Tjorven Knackstedt war ein starker Rückhalt. - Foto: Lucija Begenisic
Tjorven Knackstedt war ein starker Rückhalt. - Foto: Lucija Begenisic

Dank Weckruf in der Pause

07.08.2026 | U-Teams

 

Deutsche U18 im EM-Finale 

Die Fans feierten auf der Tribüne schon zwei Minuten vor dem Ende, die Bank stand 30 Sekunden vor dem Abpfiff auf und applaudierte – und am Ende hüpften Spieler und Staff gemeinsam übers Feld: Dank einer herausragenden zweiten Halbzeit setzte sich die deutsche Mannschaft am Freitag im Halbfinale der U18-Europameisterschaft in Serbien mit 32:27 (10:11) gegen Spanien durch. Am Sonntag (19.30 Uhr) geht es in der Nikolic Arena in Belgrad entweder gegen Dänemark oder Slowenien um EM-Gold.  

„Ich hatte in der Halbzeitpause eine sehr direkte Ansprache an die Spieler gerichtet, um sie wachzurütteln. Und es hat geholfen“, sagte Bundestrainer Erik Wudtke: „Einzig und allein unser Torwart Tjorven Knackstedt hat uns vor der Pause im Spiel gehalten. Bei ihm müssen wir uns bedanken. Aber es war eben ein Spiel zwei völlig unterschiedlichen Hälften, denn nach der Pause haben wir die nötige Emotionalität gezeigt, nachdem wir in Hälfte eins viel zu passiv waren und uns nicht an den Plan gehalten haben.“ 

Nur 24 Stunden nach dem 33:31-Sieg im äußerst intensiven und kampfbetonten Viertelfinale gegen Island zeigte das Team von Bundestrainer Erik Wudtke im siebten Spiel innerhalb von zehn Tagen keinerlei Ermüdungserscheinungen oder Kraftverlust. „Dennoch brauchen wir den spielfreien Samstag absolut zur Regeneration“, sagt Wudtke. 

Zu Beginn der Partie hatte die deutsche Mannschaft einige Probleme mit der sehr offensiven Deckung der Spanier oder scheiterten am starken Torwart Ruben Cardenosa. Aber nach dem 1:4 in der 10. Spielminute wendete sich langsam das Blatt, Deutschland verkürzte auf 4:5 – und die defensiv-orientierte Begegnung war wieder absolut ausgeglichen. Aufbauend auf die Paraden von Tjorven Knackstedt – der nach elf abgewehrten Würfen als bester deutscher Spieler des Halbfinales ausgezeichnet wurde - war das Team von Bundestrainer Erik Wudtke wieder ebenbürtig.  

Nach dem 10:11 zur Pause und besagtem Weckruf in der Kabine drehte Deutschland aber richtig auf: Nach einem 7:1-Lauf in den ersten acht Minuten der zweiten Hälfte hieß es 17:12. In dieser Phase stand die Abwehr herausragend. Die Spanier wirkten geschockt, die deutsche Mannschaft wuchs über sich hinaus und baute den Vorsprung beim 22:14 (47.) erstmals auf acht Tore aus. Im Angriff zeigte sich wieder die Variabilität im deutschen Spiel: war am Donnerstag noch Julius Eisend (THW Kiel) mit neun Treffern bester DHB-Werfer gegen Island, war es im Halbfinale Julius Pöthke (TSV Burgdorf), der gegen die Iberer achtmal traf. „Julius hat ein sehr gutes Spiel gezeigt und sich immer wieder entscheidend durchgesetzt“, sagte Wudtke, der zudem an Julius Eisend für seine Rolle als Staubsauger vor der Abwehr und Claudius Beuthner für seine Defensivleistung gegen den besten spanischen Angreifer Adrian Sola ein Sonderlob verteile, insgesamt aber von einer „hervorragenden Mannschaftsleistung“ sprach.  

Nach der Roten Karte gegen den Spanier Adrian Sanz (51.) musste auch Finn Meißner vier Minuten später mit Rot auf die Tribüne – und in doppelter Unterzahl wurde es kurzzeitig noch einmal eng für Deutschland. Die Iberer verkürzten auf 23:27, doch mit einem erfolgreichen Durchbruch brachte Lenn Strobel seine Mannschaft mit dem 28:23 endgültig auf die Siegerstraße. Der Rest war nur noch Party auf dem Feld und den Rängen. 

Für eine deutsche U18 ist es das vierte EM-Finale nach 2003 (Silber) sowie den beiden Titeln in den Jahren 2008 und 2012. Hinzu kommt die Goldmedaille bei der U19-EM 2021, die als U18-EM geplant wegen Corona um ein Jahr verschoben wurde. Zu den Europameistern der Jahre 2008 gehören unter anderem Hendrik Pekeler und Christoph Steinert, 2012 gewannen unter anderem Timo Kastning, Jannik Kohlbacher und Paul Drux die Goldmedaille.  

Das gute Omen für das Finale am Sonntag: weder Slowenien noch Dänemark gewannen bislang Gold bei einer U18-EM. Die Dänen verloren alle vier Finals, in denen sie auf dem Feld gestanden hatten. „Mir ist der Gegner völlig egal, meine Trainerkollegen wünschen sich Slowenien, weil wir gegen die in der Hauptrunde gespielt haben und somit alle Vorbereitungsvideos vorliegen. Wir schauen am Sonntag aber nur auf uns und werden alles abrufen um das Turnier zu gewinnen.“ 

In Belgrad: Deutschland – Spanien 32:27 (10:11) 

Deutschland: Tobias Dengler (THW Kiel), Tjorven Knackstedt (VfL Eintracht Hagen); Tim Thielicke (SC Magdeburg), Moritz Detlefsen (SG Flensburg-Handewitt), Claudius Beuthner (THW Kiel/4), Julius Pöthke (TSV Burgdorf/8), Finn Meißner (SG Pforzheim/Eutingen/2), Kalle Gaugisch (JSG Balingen-Weilstetten), Vincent Faciejew (THW Kiel/3/3), Elvis Ernesto Kretzschmar (SC Magdeburg/1), Lenn Strobel (JSG Balingen-Weilstetten/3), Julius Eisend (THW Kiel/1), Toma Gadza (HSV Hamburg/4), Malte Elze (SC Magdeburg/3), Constantin Minning (SG Flensburg-Handewitt), Tim Löhr (Rhein-Neckar Löwen/2) – bester Werfer Spanien: Adrian Sola (7/2) 

Schiedsrichter: Ivanovic/Kaludjerovic (Montenegro) - Zeitstrafen: Deutschland 14 Minuten, Spanien 8 Minuten, Rote Karten: Meißner (Deutschland/54.), Sanz (Spanien/51.) - Siebenmeter: Deutschland 4/3 – Spanien 6/4