Gold nach Finalgala
U18 ist nach 36:27 gegen Slowenien U18-Europameister – Drei Spieler im Allstar-Team
Am Dienstagabend waren sie eigentlich schon ausgeschieden, am Sonntag wurden sie Europameister: die deutsche U18 von Bundestrainer Erik Wudtke erlebte bei der EM in Serbien einen märchenhaften Aufstieg, der sie nach dem sensationell deutlichen 36:27-Erfolg im Finale gegen Slowenien bis aufs Siegerpodium brachte. Zum dritten Mal nach 2008 und 2012 gewann eine DHB-Auswahl den EM-Titel in dieser Altersklasse, hinzu kam 2019 der Titel bei der U19-EM, nachdem die U18-EM ein Jahr zuvor wegen Corona abgesagt worden war. Schon in der Schlussminute klatschte Wudtke alle Spieler auf der Bank ab, beim Abpfiff fegte ein deutscher Jubelorkan durch die Nikolic-Arena in Belgrad. Geschafft! Europameister!
„Ich bin total stolz auf das ganze Team im Hintergrund das die Leistungen der Spieler erst ermöglicht hat. Wir haben leistungsorientiert zusammengearbeitet, um die Spieler besser zu machen. Dazu gehören die Trainer genauso wie die medizinische Abteilung, die Tag und Nacht gerödelt hat, damit das Team so leistungsstark war. Der größte Dank geht aber an die Spieler. Die Jungs haben sich von Spiel zu Spiel gesteigert. Sie haben sich verdient mit dem EM-Titel gekrönt, nachdem wir auf der letzten Rille ins Viertelfinale gekommen waren. Dann haben sie eine unglaubliche Entwicklung genommen“, sagte Wudtke.
Diesem Lob schloss sich auch der Delegationsleiter an, U20-Bundestrainer Martin Heuberger: „Die Spieler haben unglaublich viel in kurzer Zeit gelernt und haben ab dem Viertelfinale eine grandiose Leistung gezeigt. Ab dann ging es richtig bergauf, vor allem in der Abwehr. Definitiv – und unabhängig vom Ergebnis - hat jeder einzelne Spieler unglaublich viel für seinen leistungssportlichen Weg gelernt. So schnell werden sie so etwas nicht wieder erleben, einen solchen Stress mit acht Spielen in elf Tagen.“
Slowenien hatte zuvor alle sieben EM-Partien gewonnen, unter anderem das 30:28 gegen die DHB-Auswahl in der Hauptrunde. Aber nachdem man eher glücklich das Viertelfinale erreicht hatte, hatte der DHB-Zug keine Bremse mehr: Siege gegen Island im Viertelfinale, Spanien im Halbfinale und dann die Gala gegen Slowenien machten den Gold-Traum wahr. Gleich drei DHB-Spieler wurden ins All-Star-Team des Turniers berufen: Torwart: Tjorven Knackstedt sowie Julius Eisend (Rückraum links) und Kreisläufer Malte Elze.
Die ersten Gratulanten waren Vorstand Sport Ingo Meckes sowie Chef-Bundestrainer Nachwuchs männlich Michael Schweikardt, die in Belgrad vor Ort waren. „Ich gratuliere der Mannschaft sowie dem gesamten Staff um Bundestrainer Erik Wudtke herzlich zur Goldmedaille bei der EHF EURO. Dieser Titel ist gerade mit Blick auf den Turnierverlauf sehr besonders. Die Mannschaft hat sich nach Rückschlägen in der Vor- wie auch in der Hauptrunde eindrucksvoll zurückgekämpft und ihr Niveau gerade in den K.o.-Spielen noch einmal gesteigert. Das spricht für die sportliche Qualität sowie die Mentalität der Mannschaft und auch des Trainerteams.
