Entscheidender Wurf zum DDR-Gold
Olympiasieger Hans-Georg Beyer wird 70 / Rechtsaußen war 1980 einer der Youngster
Er warf in der Verlängerung das entscheidende letzte Tor zum 23:21 beim überraschenden 23:22-Sieg gegen die Sowjetunion und damit zum ersten und bisher einzigen deutschen Olympiasieg im Hallenhandball der Männer 1980 in Moskau: Am Donnerstag, 3. September 2026, wird Olympiasieger Hans-Georg („Hansi“) Beyer in Potsdam 70 Jahre alt.
Der Linkshänder Beyer gehörte im Team des Deutschen Handballverbandes (DHV) der DDR zusammen mit dem Berliner Rainer Höft (70), dem Rostocker Frank-Michael Wahl (70) und Ingolf Wiegert (68) aus Magdeburg damals zu den vier Youngstern der beiden DHV-Trainer Paul Tiedemann (1935-2014) und dem heute 87-jährigen Klaus Langhoff: „Hans-Georg war unser gesetzter Rechtsaußen. Bei seinen sehenswerten Sprungwürfen aus ganz spitzem Winkel musste man fast Angst bekommen, dass er sich dabei verletzen würde“, erinnert sich Langhoff, der nach der Wende bis 2004 unter anderem als verantwortlicher Nachwuchstrainer im männlichen Bereich des DHB tätig war.
Hans-Georg Beyer wurde in Eisenhüttenstadt im Landkreis Oder-Spree des Landes Brandenburg als zweitältester von sechs Geschwistern geboren und spielte zunächst bei der BSG Stahl Eisenhüttenstadt. Er besuchte ab 1971 die Kinder- und Jugendsportschule in Frankfurt (Oder) und wurde mit dem dortigen ASK in den Jahren 1975 und 1982 unter der Spieler- und Trainerlegende Waldemar Pappusch (1936-2024) DDR-Meister. Gerade aus der Jugend zum Senior gewechselt, gewann er ebenfalls im Jahre 1975 den Europapokal der Landesmeister im Finale mit 19:17 gegen Borac Banja Luka (damals Jugoslawien, heue Bosnien und Herzegowina) in der Dortmunder Westfalenhalle. Im Halbfinale hatten die Frankfurter übrigens im deutsch-deutschen Duell den VfL Gummersbach geschlagen.
Insgesamt 46-mal trug der Jubilar das Trikot des DHV der DDR und musste nach der zweiten Bandscheibenoperation seine sportliche Karriere endgültig beenden. Von 1998 bis 2006 war er Trainer des Ludwigsfelder HC. Beruflich war Hans-Georg Beyer zu DDR-Zeiten Leutnant bei der Nationalen Volksarmee und nach der deutschen Wiedervereinigung zunächst Sportinternatsleiter beim ASK Vorwärts Potsdam sowie später als studierter Pädagoge im Kinderheim „Eva Laube“ des Evangelischen Jugendfürsorgewerks in Potsdam-Babelsberg tätig.
Zum Bewegungsalltag gehören heute regelmäßige Spaziergänge mit Aussie-Hund „Paul“ bis in den Berliner Grunewald. Der runde Geburtstag mit Ehefrau Martina, den beiden Söhnen Christian und Sebastian wird in der Großfamilie Beyer zusammen mit dem 90. Geburtstag von Vater Hans-Georg groß gefeiert. Dazu gehören selbstverständlich dann auch alle Geschwister – allen voran Udo (71) und Gisela (66), denn da war noch was: Als Hans-Georg 1980 in Moskau Olympia-Gold als Handballer gewann, krönte Udo, der als Kugelstoßer schon 1976 Olympiasieger 1976 in Montreal geworden war, zur gleichen Stunde seine Teilnahme in Moskau exakt mit der gleichen Weite von 21,06 m mit dem Gewinn der Bronzemedaille, während die „kleine“ Beyer-Schwester Gisela einen Tag später im Diskuswerfen Vierte wurde. Drei olympische Medaillen, davon zwei goldene von einem Bruder-Duo in ganz unterschiedlichen (Wurf-) Disziplinen und ein Platz ganz nah am Treppchen, das kommt bei Olympischen Spielen nicht alle Tage vor und dürfte auf der Geburtstagsfeier der Familie Beyer sicher beiläufig noch einmal Thema sein. Die DHB-Handballfamilie schließt sich den Glückwünschen zum 70. Geburtstag von Olympiasieger Hans-Georg Beyer an!
Prof. Dr. Detlef Kuhlmann