Von Finky Finkelmann bis Jimmy Prüsse
Kurzporträts der noch lebenden Feldhandball-Weltmeister und Vizeweltmeister von 1966
Sie sind seit 60 Jahren Weltmeister und Vizeweltmeister: Die Teams des Deutschen Handballbundes (DHB) der Bundesrepublik und des Deutschen Handballverbandes (DHV) der DDR belegten bei der VII. und letzten Feldhandball-Weltmeisterschaft vom 25. Juni bis 3. Juli 1966 in Österreich Platz eins bzw. zwei. Diese zehn 66er-Weltmeister des DHB leben noch und dürfen jetzt ihr 60-jähriges Jubiläum als ewige Feldhandball-Weltmeister feiern. Das sind ihre Kurzporträts:
Diethard („Finky“) Finkelmann (84) bestritt 68 Länderspiele für den DHB und erzielte dabei 50 Tore. Er war aktiv bei den Reinickendorfer Füchsen Berlin (heute Füchse Berlin) und spielte danach auch für den Hamburger SV. Er war 1965 mit dem Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband (adh) auch Studenten-Weltmeister im Hallenhandball. Der pensionierte Studiendirektor für Sport und Mathematik lebt in Berlin.
Erwin Heuer (86) bestritt 14 Länderspiele für den DHB und erzielte dabei sechs Tore. Er war aktiv bei Grün-Weiß Dankersen (heute GWD Minden) und später für den TuS Nettelstedt (heute TuS-N Lübbecke). Er war als Technischer Leiter in der Modebranche tätig und lebt in Hille im Kreis Minden-Lübbecke.
Josef („Sepp“) Karrer (87) bestritt 28 Länderspiele für den DHB und erzielte dabei 127 Tore. Er war 1963 mit dem DHB-Team Vizeweltmeister und aktiv beim TV Großwallstadt, in der Saison 1971/72 Torschützenkönig der Bundesliga und spielte später für den TSV Lohr. Der gelernte Bauschlosser arbeitete später als Bankangestellter und lebt in Großwallstadt im Landkreis Miltenberg.
Rudi Kirsch (87) bestritt fünf Länderspiele für den DHB und erzielte dabei drei Tore. Er war aktiv beim Turnerbund Stöcken, einem Stadtteilverein von Hannover. Er war als Bereichsleiter in der Verpackungsindustrie tätig und lebt im Stadtbezirk Herrenhausen-Stöcken in Hannover.
Werner Knecht (90) bestritt neun Länderspiele für den DHB und erzielte dabei drei Tore. Er war aktiv bei der Turnerschaft Esslingen und beruflich bei einer Bausparkasse und später in der Immobilienbranche tätig. Er lebt in Denkendorf im Landkreis Esslingen.
Herbert Lübking (84) bestritt 139 Länderspiele für den DHB und erzielte dabei 650 Tore. Er war mit dem DHB-Team 1963 Vizeweltmeister und ist der erste Rekordnationalspieler des DHB mit 100 Länderspieleinsätzen und mit 4,7 Toren pro Spiel der bis heute toreffektivste DHB-Nationalspieler. Er war aktiv bei Grün-Weiß Dankersen (heute GWD Minden) und später u.a. als Spielertrainer beim TuS Nettelstedt (heute TuS-N Lübbecke) und beim TBV Lemgo (heute: TBV Lemgo-Lippe). Herbert Lübking durfte sich im Dezember 2025 in das Goldene Buch des DHB eintragen. Er war beruflich als Verkaufsleiter in der Modebranche tätig und lebt in Minden.
Bernd („Muncky“) Munck (83) bestritt 116 Länderspiele für den DHB und erzielte dabei 317 Tore. Er war aktiv bei Grün-Weiß Dankersen (heute GWD Minden), früher bei Eintracht Hildesheim und später u.a. beim PSV Hannover. Der pensionierte Oberstudienrat für Sport und Biologie lebt in einem Seniorenheim in Burgwedel in der Region Hannover.
Erwin Porzner (90) bestritt 40 Länderspiele für den DHB und erzielte dabei 93 Tore. Der Mannschaftskapitän war schon 1959 mit der gesamtdeutschen Mannschaft Weltmeister und 1963 mit dem DHB-Team Vizeweltmeister. Er ist der „ewige“ DHB-Rekordnationalspieler im Feldhandball (33 Einsätze, 86 Tore) und war aktiv beim TSV Ansbach als Spieler und als Trainer. Von 1972 bis 1974 übte Erwin Porzner das Amt des Männer-Spielwarts im DHB aus. Er war beruflich als Jurist in der bayerischen Staatsverwaltung tätig und lebt in Ansbach in Mittelfranken.
Herbert Schmidt (88) bestritt zehn Länderspiele für den DHB und erzielte dabei ein Tor. Er war aktiv beim TuS Wellinghofen, einem Stadtteilverein von Dortmund, und beruflich als Techniker tätig. Er lebt in Wellinghofen im Süden von Dortmund.
Volker Schneller (88) bestritt 27 Länderspiele für den DHB und erzielte dabei 69 Tore. Er war 1963 mit dem DHB-Team Vizeweltmeister und aktiv beim TSV Ansbach, davor spielte er beim Flensburger Turnerbund. Von 1972 bis 1974 trainierte Volker Schneller die Frauen-Mannschaft des DHB. Der gelernte Drucker arbeitete in der Spielerbetreuung bei der Firma adidas und lebt in Herzogenaurach im Landkreis Erlangen-Höchstadt.
