Kristina Richter ist die deutsche Fahnenträgerin bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau
Kristina Richter ist die deutsche Fahnenträgerin bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau. - Foto: Imago

Dreifache Weltmeisterin Kristina Richter wird 80 Jahre alt

22.10.2026 | Verband

 

Sie war die weltbeste Handballspielerin ihrer Zeit und gehört zu der Gruppe der erfolgreichsten deutschen Handball-Nationalspielerinnen: Kristina Richter, geborene Hochmuth, vollendet am Samstag, 24. Oktober 2026, ihr 80. Lebensjahr.

Die gebürtige Zwickauerin war mit der Auswahl des Deutschen Handballverbandes (DHV) der DDR dreimal Weltmeisterin im Hallenhandball (1971, 1975 und 1978). Bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal gewann sie für die DDR die Silbermedaille. Bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau wurde ihr sogar eine ganz besondere Ehre zuteil: Die spätere Bronzemedaillengewinnerin Richter durfte als erste deutsche Mannschaftssportlerin bei der Eröffnung die DDR-Fahne ins Stadion tragen; Erst bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking folgte ihr mit dem Basketballer Dirk Nowitzki der bislang zweite deutsche Ballspielsportler als Fahnenträger.

Die Rückraumspielerin Kristina („Tina“) Richter erzielte in ihren 235 Spielen im Trikot des DHV der DDR insgesamt 880 Tore. Damit war sie nach Waltraud (1948-2018), der Mutter von DHB-Nationalspieler Stefan Kretzschmar, die zweite von insgesamt fünf Handballerinnen, die es auf mehr als 200 Länderspiele für die DDR brachte.

Kristina Hochmuth fand zum Handball über die Leichtathletik, wo sie bereits ihr großartiges Talent im Laufen, Springen und Werfen erkennen ließ: „Letztlich entschied sie sich aber 1963 für den Handballsport, weil ihr Bruder den Bezirksligisten BSG Aktivist Karl Marx Zwickau trainierte“, wird der Werdegang der Jubilarin im „Lexikon Sportler in der DDR“ (herausgegeben von Volker Kluge) zitiert. Und gut dokumentiert ist auch, dass ihr 17 Jahre älterer Bruder Karl sie erstmals mit dem Handball vertraut machte, weil der als Lehrer eine Handballmannschaft im sog. außerunterrichtlichen Schulsport betreute und oftmals das Problem hatte, genügend Schüler zum Handballspiel zu finden: Da war die kleine Schwester „Tina“ gut genug und immer willkommen.

Durch ihr Studium kam Kristina nach Leipzig an die Deutsche Hochschule für Körperkultur (DHfK), musste hier aber miterleben, dass die Frauen-Mannschaft des SC DHfK Leipzig sich gerade in Auflösung befand und ihr die Aufnahme beim benachbarten SC Leipzig wegen einer groben Fehleinschätzung von Trainer Peter Kretzschmar (1932-2018) verwehrt blieb. Kristina Richter wurde Berlinerin und fand beim Berliner TSC eine neue Handball-Heimat, die sie vor allem ihrem langjährigen Trainer und Förderer Kurt Lauckner (1932-2013) verdankt.

Handballerin Kristina Richter: Auswahltrainerin nach der aktiven Karriere

Dem TSC hält sie seit über 50 Jahren auch passiv immer noch die Treue: Die 1,69 m große Rechtshänderin auf der Position „Rückraum Mitte“ wurde mit dem TSC viermal DDR-Meisterin (1974, 1977, 1978 und 1980), gewann viermal den FDGB-Pokal der DDR (von 1977 bis 1980) sowie 1977 und 1979 den Europapokal der Pokalsieger. Zur DDR-Handballerin des Jahres wurde Kristina 1980 gewählt – in jenem Jahr, in dem sie ihre Karriere beendete, bevor sie von 1988 bis 1992 beim Zweitligisten BVB Berlin ein Comeback gab. Im Jahre 1994 wurde sie Auswahltrainerin im weiblichen Jugendbereich beim DHB. Danach arbeitete die zweifache Mutter als Vereinstrainerin; hier gelang ihr mit der Mannschaft vom TSC Berlin im Jahr 2000 der Aufstieg in die zweithöchste deutsche Spielklasse.

Und noch eine einzigartig hohe Auszeichnung erhielt Kristina Richter im Jahre 2016: Die dreifache Weltmeisterin und zweifache Olympia-Medaillengewinnerin wurde als erste (ostdeutsche) Handballspielerin überhaupt in die (virtuelle) „Hall of Fame des deutschen Sports“ aufgenommen, die von der Stiftung Deutsche Sporthilfe im Jahre 2006 ins Leben gerufen wurde. Hier wird Kristina Richter bis heute „herrlich“ flankiert von den vier (westdeutschen) Handballern Bernhard Kempa (1920-2017), Heiner Brand (geb. 1952), Joachim Deckarm (geb. 1954) und Erhard Wunderlich (1956-2012). Die Grundschullehrerin für Sport und Geographie lebt heute in Summt (dem Mühlenbecker Land, Landkreis Oberhavel nördlich von Berlin) im Bundesland Brandenburg und war mit Dagomar Richter (1938-2020), einem höchst erfolgreichen Radsport-Nachwuchstrainer (u.a. Coach von Erik Zabel), verheiratet.

Der Kontakt zu ihren ehemaligen Mitspielerinnen in der DDR-Auswahl ist bis heute nicht abgerissen: Erst im Juli diesen Jahres trafen sich die „Silber Damen“ 50 Jahre nach den Olympischen Spielen in Montreal 1976 auf Einladung des Deutschen Olympischen Sportbundes in Hannover bei den Finals zu einer Wiedersehensfeier mit allen deutschen Medaillengewinnerinnen und -gewinnern: „Kristina Richter war in ihrer aktiven Zeit nicht nur die herausragende Handballspielerin in der DDR, sondern für Genrationen von Mädchen und jungen Frauen eine Vorzeige-Sportlerin: Auf sie haben wir alle ehrfürchtig aufgeschaut. Ich wünsche Kristiana für das neue Lebensjahrzehnt alles Gute: viel Glück und weiterhin beste Gesundheit“, gratuliert DHB-Vizepräsidentin Heidrun Gassan (geb. Paulig) für die DHB-Familie, die selbst in ihrer Handallkariere mit der BSG Chemie Guben auf Linksaußen mehrmals in der DDR-Oberliga gegen Kristina Richter gespielt … aber nie gewonnen hat.

Text: Prof. Dr. Detlef Kuhlmann