Mit neuerlicher Energieleistung ins Halbfinale
Jetzt geht's in Richtung Medaillen
Was zeigt diese Mannschaft einen Glauben an sich selbst, eine Moral und eine Leidenschaft. Spiel für Spiel, immer wieder aufs Neue. Von Drucksituationen hatte man im Vorfeld des WM-Viertelfinales geredet, die die K.o.-Spiele von Partien aus der Vor- und Hauptrunde unterscheiden. Druck, der das Nervenkostüm beansprucht, aber auch Druck, der das Team von Christopher Nordmeyer immer wieder an sich abprallen lässt, wenn es darauf ankommt. Mit 23:22 (10:13) besiegte Deutschlands U20-Nationalmannschaft weiblich in der Runde der acht weltbesten Teams und steht nun am Freitag, 10 Uhr deutsche Zeit, in der Vorschlussrunde gegen Frankreich. Die Partie wird live bei Dyn übertragen.
Der U19-Europameister machte es fast wie immer. Er hatte in der ersten Halbzeit das Nachsehen, zwischendurch mit bis zu fünf Toren (7:12, 21.), spielte im zweiten Durchgang erneut seinen fast schon obligatorischen Vorteil in Sachen Kondition und Abgeklärtheit aus und drehte den Rückstand. „Wir sind überglücklich, den Rückstand wieder einmal noch umgebogen zu haben. Überragend, wie die Mannschaft das hinbekommen hat. Abwehr- und Torhüterleistung waren in der zweiten Halbzeit großartig", sagte Trainer Nordmeyer.
Die dramatische Endphase von Jinzhong im Zeitraffer: Nach Marleen Kerns Treffer zum 23:20 (56.) holte Norwegens Top-Torschützin Ada Aalstad mit einem Doppelschlag den Anschluss zurück, Deutschland verlor zweimal den Ball, während Lena Lindemann noch einmal gegen Aalstads Rückraumversuch zur Stelle war, Chiara Rohr hellwach einen norwegischen Pass auf Rechtsaußen abfing und die letzten drei Sekunden für einen finalen Angriff den Skandinavierinnen nicht mehr ausreichten, um Lindemanns Tor noch einmal gefährlich ins Visier zu nehmen. Die Schlusssirene erlöste das DHB-Team aus dem Krimi und führte es ins Halbfinale gegen die Equipe tricolore. Frauen-Bundestrainer Markus Gaugisch, der in China vor Ort ist, gratulierte: „Herzlichen Glückwunsch an die Mädels zum Einzug in das Halbfinale. In der zweiten Halbzeit haben sie über eine super Abwehr und damit verbunden dem Gegenstoßspiel die Möglichkeit gehabt, Druck zu machen. Durch diese super Deckungsleistung inklusiver toller Torhüterin-Qualität haben sie den Einstieg ins Spiel gefunden. Jetzt freuen wir uns auf das Halbfinale."
Die ersten Minuten deuteten an, dass die beiden Torhüterinnen in dieser Begegnung eine Schlüsselrolle einnehmen werden. Norwegens Leah Langaard war nach einer Viertelstunde bei sieben Paraden angekommen, bis zur Pause schraubte sie ihren Wert auf 14 nach oben. Ihre Klasse trieb den deutschen Angriff mitunter zur Verzweiflung. Vor allem gegen die Würfe aus der Nahdistanz stand Langaard wie eine Eins. Der Angriff entpuppte sich als Problemfeld, was die Deckung inklusive Lena Lindemann zwischen den Pfosten sowie acht norwegische Ballverluste kompensierten. So führten die Nordeuropäerinnen zum Kabinengang „nur“ mit 13:10. Durch acht gegentorlose Minuten (21. bis 29.) blieb Nordmeyers Team dabei auf Tuchfühlung.
Die Nachjustierungen in der Pause wirkten erst mit leichter Verspätung, dann aber umso besser. Nach dem 1:3-Start in die zweite Halbzeit spielte die DHB-Auswahl wieder so, wie es nach Wiederbeginn fast schon Tradition hat. Sechs Tore nach Gang und elf Minuten mit weißer Weste in der Deckung brachten die erstmalige Führung durch Chiara Rohr ein (18:17, 44.). Die Abwehr ließ Norwegen jetzt regelrecht an sich abprallen und was durchkam, wurde die Beute von Lena Lindemann. 16 Paraden waren ein berechtigter Grund, zur Spielerin des Spiels gewählt zu werden. Auch wenn’s hinten heraus eng blieb, ließ sich Nordmeyers Team den Vorsprung nicht mehr streitig machen und fiebert jetzt dem nahen Medaillentraum entgegen.
Auf dem Weg dorthin geht’s gegen die starken Französinnen, die ihr Viertelfinale mit 33:23 gegen Montenegro gewannen. Erst kürzlich standen sich beide Teams beim WM-Vorbereitungsturnier im Großraum Hannover gegenüber und trennten sich unentschieden. „Jetzt müssen wir schnell unsere ganze Energie sammeln, um am Freitag fit zu sein", so Nordmeyer.
Deutschland: Lindemann, Steinecke – Walther, Egeling (1), Njinkeu (3), Mittag, Rohr (6/1), Litvinov (2), Lammich (2), Bornhardt (2), Kern (2), Niemann, Klocke, Tucholke (4), Ott (1), Goldammer.
Schiedsrichterinnen: Heidy El Saied/Yasmina El Saied (Ägypten).
Zeitstrafen: Deutschland 2 – Norwegen 1.
Siebenmeter: Deutschland 2/1 – Norwegen 2/2.