Mit Blick unter anderem auf den WM-Titel der DHB-Juniorinnen sagt der Vorstand Sport: „Mit dieser Goldmedaille schließen wir einen ereignisreichen Nachwuchssommer mit insgesamt drei Goldmedaillen bei fünf Turnieren ab. Diese Erfolge zeigen: Wir sind weiterhin auf einem guten Weg und haben bei beiden Geschlechtern vielversprechende Talente mit tollen Perspektiven. Diese müssen wir weiter nachhaltig fördern und das geht nur gemeinsam mit den Vereinen. Diese Aufgabe gehen wir mit vollem Tatendrang und Rückenwind durch die Erfolge in diesem Sommer an.“
Auch Michael Schweikardt ist begeistert von der Entwicklung der Mannschaft: „Herzlichen Glückwunsch an die Mannschaft und den Staff zu dieser herausragenden Goldmedaille bei der EHF EURO. Dass dieser Doppeljahrgang nun nach dem EYOF 2025 und der U17-WM 2025 bereits das dritte Finale beim dritten Großturnier in Folge erreicht hat, ist ein eindrucksvoller Beweis für die enormen Qualitäten und den Glauben an die eigene Leistungsfähigkeit dieser Generation. Besonders beeindruckend war die kontinuierliche Leistungssteigerung im Laufe des Turniers nach einem holprigen Start. Von diesen wertvollen Erfahrungen werden die Spieler weit über die EHF EURO hinaus profitieren.“
Wie schon Bundestrainer Wudtke zuvor, setzt Schweikardt nun auf den Schulterschluss mit den Vereinen: „Für uns als DHB ist es nun entscheidend, weiterhin eng mit den Vereinen zusammenzuarbeiten, um die Spieler sowohl im Training als auch im Spielbetrieb höchstmöglich zu fordern und zu fördern. Denn der Blick auf die internationalen Top-Nationen zeigt klar: Eine frühzeitige Integration in den Seniorenbereich ist der Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung.“
Die ersten 15 Minuten des am Ende völlig einseitigen Finales gehörten den Slowenen, die dank der Paraden ihres Torwarts Mai Miklavcic 8:5 führten. Doch dann wirkte die Auszeit von Erik Wudtke Wunder. Im Angriff traf die deutsche Mannschaft nun fast bei jedem Versuch, die Abwehr sowie die Torhüter Tjorven Knackstedt und Tobias Dengler stand nun wie eine Wand – und provozierte insgesamt elf slowenische Ballverlust vor der Pause, aus denen dann DHB-Treffer resultierten. In der 20. Minute hatte die DHB-Auswahl die Partie beim 10:9 gedreht – und selbst zwei slowenische Auszeiten innerhalb von sieben Minuten brachten keine Wende – im Gegenteil: dank einer 5:0-Serie bis zum Pausenpfiff setzte sich das deutsche Team auf 17:11 ab. Sieben der 17 Treffer gingen auf das Kieler Duo Vincent Faciejew (4) und Julius Eisend (3).
Der Grundstein für die Goldmedaille war gelegt, und der Hunger nach Toren auch nach dem Seitenwechsel nicht gestillt. Eine weitere 3:0-Serie zum 20:11 war bereits mehr als die Vorentscheidung, die DHB-Auswahl hatte das einseitige Finale komplett unter Kontrolle. Torwart Dengler spielte sich in den Fokus, bei den Slowenen lief auch in Hälfte zwei nur wenig im Angriff zusammen – beim 24:14 war der Vorsprung erstmals zweistellig. Und danach präsentierte sich die DHB-Auswahl selbst in den zahlreichen Unterzahlsituationen bärenstark und ließ nichts mehr anbrennen. Erst als alles entschieden war, ließ die Konzentration etwas nach, Slowenien kam noch zu einer Resultatsverbesserung.
In Belgrad: Deutschland – Slowenien 36:27 (17:11)
Deutschland: Tobias Dengler (THW Kiel), Tjorven Knackstedt (VfL Eintracht Hagen); Tim Thielicke (SC Magdeburg/5/2), Moritz Detlefsen (SG Flensburg-Handewitt), Claudius Beuthner (THW Kiel/2), Julius Pöthke (TSV Burgdorf/1), Finn Meißner (SG Pforzheim/Eutingen/3), Kalle Gaugisch (JSG Balingen-Weilstetten), Vincent Faciejew (THW Kiel/8/1), Elvis Ernesto Kretzschmar (SC Magdeburg/1), Lenn Strobel (JSG Balingen-Weilstetten/2), Julius Eisend (THW Kiel/5), Toma Gadza (HSV Hamburg/4), Malte Elze (SC Magdeburg/4), Constantin Minning (SG Flensburg-Handewitt), Tim Löhr (Rhein-Neckar Löwen/1) – bester Werfer Slowenien: Kovac, Ilc, Podvvrsic (alle 5)
Schiedsrichter: Cipov/Klus (Slowakei) - Zeitstrafen: Deutschland 16 Minuten, Slowenien 8 Minuten, - Siebenmeter: Deutschland 4/3 – Slowenien 5/4
Abschlussklasemment: Gold: Deutschland – Silber: Slowenien – Bronze: Dänemark
4. Spanien, 5. Island, 6. Ungarn, 7. Frankreich, 8. Kroatien, 9. Nordmazedonien, 10. Israel, 11. Portugal, 12. Österreich, 13. Schweden, 14. Serbien, 15. Polen, 16. Färöer, 17. Schweiz, 18. Norwegen, 19. Slowakei, 20. Finnland, 21. Tschechien, 22. Italien, 23. Montenegro, 24. Türkei
All-Star-Team:
Torwart: Tjorven Knackstedt (Deutschland)
Linksaußen: Alex Unnar Hallgrimsson (Island)
Rückraum links: Julius Eisend (Deutschland)
Rückraum Mitte: Emil Bak (Dänemark)
Rückraum rechts: Adrian Sola (Spanien)
Rechtsaußen: Maks Ilc (Slowenien)
Kreis: Malte Elze (Deutschland)
Bester Abwehrspieler: Tjas Erculj (Slowenien)
Torschützenkönig: Yonathan Pelach – 97 Tore
MVP: Jaka Podvrsic (Slowenien)