Zweikampfstarker Dauerläufer und ewiger Weltmeister
Feldhandballer Werner Knecht wird 90 / Sternstunde bei WM 1966
Werner Knecht, seit jetzt 60 Jahren Weltmeister auf Großfeld mit der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB), wird am Samstag, 27. Juni 2026, 90 Jahre alt. Der Jubilar gehörte 1996 in Linz (Österreich) zum siegreichen DHB-Team bei der VII. und letzten Feldhandball-Weltmeisterschaft punktgleich mit dem besseren Torverhältnis vor der Mannschaft des Deutschen Handballverbandes (DHV) der DDR.
Werner Knecht hat daher anlässlich seines 90. Geburtstag sogar noch einen weiteren Grund zum Feiern: sein 60-jähriges Jubiläum als „ewiger Weltmeister“. An seinem 30. Geburtstag damals bei der Weltmeisterschaft hatte das DHB-Team übrigens spielfrei. Werner Knecht konnte aber vorher und hinterher als „Läufer“ mit dem DHB-Team vier teils hart umkämpfte und teils hohe Siege feiern – mehr noch: Am Ende reichte ein 15:15-Unentschieden gegen die mit favorisierte DDR-Auswahl zum WM-Titelgewinn.
Werner Knecht war bei der WM 1966 der einzige Spieler aus dem Einzugsbereich des heutigen Baden-Württembergischen Handball-Verbandes. Er bestritt in den Jahren 1962 bis 1968 insgesamt neun Feldhandball-Länderspiele im meist weißen DHB-Trikot. Für den Titelgewinn 1966 wurde er zusammen mit der Mannschaft von DHB-Trainer Werner Vick (1920-2000) durch den damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet: „Werner verfügte über sehr gute athletische Voraussetzungen und war unser Dauerläufer. Er war auch ein zweikampfstarker Abwehrspieler, ohne dabei unfair zu agieren “, erinnert sich DHB-Mannschaftskapitän Erwin Porzner (90) und gratuliert Werner Knecht im Namen aller noch lebenden 66er Weltmeister.
Werner Knecht war im Handball für die Turnerschaft Esslingen aktiv und gilt bis heute als deren erfolgreichste Spielerpersönlichkeit. Die Turnerschaft Esslingen zählte in den 1960er Jahren zu den besten Handball-Mannschaften im süddeutschen Raum: Im Feldhandball gehörte die Turnerschaft Esslingen in der Saison 1969/70 der Staffel Süd der zweiteiligen Bundesliga an. „Hallenhandball war zu meiner Zeit noch nicht so attraktiv, es gab kaum Hallen und außerdem standen wir immer im Schatten von Frischauf Göppingen“, erinnert sich der Jubilar heute mit einem Schmunzeln. Werner Knecht blieb auch im Alter weiter draußen aktiv und wechselte zum Tennissport.
Seinen 90. Geburtstag verbringt „Noschke“ Knecht, der beruflich in der Versicherungs- und später in der Immobilienbranche tätig war, in aller schwäbischen Bescheidenheit und Gemütlichkeit daheim zusammen mit der Familie an seinem Wohnort in Denkendorf im Landkreis Esslingen. Die DHB-Familie schließt sich den Gratulanten an.
Prof. Dr. Detlef Kuhlmann