Leiter und Lenker des Angriffsspiels
Peter Rost feiert 75. Geburtstag – Olympiagold 1980 in Moskau
Peter Rost, mit der Auswahl des Deutschen Handballverbandes (DHV) der DDR 1980 in Moskau Olympiasieger im Hallenhandball, feiert am Montag, 29. Juni 2026, seinen 75. Geburtstag.
Der in Leipzig geborene Peter Rost trug insgesamt 216-mal das vorzugsweise weiße Trikot des DHV der DDR. Als Spielmacher auf der Position Rückraum-Mitte war er der Leiter und Lenker des Angriffsspiels und erzielte insgesamt 339 Tore. Bereits 1974 bei der Weltmeisterschaft in der DDR war Peter Rost dabei. Seine Mannschaft unterlag damals in der Berliner Werner-Seelenbinder-Halle (heute Velodrom) erst im Finale mit 12:14 den Rumänen mit Weltklassetorhüter Cornel Penu und Spielmacher Cristian Gatu. Seitdem darf sich der Jubilar Rost unter anderem zusammen mit Torhüter Siegfried Voigt (75) und Linkshänder Reiner Ganschow (81) Vize-Weltmeister nennen.
Weil sich das Team der DDR nach dem verlorenen direkten Vergleich mit der Auswahl des Deutschen Handballbunds (DHB) nicht für die Olympischen Spiele 1976 in Montreal qualifiziert hatte, wurde Peter Rost von der politischen Sportführung der DDR ausdelegiert und erst wieder für Olympia 1980 in Moskau reaktiviert. „Das war der größte Moment in meiner sportlichen Laufbahn, die Goldmedaille umgehängt zu bekommen nach dem hart umkämpften Sieg gegen die übermächtige Sowjetunion“, schwärmt Peter Rost noch heute mit Gänsehautfeeling von dem 23:22-Olympiasieg nach Verlängerung gegen die Mannschaft von Cheftrainer Anatolyj Ewtuschenko (1934-2026) am 30. Juli 1980 im Moskauer Sportpalast Sokolniki. Zum siegreichen DDR-Team gehörte auch der spätere DHB-Frauen-Weltmeister-Trainer Lothar Doering (75).
Peter Rost begann seine Handballkarriere bei der Betriebs-Sportgemeinschaft (BSG) Leipzig Südwest und wurde 1970 DDR-Jugendmeister mit dem SC Leipzig, für den er bis 1984 spielte: 1972, 1976 und 1979 errang er jeweils den Titel als DDR-Meister. Für seine sportlichen Erfolge wurde Peter Rost 1980 mit dem Vaterländischen Orden der DDR in Silber und 1984 in Gold ausgezeichnet; im gleichen Jahr wurde er zum Handballer des Jahres der DDR gewählt.
Nach seiner aktiven Karriere begann der gelernte Fahrzeugschlosser und studierte Diplom-Sportlehrer der DHfK Leipzig seine Trainerkarriere beim Nachwuchs des SC Leipzig, danach coachte Peter Rost den Männer-Bundesligisten SC Magdeburg sowie die Frauen des Frankfurter HC. Eine weitere Station war dann der ThSV Eisenach. Zuletzt machte sich der Jubilar als Berater des 1. SC Concordia Delitzsch verdient.
Und da war noch etwas: Bälle als sportliches Spielgerät kamen in der Familie Rost immer schon reichlich und höchst erfolgreich zum Einsatz: Peters älterer Bruder Karlheinz Rost (81) war einer der weltbesten Spieler im linken Rückraum und ist unter anderem „ewiger“ Vize-Weltmeister mit der DDR auf Großfeld; Peters Ehefrau Christina Rost (72) spielte als Kreisläuferin 130-mal für die DDR und errang 1975 und 1978 den Weltmeistertitel sowie Silber und Bronze bei den Olympischen Spielen 1976 und 1980. Ihr gemeinsamer Sohn Frank, der einen Tag nach seinem Vater den 53. Geburtstag feiert, kennen die meisten noch als langjährigen Fußballtorwart bei den Bundesligisten SV Werder Bremen, FC Schalke 04 und dem Hamburger SV.
Dazu passt die Überlieferung, dass Sohnemann Frank Rost als kleines Kind zusammen mit dem gleichaltrigen Stefan Kretzschmar, später 218-maliger DHB-Nationalspieler und Sohnemann von DDR-Trainer Peter (1932-2018) und DDR-Nationalspielerin Waltraud (1948-2018), in den Leipziger Sporthallen beim Rumtollen mit Bällen kaum zu bremsen war, während die Eltern dort trainierten oder spielten. So wurde bei beiden beiläufig der „interfamiliäre Grundstein“ für deren großen Karrieren in den Ballspielen gelegt.
Peter Rost verbringt seinen 75. Geburtstag im engsten Familienkreis am Wohnort in Leipzig und hofft, im neuen Lebensjahr gesundheitlich bald wieder ganz und gut auf die Beine zu kommen. „Wir gratulieren Peter Rost sehr herzlich und mit besten Wünschen für einen schnellen und erfolgreichen Genesungsprozess. Wir freuen uns, Peter bald wieder im Club 100 zu begrüßen, in dem alle Nationalspielerrinnen und Nationalspieler mit mehr als 100 Einsätzen zusammenkommen“, gratuliert DHB-Präsident Andreas Michelmann im Namen von Präsidium und Vorstand des DHB.
Prof. Dr. Detlef Kuhlmann