Finn Meißner: "Wir haben richtig viele super-kreative Leute"
Der Linkshänder und Rückraumspieler aus Pforzheim erfüllt sich mit der EM einen Traum
Im Dezember wird Finn Meißner 18 Jahre – und seine Volljährigkeit will der Linkshänder und Rückraumspieler von der SG Pforzheim Eutingen mit einer EM-Medaille feiern. Vor dem ersten großen Turnier seiner Karriere, das am 29. Juni in Serbien (alle Partien live auf ehftv.com) beginnt, spricht Meißner über Kreativität, Mentalität und Stiere in der Mannschaft.
Wie beschreibst du deine Wurzeln im Handball, wie fing es an?
Finn Meißner: Ich spiele bei der SG Pforzheim Eutingen, seit ich klein bin. Das ist mein einziger Verein bis jetzt. Mein Vater ist schon seit Urzeiten als Funktionär im Verein tätig. Früher war er selber Spieler, und dadurch haben meine beiden älteren Brüder auch dort Handball gespielt. Daher war für mich auch klar, dass ich das mal ausprobieren will. Das war die Entscheidung zwischen Fußball und Handball. Ab dem Alter von neun oder zehn Jahren habe ich mich nur noch auf Handball fokussiert.
Wann war der Moment, als du gemerkt hast, dass beim Handball mehr drin ist als Bezirksliga?
Finn Meißner: Ganz am Anfang, in der E-Jugend, stand ich im Tor. Das war mir dann aber zu langweilig, weil wir immer so hoch gewonnen haben. Ich wollte im Feld spielen und durfte dann immer bei den Älteren mitspielen. Da hat man gesehen, dass da vielleicht ein bisschen mehr Talent ist, spätestens aber ab der C-Jugend oder B-Jugend war ich besser als die anderen.
Was hast du investiert, auf was musstest du verzichten, um das Talent weiterzuentwickeln?
Finn Meißner: Zum einen der Verzicht. Die Freunde gehen ins Freibad, ich stand in der Halle. Oder am Wochenende irgendwelche Geburtstage, und ich war drei Stunden entfernt bei einem Auswärtsspiel. Was ich investiert habe: ich habe mir nach den Trainingseinheiten nochmal einen Torhüter geschnappt und eine Viertelstunde einfach aufs Tor geballert. Oder im Kraftraum einfach mehr gemacht als andere. Zudem habe ich ganz viel Handball konsumiert, Bundesligaspiele geschaut, um mir von anderen Spielern irgendwelche Sachen abzuschauen. Dazu viele Gespräche über Handball mit Trainern und anderen Spielern.
Lohn der Mühen ist, dass du jetzt Jugend-Nationalspieler bist. Wie fühlt sich das an?
Finn Meißner: Ich bin sehr stolz auf das, was ich erreicht habe bis jetzt. Darauf will ich aufbauen. Das ist das Fundament. Aber ich will immer mehr, irgendwann später mal ganz oben spielen. Jetzt den Adler auf der Brust zu tragen ist eine tolle Bestätigung und motiviert mich, immer weiterzumachen.
Was macht diese U18-Mannschaft für dich aus?
Finn Meißner: Unser Trainer Erik Wudtke hat es schön gesagt, dass wir ein zusammengewürfelter Haufen mit Topspielern aus jedem Verein sind. Wir haben richtig viele super-kreative Leute, die alle viele gute Ideen haben. Und dazu sind alle menschlich und zwischenmenschlich sehr gut. Mit allen kann man zum Beispiel beim Essen viele Späße machen, mal einen Witz oder einen Spruch drücken, aber dann in der Halle auch sofort wieder den Fokus halten. In dieser Kooperation ist es einfach echt super, man kann sein Repertoire erweitern, weil alle ihre Ideen einbringen.
Wie sehen die Lehrgänge abseits von Training und Spielen aus?
Finn Meißner: Wir haben viele Seminare mit Erik, was Teambuilding angeht – kleine Spiele wie Axtwerfen mit Fake-Äxten auf eine Scheibe. Oder Vorträge und viele Videositzungen, in denen wir das Training auswerten, was gut war, was schlecht war. Dazu kommt die Regeneration mit Sauna oder Eistonne. Und in der Freizeit spielen wir oft Karten.
Mit der EM in Serbien liegt euer bislang größtes Turnier vor euch. Mit wie viel Vorfreude blickst du auf die Europameisterschaft?
Finn Meißner: Unglaublich viel Vorfreude. Ich arbeite auf das Ziel schon sehr, sehr lange hin, weil es einfach so ein Riesentraum ist, bei so einem großen Turnier teilzunehmen. Ich habe mich einfach nur gefreut, als ich eingeladen wurde. Das hat wirklich nochmal so einen Push in mir ausgelöst.
Was sind eure Ziele bei der Europameisterschaft?
Finn Meißner: Wir haben als Mannschaft noch nicht konkret darüber gesprochen, aber mein Ziel ist auf jeden Fall, Europameister zu werden, weil das, glaube ich, auch unser Anspruch ist. Und den wollen wir auch erfüllen.
Wenn du in drei Wochen auf die EM zurückblickst, an was willst du denken?
Finn Meißner: Ich will sagen können, dass ich die Leute, die ich schon seit Monaten oder Jahren kenne, noch viel besser kennengelernt habe. Dass ich mit denen auf und neben dem Feld Super-Connections habe. Dass wir super zusammengespielt haben. Dass ich meine persönlichen Ziele erreicht habe. Und einfach die Freude zu verspüren, wie wir den Weg von den harten Trainingseinheiten in der Vorbereitung bis durch die EM gegangen sind. Und das aus Leiden Glücksgefühle wurden.
Was unterscheidet euch von anderen Nationen, anderen Mannschaften?
Finn Meißner: Ich glaube, das ist so ein Paket von allem. Wir haben Mentalitätsspieler, die alles durch den Kampf schaffen. Wir haben super-kreative Spieler, die durch clevere Pässe den Weg zum Tor finden. Oder auch viele Eins-gegen-eins-Spezialisten, die wie ein Stier durchbrechen. Wir haben einen Mix aus allem, und das macht uns so unausrechenbar.
Wo würdest du dich einsortieren? Als Stier?
Finn Meißner: Nicht nur. Von der Mentalität her ein Stier, ich kann aber auch aus dem Rückraum werfen. Also ich bin jetzt nicht so spezialisiert, sondern in mir ist von allem so ein bisschen drin.