rintheim). Käsler gab das Amt später an Dr. Hans-Dieter Trosse (91) von der Universität Hamburg ab. 

Auch nach seiner Zeit als DHB-Bundestrainer blieb Hotti Käsler dem DHB eng verbunden – u.a. im Bereich des Lehr- und Schiedsrichterwesens und als Initiator und Leiter der sogenannten Fachleitertagungen mit den für die Sportart Handball an den Hochschulen verantwortlichen Kolleginnen und Kollegen. „Mit diesen Konferenzen hatte Hotti im DHB ein Fortbildungs-Format geschaffen, um das uns viele andere Fachverbände damals beneidet haben“, erinnert sich Renate Schubert (Uni Bielefeld), unter anderem langjährige DHB-Nachwuchstrainerin und DHB-Lehrstab-Mitglied, die nach dem Tod von Hotti Käsler diese Veranstaltungen im zweijährigen Rhythmus weitergeführt hatte. 

Horst Käsler war im Hauptberuf Professor für Sportdidaktik, zunächst im Seminar für Leibeserziehung an der Pädagogischen Hochschule Berlin in Lankwitz, später am Institut für Sportwissenschaft der FU Berlin in Dahlem. Der rührige „Handball-Professor“ hat sich auch als Fachautor einen Namen gemacht – für den DHB beispielsweise schon in den 1960er Jahren mit dem illustrierten Regelheft „Kommt spielt mit“ für Kinder; ferner mit mehreren Büchern, darunter: „Das Training des jugendlichen Handballers. Komplexes Lernen, komplexes Trainieren“, das er 1982 „Für Dich, Jo Deckarm“ gewidmet hatte. 

Bei der Trauerfeier für Horst Käsler im Januar 1988 würdigte der Berliner LSB-Präsident und spätere Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), Manfred Freiherr von Richthofen (1934-2014), den Verstorbenen als einen Mann, „der sich stets zu seinen Freunden im Sport bekannte und für sie eintrat mit der ihm eigenen Vehemenz. Wer erinnert sich von uns nicht gerne an den stets fröhlichen, temperamentvollen und so lebensbejahenden Hotti?“ 

Lassen wir anlässlich seines 100. Geburtstages den Sportpädagogen Horst Käsler noch einmal selbst zu Wort kommen… auf die Frage nach seinem schönsten Erlebnis in seiner Handballkarriere antwortete er einem Sportjournalisten 1958: „Es muss nicht immer ein Sieg das schönste Erlebnis sein. Mit der gleichen Hand, die eben noch ein Tor warf, den Gegner herzlich zu beglückwünschen, wenn seine Tordifferenz höher ist – ich glaube, das ist es, was den moralischen Wert des Handballspiels ausmacht.“  

Prof. Dr. Detlef Kuhlmann