Gerd Rosendahl bei einem Länderspiel im Jahr 1977
Gerd Rosendahl bei einem Länderspiel im Jahr 1977. - Foto: Imago

Weltmeister Gerd Rosendahl vollendet 70. Lebensjahr

07.09.2026 | Verband

 

Weltmeister Gerd Rosendahl vollendet am Dienstag, 8. September 2026, sein 70. Lebensjahr. Der Linkshänder gehörte zum siegreichen Team des Deutschen Handballbundes (DHB) mit Kapitän Horst Spengler (76), das am 5. Februar 1978 vor 7.000 Zuschauern in Kopenhagen mit 20:19 (11:11) gegen die hochfavorisierte Sowjetunion überraschend den ersten Weltmeistertitel des DHB in der Halle überhaupt gewann.


Gerd Rosendahl wurde in Duisburg geboren. Er stammt aus einer Handballfamilie: Schon sein Vater Gerd-Ernst spielte erfolgreich Feldhandball bei Hamborn 07 unter anderem mit dem zweimaligen DHB-Weltmeister Walter Schädlich (1922-2016). Gerd erlernte als C-Jugendlicher das Handballspiel beim TV Oestrum, wo auch drei seiner vier Geschwister aktiv waren. Später wechselte er zum VfL Rheinhausen: Als B-Jugendlicher wurde er hier westdeutscher Meister, als A-Jugendlicher Vize und in dieser Zeit im Ehrenamt Sprecher der DHB-Jugend; ebenso avancierte Gerd zum Junioren-Nationalspieler des DHB.

Mit dem OSC Rheinhausen spielte Gerd Rosendahl in der Bundesliga und war schon mit 19 Jahren dessen Kapitän. Obwohl sein damaliger DHB-Bundestrainer Vlado Stenzel (92) ihm davon abriet, schloss er sich dann aber dem VfL Gummersbach an, mit dem er zwei Titel als Deutscher Meister (1982 und 1983) und zwei DHB-Pokalsiege (ebenfalls 1982 und 1983) feierte sowie je einmal den Europapokal der Landesmeister (1983), den Europapokal der Pokalsieger (1979) und den IHF-Pokal (1982) unter anderem zusammen mit den 1978er-Weltmeistern Heiner Brand (74) und Claus Fey (71) gewinnen konnte. 1984 wechselte Gerd Rosendahl zum TuS Wermelskirchen, bevor er zwei Jahre später seine Bundesliga-Karriere beim VfL Gummersbach ganz ausklingen ließ.

Der abwehrstarke Gerd Rosendahl bestritt 28 Länderspiele für den DHB und erzielte dabei 28 Tore von der Position Rechtsaußen, die er sich im DHB-Team seinerzeit mit Arnulf Meffle (68) teilte: „Damals war der Spitzenhandball noch nicht so athletisch und temporeich wie heute“, erinnert sich Gerd Rosendahl an erfolgreiche Zeiten in Gummersbach und in der Nationalmannschaft vor fast 50 Jahren.

Nach Abschluss seiner sportlichen Karriere gelang dem gelernten Maschinenschlosser mit Fachabitur und Studium der Fächer Maschinenbau und Produktionstechnik am Campus Gummersbach der Technischen Hochschule (TH) Köln eine beeindruckende berufliche Karriere: Diese begann als Manager beim Automobilzulieferer Teves in Bergneustadt, den er nach einem Management-Buy-Out mit seinem Führungsteam zu einem weltweit agierenden Unternehmen mit 5.500 Mitarbeitern an weltweit 15 Standorten ausbaute, bevor Rosendahl zwei branchenähnliche US-amerikanische Unternehmen leitete. Seine letzte berufliche Station war dann das staatsnahe slowenische Unternehmen Cimos, das er bis 2017 als Vorstandsvorsitzender führte und in dieser Zeit privatisierte: „Als Manager ist man eine Mischung aus Teamplayer und Leader. Man muss im Team funktionieren, aber irgendwann muss man auch mal deutlich sagen, wo es langgeht“, charakterisiert Gerd Rosendahl als rüstiger Ruheständler heute seinen damaligen Führungsstil, bei dem er stets auf „Anleihen“ aus seiner Handballkarriere zurückgreifen konnte.

Auch mit 70 Jahren hält sich Gerd Rosendahl sportlich fit mit Golf, Fahrradfahren, Krafttraining und Saunagängen. Der Kontakt zu seinem seit dem schweren Unfall in Tatabanya 1979 pflegebedürftigen Gummersbacher Nationalmannschafts-Kameraden Joachim Deckarm (72) ist ihm gemeinsam mit den alten Weggefährten des VfL Gummersbach und der 1978er-Weltmeistermannschaft sehr wichtig: „Der damalige Sportunfall von Joachim hat auch unser Leben sehr beeinflusst und geprägt. Sein Schicksal hat zu einem großen Zusammenhalt der Handballfamilie geführt.“

Vom VfL Gummersbach, dessen Heimspiele Gerd Rosendahl als Dauerkarteninhaber auch heute noch stets verfolgt, bekam er 2006 als dritter von insgesamt sechzehn VfL-Spielern das All-Star-Trikot des VfL überreicht. Seiner Wahlheimat Gummersbach im Oberbergischen Land ist der Jubilar ebenfalls bis heute treu geblieben. Der runde Geburtstag wird zünftig gefeiert mit Ehefrau Anne, den drei Kindern Stephan, Michael und Julia aus erster Ehe, zwei Enkelkindern, den Schwiegerkindern sowie der gesamten großen Familie und Freunden. Präsidium und Vorstand des DHB schließen sich den zahlreichen Glückwünschen zum 70. Geburtstag von Weltmeister Gerd Rosendahl an.

Text: Prof. Dr. Detlef Kuhlmann