Wegbereiter für den SC DHfK Leipzig
Vize-Weltmeister Hans-Dieter Wöhler wird 85 Jahre alt
Vor genau 60 Jahren wurde er mit der Auswahl des Deutschen Handballverbandes (DHV) der DDR in Linz (Österreich) Vize-Weltmeister im Feldhandball. Und an diesem Mittwoch, 29. Juli 2026, feiert er seinen 85. Geburtstag an seinem Wohnort in Leipzig: Insofern hat Hans-Dieter („Schmortte“) Wöhler jetzt sogar zwei Anlässe zum Feiern. Er ist nämlich immer noch Vize-Weltmeister und darf diesen Titel „ewig“ tragen: Das waren damals die letzten Titelkämpfe in dieser open-Air-Variante des Handballspiels, die es heute weltweit nicht mehr gibt.
Hans-Dieter Wöhler bestritt insgesamt sieben Länderspiele für den DHV der DDR und erzielte dabei 13 Tore. Vor genau 60 Jahren hatte der Jubilar auch seinen größten sportlichen Erfolg mit der Mannschaft des SC DHfK Leipzig: Unter der Trainer-Legende Hans-Gert Stein (1929-1998) wurde er Europapokalsieger der Landesmeister in Paris im Finale mit einem 16:14 (9:7) Sieg gegen Honved Budapest SE mit dem Weltklassestar und Freiwurfspezialisten Istvan Varga (1943-2014), der später beim westdeutschen Regionalisten TuS Spenge seine Karriere ausklingen ließ. Zu den Leipziger Mannschaftskameraden von Hans-Dieter Wöhler zählten damals neben anderen: Erwin Kaldarasch (86), Hans-Jürgen Eichhorn (82), Peter Randt (85) und Otto Hölke (88). Mit ihnen war Wöhler auch viermal DDR-Meister.
Der heute 87-jährige Klaus Langhoff spielte mit Wöhler sowohl in der DDR-Nationalmannschaft als auch beim SC DHfK Leipzig zusammen. „Hans-Dieter war nicht nur ein sehr guter Handballer und tadelloser Sportsmann, er war auch später im Beruf als Sportpädagoge hochanerkennt“, erinnert sich der spätere DDR-Nationaltrainer Langhoff, der nach der Wende beim Deutschen Handballbund (DHB) bis 2004 unter anderem als verantwortlicher Nachwuchstrainer im männlichen Bereich tätig war.
Hans-Dieter Wöhler wuchs im brandenburgischen Doberlug-Kirchhain im Elbe-Elster-Kreis auf. Um dem Militärdienst zu entgehen, musste er nach dem Abitur zunächst ein Jahr in der Produktion als Kesselwärter in einem Chemiekombinat arbeiten, bevor er 1961 das Studium an der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) in Leipzig aufnehmen konnte. „Faktoren, die die Leistungserwartung im Feldhandball beeinflussen“ – so lautete übrigens der Titel seiner Diplomarbeit, die er im Jahre 1967 abschloss.
Beruflich machte Wöhler als Gründer und Leiter des Hochschulsports an der Hochschule für Bauwesen (später: Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur) in Leipzig Karriere, wo er nach 40 Berufsjahren ausschied: Zu Ehren Wöhlers wird an der Hochschule das nach ihm benannte Sportturnier um den „Hans-Dieter-Wöhler-Cup“ (HDW-Cup) ausgetragen.
Seine Leistungssport-Karriere im Handball musste Wöhler verletzungsbedingt im Jahre 1969 aufgeben, widmete sich danach schwerpunktmäßig als Freizeitsportler den Rückschlagspielen Volleyball und Badminton, ohne jedoch den Kontakt zu seinen „alten“ DHfK-Handballern nie ganz abreißen zu lassen – mehr noch: Als der Männer-Handball in Leipzig in den 1990er Jahren abzustürzen drohte, hatte Hans-Dieter Wöhler die glorreiche Idee zur Zusammenführung von SG Motor Gohlis-Nord und dem SC DHfK Leipzig. „Der Rat erwies sich letztlich als Volltreffer“, schreibt Winfrid Wächter auf der Homepage des SC DHfK Leipzig über die Leipziger-Handball-Legende Hans-Dieter Wöhler. Der ordnet das in aller Bescheidenheit selbst so ein: „Das war doch nur ein kleiner Hinweis, dort mal anzufragen.“
Damals wie heute schlägt Wöhlers Herz für „seinen“ SC DHfK: Früher verfolgte er die Heimspiele in der Ernst-Grube Halle, der einst größten Sporthalle der DDR, wo er selbst vorzugsweise auf der linken Angriffsseite wirkte. Heute sitzt er – wenn immer es seine körperliche Beeinträchtigung zulässt – auf der Tribüne in der benachbarten Arena „Am Sportforum 2“ – demnächst dann bei den Spielen (leider wieder) in der 2. Liga. Die DHB-Handballfamilie gratuliert Hans-Dieter Wöhler zu seinem 85. Geburtstag und wünscht ihm alles Gute für das neue Lebensjahr.
Prof. Dr. Detlef Kuhlmann