Bundestrainer Markus Gaugisch. - Foto: Lars Neumann
Bundestrainer Markus Gaugisch. - Foto: Lars Neumann

Markus Gaugisch: "Zwei echte Herausforderungen"

23.10.2026 | Frauen

 

Doppelkracher gegen Dänemark und die Niederlande als Standortbestimmung

Vier Testspiele stehen für die Frauen-Nationalmannschaft vor dem Saisonhöhepunkt, der EHF EURO, im Dezember noch an – und viermal trifft das Team von Bundestrainer Markus Gaugisch auf Hochkaräter. Denn Auftakt macht an diesem Wochenende die Golden League im dänischen Odense, zum Abschluss der Vorbereitung gibt es noch zwei Heimspiele gegen den WM-Ditten Frankreich in Stuttgart und Neu-Ulm.  

„Topgegner wie diese sind immer eine Herausforderung. Wir sind in diesen Spielen nicht die Gejagten oder der Topfavorit, eher sehe ich uns als Außenseiter. Aber jede will zeigen, dass sie gegen Topmannschaften mithalten kann, das ist wichtig für weitere Entwicklungsschritte“, sagte DHB-Kapitänin Antje Döll am Freitag im digitalen Medientermin: „Jetzt geht es Schritt für Schritt Richtung EM. Stimmung und Einsatz passen, jetzt haben wir zwei Kracher-Gegner vor der Brust, da können wir ansetzen.“ 

Am morgigen Samstag trifft Deutschland auf Gastgeber Dänemark (Anwurf: 16 Uhr), es folgt am Sonntag das Duell gegen die Niederlande (Anwurf: 13.30 Uhr). Beide Partien werden live im Free-TV auf ProSieben MAXX sowie bei Dyn übertragen. Daneben spielt auch der aktuelle Olympiasieger, Welt- und Europameister Norwegen bei diesem top-besetzten Turnier mit. 

„In unserem Hotel ist es wie beim Finalturnier der Champions League, hier ist die Creme de la Creme an individueller Qualität“, meint Gaugisch angesichts der vielen Stars, die sich am Wochenende in Odense gegenüberstehen. Vor den Gastgeberinnen, 2024 EM-Zweiter und Olympiadritter, hat der Bundestrainer Respekt: „Dänemark spielt seit Jahren mit dem gleichen Kader, inklusive vielen Topstars aus der Champions League. Das ist höchstes Niveau und höchste Qualität. Sie verfügen über eine sehr kompakte und physisch starke Defensive die defensiv agiert.“ Im Gegensatz dazu stellten die Niederlande eine offensive Abwehr: „Das macht das Turnier so spannend, wenn du innerhalb von 20 Stunden auf zwei so unterschiedliche Teams triffst. Das sind zwei geile Teams, zwei echte Herausforderungen, die uns weiterbringen.“ 

Am Donnerstag war die DHB-Auswahl vom Trainingslager-Stützpunkt Altenholz bei Kiel nach Odense gereist – mit den bisherigen Eindrücken der Woche ist Gaugisch angetan: „Wir haben dort angesetzt, wo wir mit den Spanien-Spielen im September aufgehört haben. Wir sind dabei, alles Stück für Stück zu festigen. Es geht darum, Fehler zu minimieren und die Anzahl der Ausschläge nach unten zu verringern. Das braucht Zeit. Es gab wirklich tolle Dinge in der Trainingswoche, aber auch viele Kleinigkeiten, die wir noch in die richtige Bahn lenken müssen, natürliche gerade in der neu besetzten Defensive.“  

Bekanntlich hat Aimée von Pereira ihre Karriere beendet und Xenia Smits ist gerade erst Mutter geworden. Angesprochen auf ein Comeback der Abwehrchefin bei der EM (ab 4. Dezember), ließ Gaugisch alle Optionen offen: „Xenia hat Schnupperversuche in der Halle absolviert, aber es ist noch lange nicht so, dass wir sagen können, ob es geht oder nicht, da gehören viele Komponenten dazu. Xenia muss erstmal wieder im Klub auf die Platte kommen und Trainingshärte erreichen. Die Zeit geben wir ihr und die Tür ist offen. Ich bin ganz entspannt, vertraue auf ihre Entwicklung, aber wir wissen nicht genau, wann das Comeback sein wird.“  

Aber auch in der aktuellen Besetzung sei Deutschland ein starker Gegner, betont Kapitänin Antje Döll: „Nach der erfolgreichen WM hat sich ein gewisses Selbstverständnis entwickelt. Gegen jeden Gegner haben wir eine realistische Chance, das merkt man der Mannschaft an. Das Grundgefühl ist positiv, wir wollen zeigen, dass die WM keine Eintagsfliege war, dass wir dran sind und mit uns auch bei der EM zu rechnen ist.“ 

Das sieht Gaugisch ähnlich: „Wir können Dänemark schlagen, dieses Selbstbewusstsein haben wir, aber es wird trotzdem kein Selbstläufer. Auch wenn du Vize-Weltmeister wirst, musst du die Realität im Auge behalten. Wir sind näher an die Spitze herangerückt. Dennoch ist Dänemark eine andere Hausnummer, was Erfahrung auf höchstem Niveau betrifft. Wir dürfen und werden nicht abheben, denn es läuft nicht von selber. Wir haben den positiven Rückenwind, haben gesehen, dass wir Frankreich schlagen können. Aber solche Erfolge können wir nur erreichen, wenn wir unsere Bestleistung erreichen. Mit den Änderungen in der Deckung greifen aktuell die Mechanismen noch nicht so wie 2025. Daher ist es wichtig, dass wir bis zur EM diesen Schritt weiter sind.“  

Die Golden League-Spiele sind die letzte Bewährungsprobe, bevor Gaugisch am kommenden Freitag seinen EM-Kader präsentieren wird. „Auch mit Blick darauf war und ist diese Woche wichtig. Wir schauen, was passt gut zusammen, wo können wir ansetzen, was machen wir, wenn etwas nicht so läuft. Daher gehen wir verschiedene Konstellationen durch.“  

Aus Odense geht aber auch der Blick nach Marokko, wo die weibliche U16 des DHB am Samstag (21.30 Uhr deutsche Zeit, live auf dem YouTube-Kanal der IHF) gegen Ungarn das WM-Finale bestreitet. „Als ich die Bilder gesehen habe, wie die Mädels sich nach dem Halbfinalsieg gefreut haben, wurden bei mir Erinnerungen wach“, sagt Döll, die 2008 U20-Weltmeisterin geworden war: „Die Spielerinnen sollen sich jetzt einfach belohnen und mit Leidenschaft und Spaß ins Finale gehen, denn sie haben schon eine Medaille sicher.“  

Für Gaugisch, der die U16-Spielerinnen aus Sichtungen kennt, ist besonders spannend, dass Ungarn der Finalgegner ist: „Dort sind die Mädchen in einer Akademie untergebracht, haben Schule und Training unter einem Dach. Genau das ist der Weg, den wir mit unseren Bundesstützpunkten gehen wollen.“ Mit Blick auf die von Gino Smits trainierte DHB-Auswahl ist er voll des Lobes: „Da sind richtig gute Handballerin dabei, die am Anfang ihres Weges stehen. Ich habe Bock zu sehen, wie sie sich entwickeln, wenn es um einen Titel geht. Sie machen den Eindruck, dass sie giftig sind den Titel zu holen und irgendwann Nationalspielerinnen zu werden.“ 

(BP)