Herbert Lübking (rechts) wird 85 Jahre alt. Hier im Bild mit DHB-Präsident Andreas Michelmann. | Foto: Marco Wolf
Herbert Lübking (rechts) wird 85 Jahre alt. Hier im Bild mit DHB-Präsident Andreas Michelmann. | Foto: Marco Wolf

Handball-Weltmeister Herbert Lübking wird 85 Jahre alt

22.10.2026 | Verband

 

Erster Nationalspieler mit 100 Einsätzen für den DHB

Von ihm schwärmen die älteren Handballer heute immer noch. Er gilt als der weltbeste Handballer seiner Zeit auf dem Großfeld und in der Halle: Herbert Lübking vollendet am Freitag, dem 23. Oktober 2026, an seinem Wohnort im Ortsteil Dankersen von Minden das 85. Lebensjahr. Herbert Lübking trug von 1962 bis 1973 insgesamt 139-mal das Nationaltrikot der Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) und erzielte dabei 650 Tore. Er nahm an fünf Weltmeisterschaften teil und war der erste Nationalspieler mit 100 Einsätzen für den DHB. Herbert Lübking ist damit – wenn man so viel – der „Gründungsvater“ des heutigen „DHB-Club100“, der erst viel später vom amtierenden DHB-Präsidenten Andreas Michelmann ins Leben gerufen wurde.

Bei der Hallenhandball-Weltmeisterschaft 1964 in der Tschechoslowakei zeichneten die Fachjournalisten den damals 22-jährigen Herbert Lübking mit dem Titel „bester Handballer der Welt“ aus, obwohl das DHB-Team dort nur vierter wurde. Weltmeister auf dem Großfeld wurde Lübking zwei Jahre später und trägt diesen Titel von 1966 seit genau 60 Jahren unentwegt … denn es war die letzte WM draußen auf dem Spielfeld mit Fußballplatzgröße im „Elf gegen Elf“.

Herbert Lübking ist in Dankersen im Kreis Minden-Lübbecke geboren. Dort lebt er bis heute und inzwischen sogar als Ehrenbürger der Stadt Minden. Der „kleine und schmächtige Herbert“ kam auf Anraten seines Sportlehrers mit acht Jahren zum TSV Grün-Weiß Dankersen (heute GWD Minden) und fiel bald durch sein großes vielseitiges Talent und seine rasante Schnelligkeit auf. Er lief später u.a. die 100m in 10,9 Sek.: „Lübking, der technisch perfekte Individualist, liebte die Improvisation, das freie und wenn möglich körperlose Spiel. Er schätzte die Rolle des trickreichen, aber auch torgefährlichen Spielmachers. Diese Qualitäten hatte sich Lübking mit Talent, vor allem aber mit Willenskraft und eisernem Training angeeignet“, charakterisiert der renommierte Handball-Journalist und Historiker Erik Eggers den früheren Weltklassespieler in seinem Buch „Handball. Eine deutsche Domäne“.

Herbert Lübking wurde mit Grün-Weiß Dankersen (GWD) zweimal Deutscher Feldhandballmeister (1967 und 1970), fünfmal Vizemeister (1962, 1964, 1965 und 1969 auf dem Feld, ferner 1965 in der Halle) sowie dreimal Europapokalsieger (1968 bis 1970); diesen Wettbewerb gewann er ausschließlich mit GWD, weil er danach eingestellt wurde. Herbert Lübking verkörperte wie kein anderer den Aufstieg von Dankersen zur besten Feldhandball-Mannschaft der Welt. Für GWD warf er zwischen 1959 und 1970 insgesamt 4011 Tore. Das Hallenspiel vom 11. Januar 1969 gegen Eintracht Hildesheim sei besonders herausgestellt: Da warf der 1,84 m große Rechtshänder Lübking allein mehr Tore als der Gegner insgesamt: Beim 39:18-Sieg für GWD markierte er 20 Treffer, darunter war nur ein Siebenmeter. Dieser Bundesliga-Rekord hielt 40 Jahre lang. Mit 4,7 Toren pro Spiel ist Herbert Lübking bis heute immer noch der toreffektivste Nationalspieler des DHB. Anlässlich seines 100. Einsatzes im DHB-Trikot wurde ihm die Goldene Ehrenspange des DHB verliehen; Herbert Lübking war der erste deutsche Handballer, der am 17. August 1968 (zusammen mit seinem damaligen Mannschaftskameraden Bernd Munck) in einer Weltauswahl zum Einsatz kam.