Inzwischen verstorben sind: Gerhard Biefang (ESV Jahn Reinhausen), Karl Öhlschläger (SG Leutershausen), Günther Wriedt (TSV Büdelsdorf), Peter Hattig (TuS Wellinghofen), Erich Kolb (TSV Birkenau) und Max Zwierkowski (TV Krefeld-Oppum).
Diese fünf 66er-Vizeweltmeister leben noch und dürfen jetzt ihr 60-jähriges Jubiläum als ewige Feldhandball-Vizeweltmeister feiern. Das sind ihre Kurz-Porträts:
Reiner („Hugo“) Ganschow (81) bestritt 206 Länderspiele für den DHV und erzielte dabei 754 Tore. Er wurde mit der DDR-Mannschaft 1970 in Frankreich und 1974 in der DDR Vizeweltmeister in der Halle. Er war aktiv beim SC Empor Rostock. Der Diplom-Sportlehrer der DHfK Leipzig trainierte später unter anderem die Nationalmannschaften von Algerien (Frauen) und Tunesien (Männer) und war nach der Wende Sportlehrer in der Schweiz. Er lebt in Rostock.
Klaus Langhoff (87) bestritt 144 Länderspiele für den DHV und erzielte dabei 171 Tore. Klaus Langhoff wurde 1963 in der Schweiz Weltmeister mit dem DHV der DDR im Feldhandball und 1970 in Frankreich Vizeweltmeister in der Halle. Er war aktiv beim SC DHfK Leipzig und beim SC Empor Rostock. Er trainierte zusammen mit Paul Tiedemann die DDR-Auswahl, die bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau die Goldmedaille errang. Nach der Wende arbeitete Klaus Langhoff bis 2004 als verantwortlicher DHB-Nachwuchstrainer im männlichen Bereich. Klaus Langhoff durfte sich im Dezember 2018 in das Goldene Buch des DHB eintragen. Der studierte Diplom-Sportlehrer der DHfK Leipzig lebt auf der Halbinsel Fischland an der Ostseeküste zwischen Rostock und Stralsund.
Klaus Jürgen („Jimmy“) Prüsse (87) bestritt als Torwart 30 Länderspiele für den DHV. Klaus Jürgen Prüsse wurde 1963 in der Schweiz Weltmeister mit dem DHV der DDR und galt als bester Feldhandball-Torwart der Welt. Er war aktiv beim SC Empor Rostock und davor für die Einheit Wismar. Der pensionierte Gymnasiallehrer an der CJD Christophorus-Schule Rostock mit dem Profil Leistungssport lebt in Rostock.
Karlheinz Rost (81) bestritt 104 Länderspiele für den DHV und erzielte dabei 339 Tore. Er wurde mit der DDR-Mannschaft 1970 in Frankreich Vizeweltmeister in der Halle. Er war aktiv beim SC Leipzig, später bei der BSG Motor Eisenach als Spielertrainer. Der gelernte Schlosser absolvierte ein Studium als Diplom-Sportlehrer an der DHfK Leipzig, arbeitete als Sportlehrer und Handballtrainer und lebt in Eichenzell im Landkreis Fulda.
Hans-Dieter („Schmortte“) Wöhler (84) bestritt sieben Länderspiele für den DHV und erzielte dabei 13 Tore. Er war aktiv beim SC DHfK Leipzig. Der Diplom-Sportlehrer der DHfK Leipzig hatte sogar seine Diplomarbeit noch über ein Thema zum Feldhandball geschrieben. Er arbeitete später als Gründer und Leiter des Hochschulsports an der Hochschule für Bauwesen in Leipzig und lebt in Leipzig.
Inzwischen verstorben sind: Dieter Bernhardt (SC Magdeburg), Herbert Liedtke und Klaus Müller (beide ASK Vorwärts Berlin), Rudi Hirsch, Klaus Petzold, Werner Senger, Klaus Weiß, Günter Zeitler und Rainer Zimmermann (alle SC Dynamo Berlin), Paul Tiedemann und Siegfried Warm (beide SC DHfK Leipzig).
Der Kontakt innerhalb der DHB-Weltmeister ist seit 1966 nie abgerissen, und was die Vizeweltmeister von 1966 angeht, konnten inzwischen alle noch lebenden Mitspieler auf Initiative des DHB ausfindig gemacht werden. „Im Namen des DHB-Vorstands gratuliere ich allen Weltmeistern und Vizeweltmeistern sehr herzlich zu diesem außergewöhnlichen Jubiläum,“ beglückwünscht Mark Schober, Vorstandsvorsitzender des DHB, die noch lebenden Spieler und ergänzt: „Wir als DHB werden alle Weltmeister und Vizeweltmeister mit Begleitungen zu einem Wiedersehen einladen. Damit möchten wir unsere hohe Anerkennung für deren großartigen Erfolge zum Ausdruck bringen.“
Bei diesem Treffen können alle gemeinsam noch einmal 60 Jahre nach der WM von Linz freundschaftlich-fröhlich in alten Erinnerungen schwelgen, wie das schon 1991 und damit 25 Jahre nach der legendären WM der Fall war: Da hatten die Österreicher das Team des DHB und das des inzwischen aufgelösten DHV der DDR erneut zu sich eingeladen. Im freundschaftlichen Vergleich „jeder gegen jeden“ gab es übrigens die gleiche Platzierung wie schon 1966 bei der „richtigen“ WM …
Rückblick auf den Verlauf der Feldhandball-Weltmeisterschaft vor 60 Jahren
Prof. Dr. Detlef Kuhlmann