Hannelore Zober. - Foto: imago/Karl-Heinz Stana
Hannelore Zober. - Foto: imago/Karl-Heinz Stana

Dreimalige Weltmeisterin Hannelore Zober gestorben

16.07.2026 | Verband

 

Ausnahmetalent: Leipzigerin galt als beste und erfolgreichste Torfrau der Welt

Der Deutsche Handballbund (DHB) trauert um Nationalspielerin Hannelore Zober. Sie galt in ihrer aktiven Zeit als die beste und erfolgreichste Torhüterin der Welt: Hannelore Zober ist – wie erst jetzt bekannt wurde – am 28. Juni 2026 in einer Seniorenresidenz in Leipzig nach langer Krankheit verstorben.

Die gebürtige Leipzigerin hätte am 6. November dieses Jahres ihren 80. Geburtstag feiern können. Hannelore Zober war mit dem SC Leipzig zehnmal DDR-Meisterin und gewann in den Jahren 1966 und 1974 den Europapokal der Landesmeister. Die Ausnahmespielerin wurde damals nur von Inge Schanding (1935-1982) übertroffen, die mit der BSG Fortschritt Weißenfels in der Halle und auf dem Feld 15-mal DDR-Meisterin wurde.

Hannelore Zober betritt mit 18 Jahren ihr erstes Länderspiel für die DDR und kam zwischen 1964 und 1980 insgesamt auf 168 Einsätze in der Auswahl des Deutschen Handballverbandes (DHV) der DDR. Mit dem DHV-Team wurde sie in den Jahren 1971, 1975 und 1978 dreimal Weltmeisterin. Als Hallenhandball für Frauen bei den Olympischen Spielen in das Programm erstmal aufgenommen wurde, war Hannelore Zober für die DDR in Montreal 1976 dabei und gewann die Silbermedaille. Vier Jahre später bei den Spielen in Moskau sprang die Bronzemedaille heraus.

In einem Nachruf der Leipziger Volkszeitung (Autor Frank Schober) wird die Handballerin des SC Leipzig zugleich als eine der erfolgreichsten Sportlerinnen aller Zeiten in ihrer Heimatstadt gewürdigt. Ihre Leipziger Mannschaftskollegin Barbara Helbig (82), die über viele Jahrzehnte den Kontakt zu Hannelore Zober aufrechterhalten hat, erinnert sich an die gemeinsame Zeit mit ihr: „Hannelore war ein Ausnahmetalent. Aber sie war eine komplette Torhüterin. Ihr Ehrgeiz war enorm. Sie hat im Training nie geschludert, hat immer um ihren Stammplatz gekämpft. Und wenn sie mal ein Ding gegen die Birne bekommen hat, dann hieß es kurz ‚aua‘ – und dann ging es schon weiter“, heißt es in dem Nachruf wörtlich.

Hannelore Zober war ausgebildete Elektromontageschlosserin mit Meisterbrief. Sie studierte an der DHfK Leipzig und war nach der Wende im Sozialbereich tätig. Zuletzt lebte sie sehr zurückgezogen und war auch nicht mehr bei den regelmäßigen Wiedersehenstreffen der Weltmeisterinnen und Olympiamedaillen-Gewinnerinnen dabei. Ihre Olympia-Mitspielerinnen von Montreal 1976 werden sich übernächste Woche in Hannover beim Treffen 50 Jahre nach Montreal auf Einladung des Deutschen Olympischen Sportbundes gern und mit großer Dankbarkeit an ihre 1,73 Meter große reaktionsschnelle Weltklasse-Torfrau und die gemeinsame (Spiel-) Zeit mir ihr erinnern.

Prof. Dr. Detlef Kuhlmann