Viele ältere Handballfans erinnern sich aber auch noch an den Sommer 1970: Da wechselte Herbert Lübking für die westdeutsche Handballszene völlig unfassbar vom Bundesligisten GWD zum Kreisligisten TuS Nettelstedt (einem Ortsteil von Lübbecke), weil er sich beim Mäzen des Vereins eine berufliche Zukunft aufbauen konnte. Fortan stieg er mit Nettelstedt Jahr für Jahr bis in die Bundesliga auf, wo er in der Saison 1976/77 ein Comeback feierte. Da war die Rückkehr in den DHB-Kader schon fast wieder vergessen: Durch den Vereinswechsel in die Kreisliga war Lübking nämlich zunächst für die DHB-Auswahl unter Bundestrainer Werner Vick (1920-2000) nicht mehr haltbar. Erst auf Vermittlung von Willi Daume (1913-1996), dem ersten DHB-Präsidenten und Vorsitzenden des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) für Deutschland, kehrte Lübking noch einmal zurück in die Olympia-Mannschaft des DHB bei der olympischen Hallenpremiere 1972 in München, wo allerdings nur ein enttäuschender 6. Platz für die DHB-Auswahl heraussprang. Im letzten (west-) deutschen Großfeld-Finale am 6. August 1975 wurde Lübking vor 6.000 Zuschauern in Lübbecke mit dem TuS Nettelstedt (14:15 gegen die TSG Haßloch) Deutscher Vizemeister.

Herbert Lübking war danach Spielertrainer beim damaligen Oberligisten TBV Lemgo; er führte diese Mannschaft 1981 in die neu eingerichtete 2. Bundesliga. Noch im Alter von 45 Jahren war er selbst im Ligaspielbetrieb aktiv, trainierte mit Freia Friedewalde, SuS Veltheim, TuS Möllbergen und TuS Lahde weitere Vereine aus dem Mühlenkries Minden-Lübbecke, der als „die“ Handallhochburg in Deutschland gilt. Der Jubilar konnte in seiner Karriere zahlreiche Titel und Aufsteige feiern, ist aber weder als Spieler noch als Trainer jemals mit einer Mannschaft abgestiegen. Nach Beendigung seiner Handball-Laufbahn entdeckte Herbert Lübking sein Talent im Tennis. Bis heute geht er „seinem“ Angelsport nach, zumal er mit der Weser und dem Mittellandkanal passende Gewässer dazu direkt vor der Haustür hat. 

Im Rahmen eines Hauptrundenspieltages bei der letzten Weltmeisterschaft der Frauen durfte sich der Jubilar am 4. Dezember 2025 in der Dortmunder Westfalenhalle in das Goldene Buch des DHB eintragen: Der frühere Weltklassehandballer Herbert Lübking steht als Vorbild für sportliche Fairness, Bescheidenheit, Bodenständigkeit, gepaart mit der Diplomatie und Ausgeglichenheit eines Waage-Mannes und ist u.a. nach Bernhard Kempa (1920-2017), Klaus Langhoff (86), Grit Jurak (49) und Wolfgang Böhme (76) erst die neunte Persönlichkeit des Handballsports, die diese „Goldene DHB-Autogramm-Ehre“ zu Teil wurde. Herbert Lübking erhielt zuvor u.a. 1978 für seine Verdienste im Handballsport das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. 

Wie kein anderer verkörperte Herbert Lübking mit seiner ästhetisch-kreativen Spielweise so erfolgreich den Übergang des Handballspiels in Deutschland vom Feld in die Halle und verfolgt mit 85 Jahren immer noch gern die (Zweitliga-) Spiele des TuS N-Lübbecke und „seines“ GWD Minden live in der gerade frisch renovierten Kampa-Halle. Das alles bei bester Gesundheit und stets mit einer Leidenschaft und Fachkenntnis, als würde er am liebsten selbst noch mit auf dem Spielfeld aktiv sein. Vorstand und Präsidium des DHB schließen sich den zahlreichen Glückwünschen zum 85. Geburtstag von Herbert Lübking an.